Nürnberg
Drohende Lokalschließung

Nürnberger Traditionslokal vor dem Aus? "Bratwursthäusle" schließt offenbar zum Jahresende

Bleibt der Rost im Nürnberger "Bratwursthäusle" bald kalt? Vieles deutet darauf hin, dass die Traditionsgaststätte Ende Dezember schließt. Auch wenn Juniorchef Kai Behringer noch auf ein Happy End hofft.
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Seniorchef Werner Behringer am Grill im "Bratwursthäusle" mitten in der Nürnberger Altstadt. Steht die fränkische Traditionsgaststätte vor ihrem Aus? Archivfoto: Nikolas Pelke
Seniorchef Werner Behringer am Grill im "Bratwursthäusle" mitten in der Nürnberger Altstadt. Steht die fränkische Traditionsgaststätte vor ihrem Aus? Archivfoto: Nikolas Pelke

"Bratwursthäusle" in Nürnberg könnte Ende des Jahres schließen: "Jetzt geht es mir nur noch darum, eine gute Lösung für meine Mitarbeiter zu finden", sagt Kai Behringer, Juniorchef des "Bratwursthäusle", gegenüber inFranken.de. Im Interview spricht über die Geschehnisse der letzten Monate und darüber, dass es für die Nürnberger Gaststätte womöglich keine Zukunft gibt.

Mit der Schließung des Wirtshauses ginge in Nürnberg eine über 700 Jahre währende Ära zu Ende. Immerhin gibt es das Nürnberger Traditionslokal bereits seit 1313. Seitdem wurden unweit der Sebalduskirche unzählige Würste gegrillt und Gäste bewirtet - seit über 50 Jahren nun schon unter dem Namen Behringer.

Nürnberger "Bratwursthäusle" - ist nach über 700 Jahren Schluss?

Seit über vier Monaten verhandle Kai Behringer nun schon mit Tucher Bräu, dem Verpächter des Mietobjekts, über die Fortführung des Mietvertrags - und damit nicht nur über die Zukunft des "Bratwursthäusle", sondern auch über die seiner 42 Mitarbeiter. Dass das Lokal nun kurz vor dem Aus stehen könnte, damit hatte von ihnen keiner gerechnet.

 

Erst im vergangenen September habe man sich mit Tucher Bräu noch über einen neuen Vertrag geeinigt, erzählt Behringer. Sechs Wochen später kam der Vertrag bei ihm an - die vereinbarten Konditionen seien von Tucher Bräu allerdings nicht berücksichtigt worden. "Der Versuch, auf einen Nenner zu kommen, scheiterte", so Behringer weiter.

 

Nürnbergs "Bratwursthäusle" muss bis Silvester geräumt werden

Den folgenden Vorschlag von Tucher Bräu, das "Bratwursthäusle" noch bis März 2020 weiterzuführen, nahm Behringer dennoch dankbar an. "Dadurch hätte es einen geordneten Austritt aus dem Mietvertrag gegeben - vor allem für meine Mitarbeiter", sagt er.

Doch Anfang November dann die Schock-Nachricht: Tucher Bräu habe das Angebot zurückgezogen - das Mietobjekt sei bis 31. Dezember zu räumen. Verlieren 42 Arbeiter nun ihren Job? Nach wie vor kämpfe Behringer darum, eine Lösung zu finden, die jeden zufrieden stellt, sagt der Juniorchef. Er setze sich damit in erster Linie für das Wohl seiner Mitarbeiter ein.

Gewerkschafterin fordert Planungssicherheit für die 42 Mitarbeiter

Laura Schimmel von der Gaststätten-Gewerkschaft "NGG Nürnberg-Fürth" fordert hingegen endlich Klarheit und Planungssicherheit für die mehr als 40 Angestellten: Wird es einen neuen Pächter geben? Oder verlieren die Mitarbeiter des "Bratwursthäusle" ihre Jobs? So wie es momentan aussieht, werde Letzteres der Fall sein, mutmaßt Schimmel. Damit stünden letztlich auch die 42 Mitarbeiter vor ihrem beruflichen Aus.

 

Juniorchef: "Das ist für mich keine Lösung - jetzt verliert jeder"

Der Juniorchef des Lokals ist indes zuversichtlich, dass es doch noch eine Lösung geben wird. Schließlich sei die jetzige Ausgangslage keine Lösung, sagt Behringer - weder für Tucher Bräu noch für ihn oder seine Mitarbeiter. Aktuell gebe es auf allen Seiten lediglich Verlierer.

"Wäre der Vertrag nicht ausgelaufen", verrät er weiter, "hätte ich das Lokal natürlich gerne weitergeführt". Nun solle es jedoch jemand anderes fortführen, falls es denn noch dazu komme - das Vertrauen sei gebrochen. Am Geld sei ein neuer Mietvertrag übrigens nicht gescheitert, das habe andere Gründe, räumt Behringer zum Schluss noch ein.

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