Schwarzenbruck
Behinderteneinrichtung

Rummelsberger Diakonie: Illegale Medikamententest an Behinderten - mindestens ein Kind betroffen

In der Rummelsberger Diakonie bei Nürnberg hat ein angestellter Arzt in den 1970er Jahren illegale Medikamenten-Tests durchgeführt. An wie vielen Kindern mit Behinderung er sich vergangen hat, ist noch unklar. Akten dazu wurden wahrscheinlich vernichtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
In den 1970er Jahren soll sich der damals angestellte Arzt an mindestens einem Zehnjährigen vergangenen haben. Symbolfoto: pixabay.com
In den 1970er Jahren soll sich der damals angestellte Arzt an mindestens einem Zehnjährigen vergangenen haben. Symbolfoto: pixabay.com
Ein angestellter Arzt der Rummelsberger Diakonie hat in den 1970-er Jahren Versuche mit Medikamenten an mindestens einem Kind in einer Behinderteneinrichtung vorgenommen. Der Sprecher der Diakonie, Georg Borngässer, hat dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) dazu bestätigt. Der Leiter des betroffenen Auhofs in Hilpoltstein (Landkreis Roth), Andreas Ammon, und er selbst hätten sich bei dem Opfer für das Vergehen inzwischen entschuldigt, sagte Borngässer, "es ist beschämend, was da passiert ist".


Akten wurden vernichtet


Der Rummelsberger Pressesprecher kündigte an, von einem unabhängigen Wissenschaftler solche Vorgänge und die Erziehungsmethoden in den Behinderteneinrichtungen in den Jahren 1950 bis 1980 untersuchen zu lassen. Er wage nicht, weitere Medikamententests auszuschließen, sagte Borngässer auf epd-Anfrage. Allerdings ist der beschuldigte Arzt inzwischen gestorben. Die Rummelsberger hätten zudem Akten von betreuten Kindern und Jugendlichen nach 30 Jahren vorgeschriebener Aufbewahrungszeit vernichtet.


Zehnjähriger leider schwer unter Medikamententests


Der BR berichtet, dass der damals zehnjährige Martin H. ohne sein Wissen an einem Arzneimitteltest teilgenommen habe. Aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der Grünen sei außerdem hervorgegangen, dass keine elterliche Einwilligung für den Versuch vorgelegen habe. Martin H. habe Psychopharmaka erhalten, um ihn ruhig zu stellen. In der Folge habe er unter schweren Nebenwirkungen gelitten.

Die Rummelsberger Diakonie in Rummelsberg bei Nürnberg ist einer der großen diakonischen Träger in Deutschland. In etwa 200 Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Flüchtlinge, Senioren und Menschen mit Behinderung in Bayern sind etwa 6.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.