Nürnberg
Eltern enttäuscht

Kinder an S-Bahn-Schubser verloren: Opferfamilien legen Revision gegen Urteil ein

Der Prozess um die tödlichen S-Bahn-Stöße in Nürnberg ist noch nicht zu Ende. Die Eltern der getöteten Jugendlichen haben Revision eingelegt. Nun muss der Bundesgerichtshof das Urteil prüfen.
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Eine Sprecherin des Landgerichts Nürnberg-Fürth bestätigte, dass die Eltern der getöteten Jugendlichen im Nürnberger S-Bahn-Prozess Revision eingelegt haben. Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine Sprecherin des Landgerichts Nürnberg-Fürth bestätigte, dass die Eltern der getöteten Jugendlichen im Nürnberger S-Bahn-Prozess Revision eingelegt haben. Foto: Daniel Karmann/dpa

  • Update: 02.01.2020: Revision im Nürnberger S-Bahn-Schubser-Prozess eingelegt
  • Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurden beide Angeklagten zu drei Jahren Haft verurteilt
  • An der S-Bahn-Station Frankenstadion hatten sie im Januar zwei Jugendliche ins Gleisbett gestoßen. Ein Zug überrollte die 16-Jährigen
  • Nach der Urteilsverkündung am Landgericht Nürnberg-Fürth waren die Opferfamilien enttäuscht und legen deshalb Revision ein. Der Bundesgerichtshof muss das Urteil nun prüfen.

Urteil nach tödlichen S-Bahn-Stößen in Nürnberg nicht rechtskräftig

Der tödliche Streit an einer S-Bahn-Station in Nürnberg beschäftigt nun auch den Bundesgerichtshof. Die Nebenkläger, die Eltern der beiden getöteten Jugendlichen, haben Revision gegen die Jugendstrafe der Täter eingelegt. Das bestätigt eine Sprecherin des Landgerichts Nürnberg-Fürth am Donnerstag (02.01.2020). Im Dezember (18.12.2019) wurden die zur Tatzeit 17-Jährigen zu einer Haftstrafe von dreieinhalb und dreieinviertel Jahren verurteilt. Der Bundesgerichtshof muss nun das Urteil prüfen.

Nach einem Discobesuch hatte es am S-Bahnhof Frankenstadion eine Auseinandersetzung gegeben. Dabei landeten drei 16-jährige Jugendliche im Gleisbett. Einer von ihnen konnte sich im letzten Moment durch einen Sprung retten, die anderen beiden wurden von einem einfahrenden Zug überrollt und getötet.

Vater: "Urteil am unteren Ende der Fahnenstange"

Nach der Urteilsverkündung waren die Eltern der getöteten Jungen gefasst vor die Kameras getreten und hatten ihre Enttäuschung über das "Urteil am unteren Ende der Fahnenstange" geäußert, wie es Georg Ballmann, der Vater einer der zwei getöteten Jungen, ausdrückte.

Die Familien hatten vergeblich gehofft, dass das Gericht ihrer Einschätzung folgt und ein Urteil wegen Totschlags spricht und höhere Haftstrafen verhängt. "Zumindest einer der Jugendlichen hätte den Zug wahrnehmen müssen", ist sich Vater Ballmann sicher.

Video zeigt: Opfer wollten Situation entschärfen

Die getöteten Jugendlichen haben nichts falsch gemacht. Das habe der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung gleich zu Beginn betont, teilte Gerichtssprecher Friedrich Weitner mit. Vielmehr hätten sie sich von Aggressionen der Gruppe um die beiden Angeklagten nicht provozieren lassen, sondern ruhig reagiert und um Beschwichtigung bemüht. Das zeige das Überwachungsvideo, das wichtigste Indiz der Verhandlung, deutlich.

Opferfamilien wollten Verurteilung wegen Totschlags

Ein weiteres wichtiges Beweismittel war die Audioaufnahme eines Zeugen, auf der ein deutliches Warnsignal der S-Bahn zu hören ist. Deswegen glauben die Opferfamilien, die als Nebenkläger auftraten, dass zumindest einer der beiden Angeklagten den Zug hätte wahrnehmen müssen. Sie plädierten daher auf eine Verurteilung wegen Totschlags.

