Nürnberg
Sommerhitze

Tiergarten Nürnberg: Wie vertragen die Eisbären die Hitze?

Die Tiere im Nürnberger Tiergarten sehen die Sommerhitze gelassener als man denkt. Eisbären liegen in der Sonne, Löwen im Schatten.
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Eisbärin Vera mit einer Eisbombe, die es zu allen Jahreszeiten gibt. So ein Eisbatzen mit Fischinhalt soll nicht nur Abkühlung bringen, sondern die Eisbären auch beschäftigen. Foto: Helmut Mägdefrau
Eisbärin Vera mit einer Eisbombe, die es zu allen Jahreszeiten gibt. So ein Eisbatzen mit Fischinhalt soll nicht nur Abkühlung bringen, sondern die Eisbären auch beschäftigen. Foto: Helmut Mägdefrau
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Mit geschlossenen Augen reckt Eisbär Nanuq seinen Kopf der Mittagssonne entgegen. Er scheint die Hitze dieser Tage zu genießen, so entspannt, wie er auf seinem Stein liegt und seine Pfoten von sich reckt. Auch seine Freundin Vera hatte ein Sonnenbad genommen, war aber aufgesprungen, als Helmut Mädgefrau mit dem E-Mobil um die Ecke kam: Es könnte ja etwas zum Fressen geben. Aber dafür ist der stellvertretende Direktor des Nürnberger Tiergartens nicht zuständig. Er fährt eine Runde durch den Zoo und schaut sich nach den Tieren um. Als passionierter Fotograf hat er immer seine Kamera dabei - und drückt bei den Eisbären gleich mal ab.

Das dicke Fell ist ein guter Schutz

Das elfjährige Männchen Nanuq kam am 8. April im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms aus dem Zoo Hannover nach Nürnberg. Auf der Suche nach einem passenden Weibchen fiel die Wahl auf Vera. Sie ist die Mutter der Eisbärenmädchen Flocke (2007 geboren, heute in Frankreich) und der fünfjährigen Charlotte, die im März nach Hannover umzog. Als Nanuq in Nürnberg ankam, zeigte er sich nach Mitteilung des Tiergartens "freundlich interessiert an seiner neuen Partnerin". Das Männchen sei von beeindruckender Größe, jedoch ein ausgeglichenes Tier und verhalte sich sehr sozial.Nanuq verhält er sich zurzeit ein bisschen faul. Er schmort genauso wie Vera gern in der Sonne. Wobei - schmoren sie überhaupt? "Man denkt immer, dass Eisbären doch schwitzen müssten. Aber sie haben ihr schützendes weißes Fell, das so dick ist, dass es von außen nach innen genauso wie von innen nach außen isoliert", erklärt Tiergarten-Sprecherin Nicola Mögel.

Wärme ist Eisbären grundsätzlich nicht fremd: In ihrem natürlichen Lebensraum wie Grönland und Alaska gibt es durchaus Sommertage mit über 30 Grad und in Gebieten, wo die Mitternachtssonne scheint, müssen die Tiere ebenfalls mit wenig Schatten zurechtkommen. "Wenn sich die Eisbären nicht anstrengen und ihren Kreislauf hochjagen, können sie gut mit der Hitze umgehen", sagt Nicola Mögel. "Und wenn ihnen zu warm wird, springen sie einfach ins Wasser und kühlen sich ab."

Außerdem können sie an Eisbomben knabbern, die mit Fisch, Fleisch, Gemüse oder Obst gefüllt sind. "Sie dienen jedoch nicht unbedingt der Kühlung, sondern sind Beschäftigung", ergänzt Helmut Mägdefrau. Deshalb werden die Eisbomben auch im Winter angeboten. Damit sich die Eisbären nicht langweilen, überlegen sich die Tierpfleger immer wieder was anderes und frieren zum Beispiel Spielzeug wie Bälle mit ein.

Große Gehege mit viel Schatten

Generell sei die Hitze für den Zoo keine besondere Herausforderung, sagt Nicola Mögel. "Wir haben das Glück, ein großes Gelände mit vielen Bäumen zu haben. Auch die Gehege sind groß, so dass die Tiere genug Platz haben, um der Sonne ausweichen zu können. Im Sommer achten wir noch mehr als sonst darauf, dass immer und überall ausreichend frisches Wasser vorhanden ist."

Schatten und der leichte Wind seien auch die Gründe, warum der Zoo selbst bei Hitze ein begehrtes Ziel ist. "Die Besucher erzählen uns immer wieder, dass sie lieber die gute Luft im Tiergarten genießen als in der stickigen Stadt", erzählt Nicola Mögel. Deshalb seien selbst im Supersommer 2018 die Besucherzahlen sehr gut gewesen.

Pinguine im Sprühnebel

Doch bekommt man im Sommer auch wirklich alle Tiere zu sehen? Verkrümeln sie sich nicht, weil es ihnen zu heiß ist? "Nein", sagt Mögel. "Es gibt keine Tiere, die sich gar nicht mehr blicken lassen." Den Delfinen zum Beispiel sei die Hitze egal, die Pinguine nutzen gern die eigens installierte Sprühnebelanlage. Die asiatischen Löwen hingegen suchen meist den Schatten. "Sie kommen aus Nordwestindien, dort ist es eher mal kalt als warm", sagt Mögel. Deshalb schwitzen die Löwen bei Hitze.

Aber spätestens zur Fütterung kommen alle angetrabt, geplatscht und geschwommen. Dann hält auch Vera und Nanuq nichts mehr auf ihrem Sonnenfelsen oder im kühlen Wasser.

Kommentierte Fütterungen

Um den Besuchern die Tiere und deren Biologie näher zu bringen, werden im Nürnberger Tiergarten kommentierte Fütterungen angeboten. Dabei geben die Tierpfleger Informationen über die Lebensweise der Tiere und stehen - wenn es ihre Arbeitszeit zulässt - auch für Fragen zur Verfügung.

Die Raubtiere werden täglich außer Montag und Donnerstag um 15 Uhr im Raubtierhaus gefüttert. Im Aquapark gibt es mehrere kommentierte Fütterungen: Robben um 9.45 und 13.45, Eisbären 14.30 Uhr, Otter 15 Uhr und Pinguine 15.30 Uhr.

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