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FCN trennt sich von Canadi: Mintal übernimmt vorerst - Umfrage: Wer soll neuer Club-Coach werden?

Der 1. FC Nürnberg und Damir Canadi gehen getrennte Wege. FCN-Legende Marek Mintal übernimmt vorerst das Training. Doch wer wird die neue Dauerlösung auf der Trainer-Position?
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Damir Canadi ist nicht länger Coach des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Das Training beim Club übernimmt vorerst Marek Mintal. Doch ist das "Phantom" auch eine Dauerlösung? Foto: Marcel Kusch/dpa
Damir Canadi ist nicht länger Coach des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Das Training beim Club übernimmt vorerst Marek Mintal. Doch ist das "Phantom" auch eine Dauerlösung? Foto: Marcel Kusch/dpa

Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg hat sich von Trainer Damir Canadi getrennt. Der nach dem Abstieg verpflichtete Österreicher muss nach dem 1:3 am Montagabend beim VfL Bochum gehen, wie der Club am Dienstag mitteilte. Die sportliche Verantwortung übernimmt vorerst U21-Coach Marek Mintal.

"Wir haben uns nach der Rückkehr aus Bochum zusammengesetzt, die Situation selbstkritisch und ehrlich analysiert und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass es der richtige Schritt ist, die Zusammenarbeit zu beenden", erklärte Sportvorstand Robert Palikuca. "Es war ein offenes Gespräch, in dem wir die Entwicklungen kritisch bewertet haben und am Ende der Meinung waren, dass es im Interesse des Vereins ist, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben. Ich danke dem Verein und seinen Fans für die Zeit hier in Nürnberg und wünsche dem Club, dass er die gesteckten Ziele erreicht", wird Damir Canadi auf der Vereinswebsite zitiert.

Club-Legende Mintal wird das Team ab Mittwoch auf die anstehende Heimpartie gegen Arminia Bielefeld (Sonntag 10. November 19, 13.30 Uhr) vorbereiten. Unterstützt wird der ehemalige FCN-Torjäger dabei von Co-Trainer Ahmet Koc, der ihm in der aktuellen Saison auch bei der U21 zur Seite steht.

 

Krise nach FCN-Pleite in Bochum: Club-Fans forderten Canadi-Rausschmiss

Die Entscheidung, Canadi zu entlassen, hatte sich bereits abgezeichnet. Nach der 1:3-Niederlage des 1. FC Nürnbergs in Bochum forderten viele der mitgereisten Club-Fans lautstark die Entlassung des Fußballlehrers.

Im Mai war der 49-jährige Canadi verpflichtet worden, er sollte den Traditionsverein in seiner auf zwei Jahre datierten Amtszeit zurück in die Bundesliga führen. Canadi, der zuvor beim griechischen Erstligisten Atromitos Athen mit überschaubarem Budget erfolgreich gearbeitet hatte, war in Nürnberg der Nachfolger von Interimscoach Boris Schommers.

"Canadi raus!"-Rufe in Bochum: Club-Fans wüten gegen eignen Trainer

Nürnbergs Fußballer standen nach der Pleite im Ruhrpott bedröppelt und mit gesenkten Köpfen vor der Gäste-Kurve und ließen sich vom aufgebrachten Fan-Vorsänger über ein Megafon anbrüllen. Nach dem nächsten Tiefpunkt ihrer Talfahrt blieb den Franken nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Canadi selbst war zu dem Zeitpunkt schon in den Katakomben des Ruhrstadions verschwunden. Die "Canadi raus!"-Rufe aus dem Club-Block dürfte der Wiener aber noch gehört haben.

Die Situation des Chefcoachs hatte sich am Montagabend also nochmals verschärft. Nachdem er bereits Berichte und Gerüchte und ein gestörtes Binnenklima zwischen ihm und seinen Spielern dementiert hatte, sagte Canadi nach dem Rückschlag in Bochum: "Am Ende muss ich die Verantwortung übernehmen. So wie es im Fußball nun mal ist."

Canadis verheerende Herbstbilanz: Nur ein Sieg aus den letzten neun Pflichtspielen

Nur ein Sieg in zuletzt neun Pflichtspielen sind eine verheerende Herbstbilanz für ein Team, das eigentlich in die Bundesliga zurückkehren will. In der Tabelle rutschte der Club auf Platz elf ab, der Rückstand auf die Aufstiegsplätze beträgt bereits neun Punkte. Die Abstiegszone ist indes nur noch zwei Zähler entfernt.

Club-Auftritt in Bochum: Verpatzte erste Hälfte mit vielen Fehlern

In einer völlig verpatzten ersten Hälfte hatten sich die Nürnberger die Niederlage mit individuellen Fehlern selbst eingebrockt. Danilo Soares (9. Minute), Simon Lorenz (40.) und Manuel Wintzheimer (45.) trafen für den VfL bis zur Pause. Dass U19-Torwart Benedikt Willert, der wegen gleich vier Ausfällen zu seinem Profidebüt kam, zweimal nicht gut aussah, nahm ihm Canadi nicht übel. "Da nehme ich unseren jungen Torhüter ausdrücklich aus der Schuld", betonte der Trainer. Dass sich aber beim 0:2 zwei Spieler in der Mauer wegduckten, sei "desolat". Der Treffer von Asger Sörensen (63.) war zu wenig für die Aufholjagd.

Der erst 18 Jahre alte Willert erhielt sogar Beistand vom generischen Torwart Manuel Riemann, der die VfL-Fans gestenreich aufforderte, den Nürnberger Nachwuchskeeper nicht mit Hohngesängen zu verspotten.

Ratlose Spieler stellen sich wütenden Fans

Die Spieler waren ratlos. "Ich weiß nicht, woran das liegt und warum wir diese Phasen haben", sagte Kapitän Hanno Behrens zum ersten Abschnitt. Sörensen berichtete, dass Nürnberg eigentlich tief und kompakt stehen wollte, um dann bei Kontern gefährlich zu werden. "Ich kann nicht erklären, wie wir dann zusammenfallen.".

 

Dass in der Schlussphase das vermeintliche 2:3 nach einem Videobeweis aberkannt wurde, war auch kein Trost. So mussten die Spieler nach dem Schlusspfiff vor die eigenen Anhänger trotten und sich einiges anhören. Behrens zeigte sogar Verständnis für den Unmut: "Ich kann die Fans verstehen, die fahren lange hierher. Da habe ich volles Verständnis, dass wir nach dem Spiel auf die Fresse kriegen. Sowas haben sie nicht verdient."

Plädoyer für Canadi: Kapitän Behrens gibt sich selbstkritisch

Dann hielt der Mittelfeldspieler noch ein vorsichtiges Plädoyer pro Canadi. "Jetzt alles auf den Trainer zu schieben, das kann man nicht. Wir sind ein Team, arbeiten alle zusammen. Die Erfolge sind nicht da, aber das am Trainer festzumachen, ist zu einfach. Da müssen wir uns als Mannschaft an die eigene Nase fassen", sagte Behrens.

 

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