Dieser Einschätzung folgte die Kammer jedoch nicht. Sie sei überzeugt, dass die Jugendlichen mit der Auseinandersetzung beschäftigt gewesen seien und hätten nicht auf Züge geachtet hätten, so Gerichtssprecher Weitner. Dazu kommt: Der Zug, ein neueres Modell, war sehr leise, am Bahnsteig dagegen war es laut und eine Warndurchsage gab es nicht.

Als der Zugführer den zweiten Warnpfiff abgegeben hatte, wären die beiden Opfer bereits im Fall gewesen, heißt es weiter in der Urteilsbegründung. Es gebe kein Motiv, warum die beiden Angeklagten die zwei Jugendlichen aus Heroldsberg hätten töten wollen. Auch hatten sie während der Verhandlung eine Tötungsabsicht wiederholt abgestritten. Gegen die Absicht spreche auch, dass sie nach dem Vorfall geschockt und in Panik davongelaufen seien.

Gerichtssprecher: Erziehungsgedanke im Vordergrund

Die Täter sollen eine Strafe erhalten, die ihnen die furchtbare Dimension ihrer Tat vor Augen führe, habe einer der Nebenkläger einmal gesagt. Das Gericht sei der Ansicht, dass sie mit ihrem Urteilsspruch dieser Forderung genauso gerecht geworden sei wie der besonderen Verantwortung, die es im Jugendstrafrecht habe, so Weitner.

Zwar hätten die Angeklagten ein hohes Maß an Fahrlässigkeit an den Tag gelegt, doch nicht Abschreckung oder Vergeltung zählen beim Strafmaß. Vielmehr stünde der Erziehungsgedanke Vordergrund: Die Angeklagten sollen eine Perspektive für ein künftig straffreies Leben nach ihrer Haftstrafe haben.

Neue Anklage gegen überlebenden Jugendlichen?

Zudem könnte einen weiteren Prozess um die S-Bahn-Schubser geben. Der dritte Jugendliche, der ebenfalls ins Gleisbett gefallen war und sich aber vor dem durchfahrenden Zug retten konnte, habe seinen Sohn vor dem Sturz auf die Gleise gegen die Schläfe geschlagen, sagte Vater Georg Ballmann nach der Urteilsverkündung. Dieser gehörte ebenfalls zur Gruppe der Aggressoren um die Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bestätigte am Donnerstag (19.12.2019), dass gegen einen weiteren Jugendlichen wegen eines Schlags ermittelt werde. Dieser habe mit dem Sturz ins Gleisbett jedoch nichts zu tun. Ob die Ermittlungen in eine Anklage münden, sei noch völlig offen, sagte eine Sprecherin. Bereits im Sommer sei ein anderer Jugendlicher, der am Gerangel beteiligt war, zu einem Dauerarrest verurteilt worden. Diese jugendliche Haftstrafe ist zwischen einer und vier Wochen lang und wird erzieherisch begleitet.

Hauptprozess: Verteidiger hatten für Bewährungsstrafen plädiert

Am Montag (16.12.2019) waren die Plädoyers im Hauptprozess gehalten worden. Die Verteidiger beantragten maximal zwei Jahren Haft für ihre Mandanten. Diese solle zur Bewährung ausgesetzt werden.

Verteidiger: Das spricht für die Angeklagten

Die Verteidiger beider Männer betonten, wie stark die Angeklagten das Geschehene bereuten und dies auch während der Verhandlung gezeigt hätten. Das werde auch dadurch deutlich, dass einer der beiden dabei behilflich gewesen sei, das Leben des dritten Opfers zu retten. Die Angeklagten hatten bereits zuvor in Briefen bei den Familien der beiden getöteten Jugendlichen um Entschuldigung gebeten. Sie zahlten Beträge von 10.000 Euro beziehungsweise 10.250 Euro. Die lange Untersuchungshaft sowie die Medienberichterstattung seien zudem stark belastend gewesen.

