Nürnberg
Rock im Park 2018

Rock im Park 2018: RIP-Security prügelte Flaschensammler auf Zeltplatz blutig

"Rock im Park" gilt als friedliches Festival. Doch ein handfester Streit zwischen einem Besucher und zwei Sicherheitsmitarbeitern löst derzeit Fragen nach dem Sicherheitskonzept aus. Was war passiert?
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"Rock im Park" gilt als friedliches Festival. Doch ein handfester Streit zwischen einem Besucher und zwei Sicherheitsmitarbeitern löst derzeit Fragen nach dem Sicherheitskonzept aus. Was war passiert?Symbolbild: pixabay.com / RyanMcGuire
"Rock im Park" gilt als friedliches Festival. Doch ein handfester Streit zwischen einem Besucher und zwei Sicherheitsmitarbeitern löst derzeit Fragen nach dem Sicherheitskonzept aus. Was war passiert?Symbolbild: pixabay.com / RyanMcGuire
Musik, Party und ganz viel gute Laune: Für diesen Dreiklang steht "Rock im Park". Ein Vorfall droht nun einen Schatten auf das friedliche Image des Musikfestivals zu werfen. In den allerletzten Stunden der dreitägigen Massenveranstaltung mit rund 70.000 Besuchern hat sich in diesem Jahr eine folgenschwere Auseinandersetzung zwischen einem 29-jährigen Besucher und zwei Security-Mitarbeitern zugetragen, die der junge Mann mit einer blutigen Nase und Prellungen im Gesicht bezahlte.

"Die Ermittlungen in diesem Fall laufen noch", sagt ein Sprecher der mittelfränkischen Polizei am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung. Mehrere Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hätten den Besucher in den frühen Morgenstunden des 4. Juni mit Stirnlampe zwischen den Zelten gesehen. Laut Festival-Sprecher Dario Lob vom Würzburger Konzertveranstalter Argo habe der Besucher vermutlich in dem herumliegenden Müll nach Pfandflaschen gesucht. Damit hat der Mann offensichtlich die Aufmerksamkeit der Sicherheitsleute auf sich gezogen. Immerhin hat es allein beim diesjährigen Festival rund 50 Diebstähle gegeben. Darunter fallen auch Fälle von "Zelt-Schlitzern", die es auf Wertsachen in den windigen Behausungen der Festivalgäste abgesehen haben. Laut Polizei sei es in der Folge der Begegnung zwischen Festivalgast und den beiden Sicherheitsmitarbeitern zu der folgenschweren Auseinandersetzung gekommen. Über den Ablauf der handfesten Begegnung kursieren laut Polizei "völlig unterschiedliche Schilderungen".


Verdacht ein "Zelt-Schlitzer" zu sein

Der Festivalbesucher hat seine Version kürzlich der Nürnberger Lokalzeitung ausführlich geschildert. Darin erhebt der 29-Jährige schwere Vorwürfe gegen seine Widersacher, von denen er "brutal geschlagen" worden sei. Zum Beweis hat das vermeintliche Opfer ein Foto von seiner blutigen Nase und den Hämatomen und Prellungen im Gesicht an die Zeitung mitgeschickt. Nach der allerletzten Band am Sonntagabend (3. Juni 2018) kurz vor der Abreise habe er noch Freunde auf dem Zeltplatz besucht, erinnert er sich gegenüber den Nürnberger Nachrichten. Anschließend habe er in dem herumliegenden Unrat zwischen den Zelten nach Brauchbarem wie Plastikpfandflaschen gesucht.

Daraufhin sei er von Sicherheitsleuten angesprochen worden. Vermutlich hätten diese gedacht, dass er ein "Zelt-Schlitzer" sei und etwas stehlen wolle. Im Laufe des Gesprächs zwischen den späteren Kontrahenten sollen die Sicherheitsmitarbeiter seinen Angaben zufolge immer aggressiver geworden sein. Der Festivalbesucher vermutet, dass die Männer mit den gelben Warnwesten seine Erkrankung fälschlicherweise als Trunkenheit missdeutet haben könnten. Laut eigener Aussage leidet der Mann unter dem "Asperger-Syndrom". Eines der Hauptmerkmale dieser Autismus-Erkrankung sind Schwächen in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Anschließend hätte ihn einer der Sicherheitsmänner festgehalten, während ein anderer ihm "mehrfach mit der Faust ins Gesicht und auf den Hinterkopf" geschlagen hätte. Nachdem er um Hilfe gerufen hätte, seien daraufhin Polizei und Sanitäter eingetroffen. Zur Behandlung der Blessuren sei er später selbstständig ins Krankenhaus gefahren.

Festival-Sprecher Dario Lob droht mit Konsequenzen. Gleichzeitig verweist er auf die laufenden Ermittlungen der Polizei. "Wir müssen als Veranstalter die Ermittlungen der Polizei abwarten. Wenn die Sicherheitsmitarbeiter rechtskräftig verurteilt werden, dann wird die betreffende Firma im nächsten Jahr bei ,Rock im Park` nicht mehr eingesetzt", sagt Lob von Argo-Konzerte am Mittwoch gegenüber diesem Medienhaus. Lob betont gleichzeitig den friedlichen Charakter des Festivals. "Die Anzahl der Vorfälle liegt im Promillebereich", sagt Lob und verweist auf fünf Körperverletzungen, die es heuer bei der dreitägigen Massenveranstaltung mit 70.000 Besuchern lediglich gegeben habe. In den letzten Jahren habe man die Zahl der Sicherheitskräfte zudem erhöht. In diesem Jahr seien rund 1.500 Security-Mitarbeiter von 14 verschiedenen Firmen bei "Rock im Park" im Einsatz gewesen.

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    Positiv bewertet Lob das neue Konzept für mehr Sicherheit im Straßenverkehr der Festivalbesucher. Demnach sei die Geschwindigkeit auf vier Straßen rund um das Festivalgelände im Einvernehmen mit der Stadt Nürnberg erstmals auf Tempo 10 reduziert worden. Außerdem seien Grünflächen abgesperrt worden, um "Wildparker" von viel befahrenen Durchgangsstraßen fern zu halten. Beide Maßnahmen zur Minimierung der Unfallgefahr hätten sich bei ihrer Premiere in diesem Jahr bewährt.


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