Nürnberg
Müllvermeidung

Plogging: Nürnberger Müllsammler organisieren sich über Facebook - ihre Ausbeute ist erschreckend

Eine Nürnberger Gruppe sammelt Müll an verschiedenen Orten der Stadt. Ziel ist es, mehr Bewusstsein für die Umwelt und die Menge an Müll auf der Straße zu schaffen. Bei ihren "Plogging"-Einsätzen stoßen sie auf jede Menge Zigarettenstummel, aber auch auf Spritzen und gebrauchte Binden.
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So sieht eine Tagesausbeute der Plogging-Gruppe aus. In Nürnberg sammeln die Mitglieder Müll von der Straße. Foto: Cleanup - Plogging Nürnberg /Facebook
So sieht eine Tagesausbeute der Plogging-Gruppe aus. In Nürnberg sammeln die Mitglieder Müll von der Straße. Foto: Cleanup - Plogging Nürnberg /Facebook
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Müll sammeln auf der Straße? In Nürnberg macht das unter anderem die Gruppe: "Cleanup - Plogging Nürnberg". Aber was steckt dahinter?

"Plogging" ist ein Fitnesstrend aus Skandinavien. Das Wort "Plogging" ist ein Schachtelwort aus dem Schwedischen "plocka" (auf Deutsch: aufheben; pflücken) und Jogging. Bei der Sportart soll beim Laufen Müll gesammelt werden, einige verzichten aber auf das Laufen und sammeln einfach nur Müll. "Es geht darum, mehr Bewusstsein zu schaffen", erklärt Alex Cio, Initiator des Projekts in Nürnberg inFranken.de.

Nürnberg: So entstand das Plogging-Projekt

Die Idee fürs Müllsammeln hat Alex von einem Youtuber. Dieser startete eine ähnliche Aktion in Köln. Da Alex vorher schon mehrere Berührungspunkte mit dem Thema Nachhaltigkeit hatte, begann er sich auch dafür zu interessieren und startete erste Versuche. Dabei lernte er eine weitere Person kennen, gemeinsam beschlossen sie, eine Facebookseite zu erstellen.

Seit Ende 2018 sind jetzt immer vier bis fünf Personen unterwegs. Es gab auch schon Events mit bis zu 40 Leuten, die wurden dann in Zusammenarbeit mit Bluepinguoder Zero Waste Nürnbergorganisiert.

Jeder kann mitmachen: Handschuhe an und los geht's

"Es gibt schon einen festen Kern an Leuten, die eigentlich immer mitkommen", berichtet Alex. Ab und zu kommen auch neue Leute mit. Mitmachen kann übrigens jeder. Empfehlenswert ist es, Handschuhe und einen Beutel für den Müll mitzubringen. Meistens hat Alex aber noch Ersatzhandschuhe und mehrere Beutel dabei, falls mal jemand unvorbereitet kommt. Dass solche Aktionen notwendig sind, zeigte zuletzt Rock im Park 2019. Die Besucher hinterließen ein großes Müllchaos.

Bewusstsein schaffen: Müllsammeln ist nur der Weg zum Ziel

Die Plogging-Aktionen hat die Gruppe bereits an vielen Plätzen in Nürnberg durchgeführt. Unter anderem im Südstadtpark, am Kopernikus- und am Aufseßplatz, am Plärrer und in der Königstorpassage waren die Müllsammler schon unterwegs.

"Wir gehen meist auf größere Plätze. Da wo viele Menschen sind, erreicht man die Leute auch am besten." Das Müllsammeln an sich ist nicht das eigentliche Ziel der Gruppe, vielmehr geht es darum Bewusstsein zu schaffen: "Man sieht den ganzen Müll nicht", klagt Alex. "Wäre es nicht vernünftig, einmal kurz zusammenzuhalten und auf die Straße zu gehen?"

Mehrmals im Monat: Aktionen werden über Facebook vereinbart

Die Aktion findet mittlerweile mehrmals im Monat statt. Für jeden Termin gibt es eine eigene Facebookveranstaltung. Diese ist immerauf der Seite der Plogginggruppezu finden. Passanten und Fußgänger sind oft begeistert über das Treiben der Gruppe. "Meistens finden wir mindestens einen blauen Sack voll Müll", erzähl Alex. An manchen Stellen könne man sich aber sicher sein, dass man mehr findet.

Zigarettenstummel sammeln - über 1000 Kippen in kurzer Zeit

Das Grundprinzip der Gruppe: öffentlichkeitswirksames Arbeiten. Auf seinem Youtube-Kanal dokumentiert Alex unter anderem die Ergebnisse des "Plogging". Zum Müllsammeln gehören auch Zigarettenstummel. Davon findet man besonders viele, weshalb sich daraus noch ein eigenes Projekt entwickelt hat. "Mich hat damals jemand über Twitter angeschrieben. Mit ihm bin ich mal Zigarettenstummel sammeln gegangen." Das Ergebnis: mehr als 1000 Kippen in kurzer Zeit. "Das waren zwei bis drei Eimer voll", berichtet Alex. Mittlerweile heißt das Projekt Upzigle und hat auch eine eigene Facebookseite.

Gruppe kontaktiert Bürgermeister Vogel über soziale Netzwerke

Auch die Stadt wird darauf aufmerksam gemacht. In nahezu jedem Post verlinkt die Gruppe den zweiten Bürgermeister Christian Vogel von der SPD. Außerdem stellen die Mitglieder den gesammelten Müll neben öffentlichen Mülltonnen ab, wo ihn die Stadt dann zur Entsorgung abholen kann. Dennoch wünscht sich Alex mehr Aufmerksamkeit seitens der Stadt, um die Reichweite seines Projekts zu erhöhen.

Diese außergewöhnlichen Dinge findet man beim Plogging

Es gibt auch immer abstoßende Dinge, die man beim "Plogging" findet. Einmal haben sie in einem Gebüsch fünf Spritzen, vollgesogene Tampons und Binden gefunden. Das mit den Spritzen kommt häufiger vor, in einem Parkhaus habe er auch schon deutlich mehr gefunden, erinnert sich Alex. Auch für dieses Problem hat er schon eine Lösung: "Man müsste einfach, wie in anderen Städten, Konsumräume einrichten."

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