Staatsanwaltschaft bleibt dabei: Körperverletzung mit Todesfolge

Diese Strafe forderte die Staatsanwaltschaft: Die Staatsanwaltschaft blieb bei ihrer umstrittenen Einschätzung: Sie sieht keinen Tötungsvorsatz. Die beiden Angeklagten sollen wegen Körperverletzung mit Todesfolge in zwei tateinheitlichen Fällen schuldig gesprochen werden. Sie beantragte, den Angeklagten C. zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten und den Angeklagten K. zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und fünf Monaten zu verurteilen.

Staatsanwältin überzeugt: Angeklagte haben den Zug nicht wahrgenommen

Die Staatsanwältin zeigte sich zunächst davon überzeugt, dass sich der Sachverhalt im Wesentlichen so bestätigt habe, wie es auch in der Anklageschrift geschildert worden ist. Aus ihrer Sicht habe die Beweisaufnahme nicht ergeben, dass die Angeklagten den herannahenden Zug wahrgenommen hätten, weshalb kein Tötungsvorsatz vorliege. Die Angeklagten hätten den Tod der beiden Jugendlichen auch nicht billigend in Kauf genommen. Es verbleibe daher beim Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge.

Eltern halten Einordnung für Verharmlosung der Tat

Die Eltern der Opfer halten die rechtliche Einordnung als Körperverletzung mit Todesfolge für eine Verharmlosung der Tat. Es gebe "zahlreiche Anhaltspunkte, die den Verdacht nahelegen, dass hier der Tod billigend in Kauf genommen ist" sagte Benjamin Schmitt, Anwalt der Opferfamilie Ballmann, im Vorfeld des Prozesses.

Seinen Mandanten gehe es nicht um eine möglichst hohe Strafe, sondern um eine "angemessene rechtliche Würdigung der Tat". Für die Opferfamilien gehe ein sehr belastendes Verfahren zu Ende, so Schmitt. Ihnen gehe es vor allem um eine umfassende Aufarbeitung des Geschehens und nicht etwa um Rache oder Sühne. Die beiden Väter der getöteten Jugendlichen gaben persönliche Erklärungen ab. Diese Kritik äußerten die beiden Vater der getöteten Jungen auch im September in der Fernsehsendung "SternTV". Bei RTL berichteten sie über das Leid ihrer Familien.

Nebenkläger forderten Verurteilung wegen Totschlags

Die Nebenkläger forderten: Die beiden Angeklagten jeweils wegen Totschlags in zwei tateinheitlichen Fällen schuldig zu sprechen und zu Jugendstrafen von vier Jahren und sechs Monaten (Angeklagter C.) beziehungsweise fünf Jahren und drei Monaten (Angeklagter K.) zu verurteilen.

Die Frage des Tötungsvorsatzes sehe Anwalt Schmitt , der die Opferfamilien vertritt, anders. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Tötungsvorsatz zu bejahen sei. In Zusammenschau der Beweismittel, insbesondere der Auswertung des Videos sowie der geschilderten Wahrnehmungen der Zeugen, gehe die Nebenklage davon aus, dass die Angeklagten den Zug kommen sahen. Es liege daher direkter Tötungsvorsatz vor. Jedenfalls hätten die Angeklagten durch ihr extrem gefährliches Handeln den Tod der beiden Jugendlichen billigend in Kauf genommen.

So liefen die einzelnen Prozesstage ab

Beim letzten Prozesstag am Mittwoch (11.12.2019) zeigten die Angeklagten Reue: An diesem Tag wurden ihre Entschuldigungsbriefe an die Opferfamilien verlesen, die bei der Attacke am S-Bahnhof Frankenstadion ihre Kinder verloren hatten, erklärt Gerichtssprecher Weitner.

Zusätzlich wurden Unterlagen verlesen, aus denen hervorgeht, dass die Angeklagten 10.000 Euro beziehungsweise 10.250 Euro an die Opferfamilien gezahlt haben.

