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"Reichsbürger" von Georgensgmünd: "Musste Entscheidung treffen"

Laut Psychiater ist der Reichsbürger von Georgensgmünd voll straffähig - er habe aber "abnorme Überzeugungen". Der Prozess steht vor dem Abschluss.
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Wolfgang P. (M, der "Reichsbürger"-Bewegung angehört, trifft in Begleitung von Polizei und seiner Anwältin Susanne Koller (r) am frühen Morgen des 11.10.2017 zu einem Ortstermin in Georgensgmünd (Bayern) ein. Laut Psychiater ist der Reichsbürger von Georgensgmünd voll straffähig - er habe aber "abnorme Überzeugungen". Der Prozess steht vor dem Abschluss. Foto: Daniel Karmann/dpa
Wolfgang P. (M, der "Reichsbürger"-Bewegung angehört, trifft in Begleitung von Polizei und seiner Anwältin Susanne Koller (r) am frühen Morgen des 11.10.2017 zu einem Ortstermin in Georgensgmünd (Bayern) ein. Laut Psychiater ist der Reichsbürger von Georgensgmünd voll straffähig - er habe aber "abnorme Überzeugungen". Der Prozess steht vor dem Abschluss. Foto: Daniel Karmann/dpa
Im Prozess gegen den sogenannten Reichsbürger von Georgensgmünd soll am Donnerstag die Staatsanwaltschaft ihren Schlussvortrag halten. Zuvor (12.30 Uhr) muss nach Angaben der Richterin noch über einige Anträge entschieden werden.

Der 50 Jahre alte Wolfgang P. ist unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes an Polizisten angeklagt. Er soll bei einem Routineeinsatz der Polizei im Oktober 2016 auf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) geschossen haben. Ein Polizist wurde getötet, zwei weitere verletzt.

Bei dem Einsatz sollten die rund 30 Waffen des Jägers beschlagnahmt werden, weil er als nicht mehr zuverlässig galt. "Reichsbürger" lehnen die Bundesrepublik, ihre Organe und Behörden ab.


Voll schuldfähig

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte den Angeklagten am Mittwoch als voll schuldfähig eingestuft. "Mir fehlen die Symptome, um von einem psychisch kranken Menschen sprechen zu können", sagte der Sachverständige Michael Wörthmüller am Mittwoch.

Trotzdem habe der 50 Jahre alte Wolfgang P. zweifellos "ungewöhnliche", ja "abnorme" Überzeugungen. Es sei jedoch höchstens eine psychologische Frage, wie diese zustande kommen. Aufgrund einer Gehirnschädigung durch einen früheren Unfall sei P. eingeschränkt belastungsfähig, seine Denkfähigkeit sei davon jedoch nicht beeinträchtigt.


"Held oder Arschloch"

P. hatte dem Psychiater erzählt, dass er am Tag der tödlichen Schüsse eine Entscheidung darüber habe treffen müssen, ob er als "Held oder Arschloch" in Erinnerung bleiben werde. P. habe selbst wahrgenommen, dass er eine Entscheidung treffen musste, sagte der Psychiater. "Ihm ist klar, dass er die falsche Entscheidung getroffen hat." Es sei aber "kein krankhafter Prozess" gewesen, der seine Fähigkeit zur Wahrnehmung der Situation beeinträchtigt habe.
Aus Sicht der Verteidigung wusste P. nicht, dass am Tattag die Polizei vor seiner Tür steht. Er sei von einem Überfall ausgegangen. Das Plädoyer der Verteidigung ist bislang für Freitag geplant. Ein Urteil könnte dann am Montag gesprochen werden.


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