Nürnberg

Wollte Fahrt nicht bezahlen: Mann (22) soll Taxifahrer mit Skalpell attackiert haben

Nach der Taxifahrt von Nürnberg nach Greding soll ein 22-Jähriger plötzlich ein Skalpell gezückt und auf den Taxifahrer eingestochen haben. Am Montag hat der Prozess vor dem Landgericht begonnen.
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Nach einem Skalpell-Angriff auf einen Taxifahrer sitzt ein 22-Jähriger auf der Anklagebank im Nürnberger Landgericht. Symbolfoto: Ordigital / Pixabay.com
Nach einem Skalpell-Angriff auf einen Taxifahrer sitzt ein 22-Jähriger auf der Anklagebank im Nürnberger Landgericht. Symbolfoto: Ordigital / Pixabay.com

Die Vorwürfe klingen wahnwitzig: Weil er den Fahrpreis für die nächtliche Taxifahrt von Nürnberg nach Greding nicht bezahlen wollte, soll ein 22-Jähriger im April 2019 versucht haben, den Fahrer mit einem Skalpell zu töten. Für die Tat soll der junge Mann den Taxifahrer an einen abgelegenen Ort gelotst haben. Dort habe der Mann dann die scharfe Klinge gezückt, um laut Anklageschrift erstens "den Fahrpreis nicht entrichten zu müssen" und zweitens "ungestört die Tageskasse des Taxifahrers" entwenden zu können.

22-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten: Prozessauftakt in Nürnberg

Seit Montag muss sich der 22-Jährige vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth wegen gefährlicher Körperverletzung mit versuchtem besonders schwerem Raub verantworten. Zum Auftakt des Verfahrens am Montag (20. Januar 2020) hat sich der junge Mann relativ reumütig gezeigt.

Gleich nach der Verlesung der Anklage hat Verteidiger Malte Magold ein Rechtsgespräch nach dem Motto "Geständnis gegen Milde" vorgeschlagen. Am Rande der Verhandlung ist bekannt geworden, dass wohl die harte Drogenabhängigkeit des jungen Mannes für das Verhalten in der Aprilnacht verantwortlich gewesen sei.

Der Tathergang: Angeklagter lotst Taxifahrer in Seitenstraße - und sticht auf ihn ein

An einem Freitagabend im April 2019 soll der Angeklagte kurz nach 23 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof in das Taxi des arglosen Fahrers eingestiegen sein. Rund 60 Euro sollte die rund 45-minütige Fahrt von Nürnberg nach Greding kosten. Gegen Mitternacht sollen Täter und Opfer am Zielort angekommen sein. Doch anstatt die fällige Rechnung zu begleichen, soll der Fahrgast in einer abgelegenen Seitenstraße plötzlich ein scharfes Messer gezückt und damit auf den Taxifahrer hinter dem Steuer eingestochen haben.

Anklage: Täter wollte auf Kopf des Fahrers einstechen

Während des Angriffs soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft geschrien haben: "Ich bring dich um. Gib dein ganzes Geld her". Mit der gefährlichen Waffe soll der Täter versucht haben, den Kopf des Geschädigten in gezielter Tötungsabsicht zu treffen. Durch eine schnelle Armbewegung sei es dem Taxifahrer gelungen, den Skalpell-Angriff zumindest abzulenken. Durch die blitzschnelle Reaktion habe das Opfer anstatt einer Kopfverletzung "nur" eine vergleichsweise glimpfliche Stichwunde im linken Oberarm davongetragen. Dann soll das Opfer eine günstige Gelegenheit genutzt haben, um sich erst abzuschnallen, danach die Alarmanlage des Taxis auszulösen und schließlich durch die Tür aus dem Fahrzeug zu flüchten.

Wohl aus Angst vor der Polizei soll der Angeklagte ebenfalls in aller Eile sofort danach das Weite gesucht haben. Wenige Zeit haben bereits die Handschellen geklickt. Bis zum Montag hat der Angeklagte in U-Haft gesessen.

Strafrahmen bereits vereinbart: Täter muss Drogenentzug durchmachen

Hinter verschlossenen Türen haben sich Staatsanwalt Philip Engl und Verteidigung laut Rechtsanwalt Malte Magold auf einen Strafrahmen zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren geeinigt. "Wichtig ist für mich, was unter dem Strich für meinen Mandanten herauskommt", hat Strafverteidiger Malte Magold am Rande des Prozesses gegenüber inFranken.de mitgeteilt.

Der junge Mann müsse nach dem Prozess eine zweijährige Entziehungskur absolvieren, um von den harten Drogen loszukommen. Durch die Anrechnung der neunmonatigen Untersuchungshaft könne sein Mandant nach einer erfolgreich abgeschlossenen Drogen-Entziehungskur anschließend im besten Fall ohne weiteren Gefängnisaufenthalt direkt mit einem Neustart seines jungen Lebens beginnen. Das endgültige Urteil soll spätestens am Mittwoch (22. Januar 2020) gesprochen werden.

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