Zusammenfassung des vierten Prozesstages: Weiterer Angeklagter gesteht seine Schuld ein

Am vierten Verhandlungstag habe auch der Angeklagte Mehmet K. den Tatvorwurf "Körperverletzung mit Todesfolge" zugegeben, sagte Sprecher Weitner. Er ist als Zuschauer bei der nicht-öffentlichen Verhandlung zugelassen. Während sich der Angeklagte Kirian D. bereits am ersten Prozesstag persönlich bei den Opferfamilien entschuldigt und den Tatvorwurf eingeräumt hatte, war K.s Erklärung am Mittwoch (20. November 2019) dessen erstes Schuldeingeständnis. Er räumte ebenfalls ein, dass er geschubst habe, jedoch nicht mit einem heranfahrenden Zug gerechnet habe. Erst hinterher sei erst ihm klar geworden, wie gefährlich das Gerangel am Bahnsteigrand gewesen sei. Er mache sich seitdem Vorwürfe.

Zusammenfassung des dritten Prozesstages: Gericht setzt weitere Verhandlungstermine an

Fünf Jugendliche, die sich in der Nacht auf den 26. Januar 2019 am Bahnsteig aufgehalten hatten, wurden am Montag als Zeugen vernommen, wie der Gerichtssprecher Friedrich Weitner mitteilte.

Als letzte habe die Ermittlungsbeamtin der Kriminalpolizei ausgesagt, die in der Tatnacht Rufbereitschaft hatte. Sie habe noch in der Nacht erste Zeugen auf der Dienststelle befragt.

Polizei vernahm 185 Zeugen

Insgesamt habe die Polizei im Laufe der Ermittlungen etwa 185 Zeugen vernommen, die meisten von ihnen Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Auch am dritten Prozesstag seien den Prozessbeteiligten wieder und wieder Videosequenzen aus der Überwachungskamera vorgespielt worden. Die Angehörigen der Opfer seien die ganze Zeit dabeigeblieben - nur eine Mutter sei auch an diesem Tag immer vor die Tür gegangen.

Neue Zeugen geladen: Auskunft über Überwachungskameras erhofft

Auf Anregung der Nebenkläger wurde ein weiterer Jugendlicher als Zeuge geladen und auf Wunsch der Verteidiger ein weiterer Polizeibeamter, sagte Weitner. Dieser solle Auskunft darüber geben, wie hoch und in welchem Winkel zum Bahnsteig die Überwachungskamera am S-Bahnhof Frankenstadion hängt. Dieses Detail soll helfen, die Kameraperspektive zu klären und damit Fragen wie diese: Sahen die schubsenden Jugendlichen am Gleis die Lichter des Zuges schon oder konnte das nur die Kamera mit ihrer Vogelperspektive?

Höchststrafe: Zehn Jahre für 18-jährige Angeklagte

Die beiden 18-jährigen Angeklagten aus Zirndorf erwartet jeweils höchstens zehn Jahre Haft dafür, dass sie den Tod zweier 16-jähriger Jungen aus Heroldsberg (Landkreis Erlangen-Höchstadt) verantworten. Sie sollen eines der beiden Opfer von hinten so geschubst haben, dass er bei seinem Sturz ins Gleisbett zwei weitere Jugendliche mitriss. Überlebt hat den Sturz auf die Gleise nur einer der dreien, ein Bekannter der Angeklagten.

Zusammenfassung des zweiten Prozesstages: Freunde und Mütter der Getöteten kommen zu Wort

Am Freitag, dem zweiten Prozesstag, war mit Spannung die Zeugenaussage des Jungen erwartet worden, der den Sturz ins Gleisbett überlebt hat. Er machte allerdings von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

"Sehr emotionaler" Prozesstag: Nur wenige Details gelangen nach außen

Auch sonst gelangten am zweiten Tag nur wenige Details aus der nicht-öffentlichen Verhandlung nach außen. Als weitere Zeugen wurden Jugendliche aus der Heroldsberger Clique gehört, dem Heimatort der getöteten Jungen. Benjamin Schmitt, Nebenkläger-Anwalt der Opferfamilie Ballmann, beschrieb den zweiten Prozesstag als "sehr emotional". Der Richter habe auch die Mütter der getöteten Jungen gefragt, wie es ihnen gehe. Zum Inhalt der Aussagen machte er keine Angaben.

