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Nürnberg
Spielwaren

Seine Kritiker sind die Kinder

Für den Spielzeugdesigner Markus Utomo ist Nürnberg der ideale Sitz. Einmal im Jahr während der Spielwarenmesse kommen alle Kunden zu ihm. Ob eine Idee funktioniert, testet der Wahlfranke aber ganz woanders.
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Markus Utomo mit einer Auswahl der von ihm designten Spiele Foto: Ronald Rinklef
Markus Utomo mit einer Auswahl der von ihm designten Spiele Foto: Ronald Rinklef
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Viel braucht Markus Utomo nicht, um ein neues Spielzeug zu entwickeln. Schon gar nicht große Räume. Ein kleines Büro in einer Gemeinschaft im Nordosten Nürnbergs reicht ihm. "Die Digitalisierung hat mir unheimlich viele Vorteile gebracht", sagt der 37-Jährige."Auf meinem Level bräuchte ich sonst eine 20-Personen-Agentur."

Utomo ist freischaffender Spielzeuggestalter mit einem Mitarbeiter. Dieser sitzt in München. Kommuniziert und gemeinsam gearbeitet wird in der Regel digital. Der Nürnberger zeigt auf sein iPad Pro und den dazugehörigen Zeichenstift. "Damit werden die Ideen ausgearbeitet." Der Rest erfolgt im 3D-Druck-Verfahren. Keine Werkstatt, keine Säge für Prototypen.

Die Kunden - in der Regel Spielzeugproduzenten - trifft er immer noch persönlich. Utomo, seit zwölf Jahren im Geschäft, hat sich in der Branche einen Namen gemacht. "Aber viele Kontakte hätte ich nicht ohne Internet, ohne meine Website", sagt er. Wer im Netz nach einem Spielzeugdesigner sucht, stößt schnell auf den Nürnberger.

Von "Quincy" beeinflusst

Utomos Beruf ist dabei weder alltäglich noch geläufig. "Als Neunjähriger wollte ich Gerichtsmediziner werden, was mein Umfeld immer ein wenig verstört hat", erzählt er. Die US-Fernsehserie "Quincy" hatte ihn damals beeinflusst. Sein erster Wunsch nach dem Abitur blieb die Medizin: Kinderarzt wollte er werden. Dann riet ihm ein Hochschulberater: "Mach' während deiner Zivildienstzeit eine Aufgabe mit Kindern."

Und es kam anders. In der Kinderklinik waren alle Plätze belegt. Im Kindergarten klappte es - und wie. "Die Kinder haben sich gelangweilt und ich habe ihnen neue Sachen gebaut", erinnert sich Utomo. Schnell kam der Gedanke: Irgendjemand muss diese ganzen Spielsachen auf dem Markt ja machen. "Ich habe recherchiert", sagt Utomo. "Und habe einen Studiengang Spielzeugdesign gefunden."

Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale ist in dieser Hinsicht einzigartig in Deutschland. Alle studierten Spielzeugdesigner kommen von dort. Entsprechend anspruchsvoll ist das Auswahlverfahren. "Da ich in der Schule keinen Leistungskurs Kunst belegt hatte, musste ich erst Arbeitsproben anfertigen", erzählt Utomo. Er bestand die Eignungsprüfung und bekam einen der damals 14 Studienplätze in seinem Fachbereich - unter einer Bedingung: ein handwerkliches Vorpraktikum war Pflicht. Also sammelte Utomo weiter Erfahrung, ein paar Monate bei einem Tischler und ein paar Monate in einem Metallatelier.

Roboterideen aus Tokio

Die zehn Semester als Industriedesigner der Fachrichtung Spiel- und Lernmitteldesign vergingen wie im Flug. Zusätzlich absolvierte Utomo Auslandssemester an den Universitäten Oslo und Tokio. "Das hat mich stark zu meiner Diplomarbeit inspiriert." Lange vor den heutigen Trends ging es dabei um Roboter als Spielzeug und künstliche Intelligenz. "Das Ganze war am Ende ein Spiel, das analoge und digitale Welten kombiniert hat", erzählt Utomo. "Das Spiel wurde auf einem Bildschirm erzählt. Da gab es unterschiedliche Aufgaben, und von den Kindern zusammengebaute Roboter mussten die Aufgaben lösen."

Das war im Jahr 2008. Heute, nach zwischenzeitlich acht Jahren als angestellter Spielzeugdesigner bei der Firma Simm (Roth), ist Utomo sein eigener Herr. Vieles, was er an Spielzeugen entwickelt, funktioniert nach klassischen Schemata. "Anders als der Weltmarkt ist der deutsche Markt noch sehr konservativ", sagt er. Auftraggeber forderten vieles an, was sehr traditionell sei, weil vor allem die kleinen Firmen das Risiko scheuten, in Neues zu investieren.

Kinder sind sehr direkt

Meist geben die Kunden ein Thema vor. "Zum Beispiel ,Monster‘. Die haben dann auch schon konkrete Vorstellungen zur Elektronik", erklärt Utomo. Seine eigenen Ideen bleiben im Moment oft in der Schublade. "Ich kann mich gerade vor Aufträgen nicht retten." Überhaupt sei die Spielwarenbranche sehr resistent gegenüber allgemeinen wirtschaftlichen Einflüssen. "Am Kind wird als Letztes gespart."

Utomo hat zwei Kinder, sechs Jahre und sechs Monate alt. Die sechsjährige Sofia steuert die ein oder andere Idee bei. Ihr Papa testet dann in ihrem Kindergarten regelmäßig seine Neuheiten. Das Design müsse die Nutzer ansprechen. Und Kinder seien da sehr direkt.

Was ein gutes Spiel ausmacht? "Es soll auf jeden Fall fordern. Und die Langzeitmotivation muss da sein", sagt Utomo. Ein guter Indikator sei oftmals auch, "dass es sowohl Kindern als auch Erwachsenen Spaß macht".

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