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1. FC Nürnberg: Trainer Köllner muss gehen - Schommers und Mintal übernehmen beim FCN

Der 1. FC Nürnberg und sein Trainer Michael Köllner gehen getrennte Wege. Das gab der FCN am Dienstagvormittag auf einer dafür einberufenen Pressekonferenz bekannt. Damit reagiert der Club auf die anhaltende Negativserie. Vorerst übernehmen zwei alte Bekannte.
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Michael Köllner übernahm das Nürnberger Team im März 2017. Foto: Daniel Karmann/dpa
Michael Köllner übernahm das Nürnberger Team im März 2017. Foto: Daniel Karmann/dpa

1. FC Nürnberg entlässt Coach Michael Köllner: Nach dem Pokalaus bei Hamburger SV und dem enttäuschenden Kellerduell bei Hannover 96 hat der FCN nun Konsequenzen gezogen. Nach der 2:0-Pleite in Hannover hatte sich Nürnbergs Vorstand Sport Andreas Bornemann noch hinter Köllner gestellt. Am Dienstag kurz nach Mitternacht hatte der Fußball-Bundesligist bereits Sportvorstand Andreas Bornemann beurlaubt. Nun muss auch Köllner gehen.

Der FCN trennt sich von Michael Köllner mit sofortiger Wirkung. Der Oberpfälzer hatte den 1. FC Nürnberg im März 2017 übernommen und in die 1. Bundesliga geführt. Marketingleiter Marcus Rößler, der gestern Nacht als Interimsvorstand beschlossen wurde, wird die Beurlaubung Köllners im Laufe des Dienstags vornehmen.

Erneute Würdigung Bornemanns - Aufstieg aus finanzieller Sicht zu früh?

Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein betonte auf der Pressekonferenz erneut Bornemanns Leistung hinsichtlich des schwierigen finanziellen Weges seit 2015 und der folgenden erfolgreichen Konsolidierung des Vereins. Man wollte nach dem Aufstieg den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung beibehalten, im Wissen, dass man dadurch der Musik sportlich gesehen ein Stück weit hinterher laufen würde, so Grethlein weiter. In Bezug auf den Bundesligaaufstieg im vergangenen Jahr sprach er davon, dass der "Aufstieg aus wirtschaftlicher Sicht womöglich zu früh", zumindest aber früher als geplant erreicht wurde. Deshalb und aufgrund des regelmäßigen Verlusts sportlicher Substanz zugunsten der Konsolidierung, sei die Bundesliga für die Mannschaft sportlich eine große Herausforderung.

Abstiegskampf von Anfang an klar - Hoffnung auf Impuls von Innen

Dass man sich in der Bundesliga von beginn an im Abstiegskampf befinden würde, sei allen klar gewesen, meinte Grethlein. Hinsichtlich der Möglichkeit, bereits zum Jahreswechsel auf personeller Ebene auf die sportliche Situation zu reagieren, betonte Grethlein, dass man auf einen Impuls aus der Mannschaft gesetzt habe. Man habe gehofft, aus den ersten vier Spielen nach der Winterpause mehr Punkte zu holen, als jetzt zu Buche stehen und habe auch ein Weiterkommen im Pokal forciert. Nachdem dieser interne Impuls im Hinblick auf den enttäuschenden Auftritt im DFB-Pokal beim HSV und auch in der Bundesligapartie bei Hannover 96 ausblieb, sei in der Aufsichtsratssitzung am Montag jeder Stein umgedreht und schließlich die Entscheidung gefällt worden, dem Sportvorstand eine Freistellung von Michael Köllner zu empfehlen.

Bornemann bindet sein Schicksal an Köllner

Andreas Bornemann habe jedoch eine Beurlaubung Köllners abgelehnt. Er sei weiterhin überzeugt vom Trainer und könne nicht entgegen seiner Überzeugung handeln. Aufgrund der Überzeugung des Aufsichtsrates, dass eine Veränderung auf dem Trainingsplatz notwendig sei, sei schließlich Bornemann von seinen Aufgaben entbunden worden. Allerdings betonte Thomas Grethlein, dass das Gremium gewillt war, den Weg mit Bornemann als Sportvorstand weiter zu bestreiten. Dieser teilte in einem Telefonat am Dienstag gegen 23 Uhr mit, dass auch er nicht mehr zur Verfügung stehe, falls Köllner gehen muss.

Interimslösung mit Schommers und Mintal soll minimale Chance auf Klassenerhalt ermöglichen

Im Aufsichtsrat sah man sich aber gezwungen zu handeln, um die minimale Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. Gleichzeitig sei man sich bewusst, dass ein Trainierwechsel nicht "den Königsweg" bedeutet. Grethlein verwies hier auch auf den VfB Stuttgart, der trotz des Trainerwechsels zu Markus Weinzierl die sportliche Talfahrt bislang nicht stoppen konnte. Auf Nachfrage wiederholte er deutlich , dass es sich beim nun gefundenen Trainerteam Boris Schommers und Co-Trainer Marek Mintal um eine Interimslösung handele. Eine endgültige Entscheidung bezüglich des Trainerpostens werde der künftige Sportvorstand treffen. Auch die Trainersuche sei nicht Aufgabe des Aufsichtsrats. Der Nachfolger von Bornemann solle zeitnah, allerdings nicht überstürzt gefunden werden. Man werde "keine Lösung übers Knie brechen", stellte Grethlein klar.

Im Abstiegsfall: Fokus auf nachhaltiger sportlicher Entwicklung

Hinsichtlich der minimalen Chance, doch noch in Liga Eins zu bleiben, gab Grethlein die Vorgabe aus, im Abstiegsfall "die Weichen frühzeitig auf nachhaltige sportliche Entwicklung" stellen zu wollen. Es sei wichtig, nach einem möglichen Abstieg nicht jahrelang in der Zweiten Bundesliga festzusitzen. Allerdings kehre man aus wirtschaftlicher Sicht stärker in Liga 2 zurück, als man sie verlassen habe.

Gegen Ende seines Statements gab sich der Aufsichtsratsvorsitzende jedoch erneut kämpferisch: "Noch sind wir nicht abgestiegen. Es sind nur drei Punkte bis zum Relegationsplatz". Die Hoffnung schien authentisch, auch wenn Grethlein im Hinblick auf die Sieglos-Serie von nunmehr 15 Bundesliga-Spielen darauf hinwies, dass auch diese drei Punkte schwierig zu holen seien.

Schommers und Mintal übernehmen vorerst

Die Interimstrainer Schommers und Mintal bereiten das Team nun auf das schwere Heimspiel am kommenden Montag (20.30 Uhr) gegen Tabellenführer Borussia Dortmund vor.

FCN-Trainer: Wer soll Köllner beim Club beerben?

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jh



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