Zusammenfassung des ersten Prozesstages: Mutter kann Video nicht ertragen

Zum Prozessauftakt um das tödliche S-Bahn-Drama in Nürnberg entschuldigten sich die Verteidiger der beiden Angeklagten bei den Familien der beiden getöteten 16-Jährigen. Als das Videomaterial aus einer Überwachungskamera im Gerichtssaal an die Wand geworfen wird, geht die Mutter eines Opfers nach draußen. Anders als ihr Mann, der die Aufnahmen schon mehrere hundert Male angeschaut hatte, wollte sie sich das nie antun. Und auch der Lokführer schildert die dramatischen Sekunden.

Videoaufnahmen kursieren an Schulen: "Aggressive Grundstimmung" sichtbar

Nach der Tat im Januar waren Videoaufnahmen an Schulen im Umlauf gewesen. Nürnbergs dritter Bürgermeister warnte damals vor "grausamen Szenen". Im Gerichtssaal wurden die Videos mit Pausen mehrfach angeschaut. Ein weiteres Video zeigte einen der Angeklagten beim Verlassen der Diskothek. Bereits dort sei er in eine andere Auseinandersetzung verwickelt gewesen, berichtet ein Opferanwalt, "eine aggressive Grundstimmung" sei sichtbar gewesen.

Großes Medieninteresse am ersten Prozesstag

Unter großem Medieninteresse startete am Donnerstag (14. November 2019) der Prozess um die S-Bahn-Schubserei am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion mit zwei Toten am Landgericht Nürnberg-Fürth. Allerdings mussten die Kameras während der Verhandlung draußen bleiben, da die beiden 18-jährigen Angeklagten zum Tatzeitpunkt im Januar 2019 noch minderjährig waren und Jugendsachen nie öffentlich sind. Die beiden Schüler aus Zirndorf waren direkt nach der Tat festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Anklage: Körperverletzung mit Todesfolge.

Richter zeigen Menschlichkeit: Aufrichtige Anteilnahme im Gerichtssaal

Der Prozess begann dann mit einer ungewöhnlich menschlichen Geste des leitenden Richters, wie der Justizpressesprecher später mitteilte. Die Richter hätten den Opferfamilien ihre aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen, alle Anwesenden hätten sich angeschlossen.

18-Jähriger bekennt sich zur Tat und gesteht Schuld ein

Zunächst lasen die Verteidiger Erklärungen und Entschuldigungen der beiden angeklagten 18-jährigen Männer aus Zirndorf vor und bestritten eine Tötungsabsicht. Er möchte sich aufrichtig entschuldigen für das Leid, ließ der eine Angeklagte seinen Anwalt mitteilen. Er habe durchaus damit gerechnet, dass sein Kontrahent auf die Gleise fallen und sich verletzen könnte. An einen Zug habe er jedoch nicht gedacht.

Kaum seien die Jugendlichen im Gleis gewesen, sei auch schon ein Zug gekommen und der Angeklagte sei entsetzt weggelaufen. Nach den Äußerungen seines Verteidigers stand der junge Mann auf, um sich selbst zu äußern. Er bekenne sich zur Tat und wisse, er könne nichts wieder gutmachen. Eine Polizeibeamtin schilderte am ersten Prozesstag, wie sie Kleidungsstücke und Leichenteile im Gleisbett aufgesammelt habe. Dem Rechtsmediziner zufolge seien die Jugendlichen sofort tot gewesen.

Lokführer als Zeuge: Pfeifsignal wegen vieler Menschen am Bahnsteig

Am Nachmittag des ersten Prozesstags kamen Polizeibeamte, ein Bahnbeamter und der Lokführer zu Wort. Obwohl auf der Strecke 120 Stundenkilometer erlaubt gewesen seien, sei der Zug nur mit 88 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Weil er im Fahrplan lag, sei er bewusst langsamer als erlaubt gefahren, berichtete der Lokführer. Er habe viele Menschen am Bahnsteig gesehen und ein Pfeifsignal abgegeben.

Sicherheitskonzept nur bei Großveranstaltungen: Diskobesucher werden durch Schilder gewarnt

Weder Lautsprecherdurchsagen noch die Anzeigetafeln warnen am S-Bahnhof Frankenstadion vor durchfahrenden Zügen. Der Bahnbeamte erklärt, dass es für Fußballspiele und andere Großveranstaltungen extra Sicherheitsvorkehrungen gebe, nicht jedoch, wenn die Disko schließe. In dieser Nacht warnten nur gelbe Dreiecksschilder.

Lokführer fuhr "leises S-Bahn-Modell": Notbremsung kommt zu spät

Ein Polizeibeamter berichtete von seinen Untersuchungen zu der Frage, ob man herannahende Züge hören könne. Dies hänge von der Art des Zuges und der eigenen Position ab, nicht immer seien sie rechtzeitig zu hören. Auch der Lokführer erwähne, dass er ein leises S-Bahn-Modell gefahren sei. Plötzlich seien drei bis vier Personen vom Bahnsteig gefallen und er habe sofort die Notbremsung eingeleitet. Er sei "fix und fertig" gewesen. Anberaumt waren vier Verhandlungstage, an denen 17 Zeugen gehört werden sollen. Das Urteil soll am kommenden Mittwoch (18. Dezember 2019) fallen.

Sprecher betont "Erziehungsgedanken" beim Prozess

Ein Gerichtssprecher erklärte vor Verhandlungsbeginn, dass die Strafkammer während des Prozesses einen sogenannten richterlichen Hinweis geben könne, um die Anklage zu ändern. An der Länge der Strafe würde das nicht unbedingt etwas ändern, denn zehn Jahre sind unabhängig vom Schuldspruch die längste Strafe für Jugendliche. "Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund", betonte der Sprecher.

Tathergang am S-Bahnhof Frankenstadion: Drei Jugendliche ins Gleisbett gestoßen

Für Luca Ballmann und Frederik Wilke aus Heroldsberg (Landkreis Erlangen-Höchstadt) endete ein Diskobesuch tödlich. Mit ihren Freunden wollten sie wie viele andere Teenager auch nach einer U-18-Party kurz nach Mitternacht am 26. Januar 2019 mit der S-Bahn nach Hause fahren.

Streit am Bahngleis: Schüler aus Zirndorf stoßen 16-Jährigen in die Gleise

Am Bahngleis kam es zu einem Streit zwischen mehreren Jugendlichen, wie es in der Anklageschrift heißt. Nach einer Rangelei stießen die beiden angeklagten Schüler aus Zirndorf einen 16-Jährigen von hinten in die Gleise. Wegen des dichten Gedränges stürzten zwei weitere 16-Jährige mit nach unten. Während sich ein Jugendlicher rechtzeitig zur Seite rollen konnte, wurden Frederik und Luca von einem herannahenden Zug erfasst. Sie hatten keine Chance, wie die Anklageschrift deutlich macht: Sie erlitten "massivste Verletzungen", Körperteile seien vollständig zertrümmert worden.

Sicherheitskonzept an Bahnsteigen: Reichen Warnschilder nicht aus?

In Deutschland passiert es immer wieder, dass Menschen vor die Gleise gestoßen werden. Besonders großes Aufsehen erregte der Tod eines achtjährigen Jungen in Frankfurt/Main, den ein Mann im Juli dieses Jahres vor einen ICE gestoßen hatte. Danach waren Forderungen nach Schranken an Bahngleisen laut geworden. Auch das Nürnberger S-Bahn-Drama gibt Anlass über verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an Bahngleisen nachzudenken. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, gebe es bisher Durchsagen nur, wenn ein Zug mit mindestens 160 Stundenkilometern durch einen Bahnhof rast.

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