Antibes
Tierschutz

Nürnberger Eisbär: Leidet Flocke in Südfrankreich?

Das Eisbär-Weibchen, das 2007 im Tiergarten Nürnberg zur Welt kam, lebt seit 2010 mit ihrem Gefährten Rasputin in Antibes. Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen den dortigen Park, der die Tiere in schlechten Bedingungen halten soll.
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Seit 2010 lebt Flocke im Marineland Antibes in Südfrankreich. Dort, so beklagen Tierschützer, herrschen schlechte Bedingungen für die Eirbärin und ihren Lebensgefährten. Foto: ,,C`est assez!"
Seit 2010 lebt Flocke im Marineland Antibes in Südfrankreich. Dort, so beklagen Tierschützer, herrschen schlechte Bedingungen für die Eirbärin und ihren Lebensgefährten. Foto: ,,C`est assez!"

Sie war ein Kinderstar fast von ihrer Geburt an, ein putziger Publikumsliebling, der die Besucher in Scharen in den Tiergarten Nürnberg strömen ließ und die Medien verzückte: Eisbärin Flocke, die dort im Dezember 2007 zur Welt kam.

Wie ihr berühmter Artgenosse Knut, der ein Jahr vor ihr im Zoologischen Garten Berlin geboren wurde und inzwischen gestorben ist, wurde sie von Hand aufgezogen. Inzwischen ist Flocke längst ausgewachsen und lebt seit April 2010 im Marineland, einem Themenpark für Meerestiere im südfranzösischen Antibes. Doch geht es ihr dort gut?

Der französischen Tierschutzvereinigung "C‘est assez!" ("Es reicht!") zufolge ist das Gegenteil der Fall. Gerade während der Hitzewelle in diesem Sommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad sei das Leben für Flocke und ihren Gefährten Rasputin die Hölle, warnen die Tierschützer. Das in einem Zoo in Moskau geborene Eisbärmännchen kam 2008 zu Flocke nach Nürnberg und von dort mit ihr nach Antibes, wo sie im November 2016 ihr Eisbär-Junges Hope zur Welt brachte.

Hechelnd in der prallen Sonne

Ein im Internet veröffentlichtes Video vom Juni zeigt Rasputin in der prallen Sonne, hechelnd und mit Schaum vor dem Maul. Schatten gebe es nicht und der Zugang zum eisgekühlten Keller sei durch ein Gitter versperrt, so dass er der drückenden Hitze nicht entkommen könne, klagen die Tierschutz-Aktivisten. Dass die Verantwortlichen des "Marineland" Rasputins schäumendes Maul als "Brunftverhalten" deuten, tun sie als Unfug ab.

"Ein Eisbär ist geboren, um über Packeis zu gehen, unter dem Eis zu schwimmen, zu jagen. Ein Eisbär hat nicht in Gefangenschaft zu sein", erklären "C‘est assez!". Gemeinsam mit acht anderen Tierschutz-Organisationen stellten sie im Juni eine Petition ins Netz, die innerhalb von zwei Monaten mehr als 170 000 Unterschriften erreicht hat.

Darin fordern sie den französischen Umweltminister auf, mittelfristig die Haltung von Eisbären in Frankreich zu verbieten sowie Flocke und Rasputin an einen Ort zu verlegen, der ihren Bedürfnissen mehr entspreche. Als Beispiel nennen sie das neue Zuhause von ihrem Nachwuchs Hope in einem Park in Schweden. Experten stützten ihre Meinung.

"Am Dienstag letzte Woche sollte der Brief an Umweltminister Nicolas Hulot geschickt werden - doch ausgerechnet am Dienstagmorgen kündigte er seinen Rücktritt an", sagt Christine Grandjean von "C‘est assez!". Nun warte man den Amtsantritt von Hulots Nachfolger ab und hoffe, bis dahin die Marke von 200 000 Unterschriften zu knacken. Ohnehin befürchte sie, dass die Politik wenig ausrichten könne.

Schon wiederholt war das Marineland Antibes Ziel von Vorwürfen von Tierschützern, auch hinsichtlich der Haltung von Walen und Delfinen. Allerdings erhielt der Park im Februar dieses Jahres das Zertifikat "Humane Certified" des internationalen Programms American Humane Conservation für den Respekt des Tierwohls.

Auf die aktuellen Vorwürfe von "C‘est assez!" antwortete der Generaldirektor von Marineland, Pascal Picot, es handele sich um einen "willkürlichen Angriff einer extremistischen Vereinigung, deren Ziel es ist, unseren Park schließen zu lassen". Die Eisbären seien ihnen im "Rahmen eines Fortpflanzungsprogramms bedrohter Arten" anvertraut worden.

Gehege ist zu klein

Die Tierschützer kritisieren außerdem, dass deren Gehege im Marineland mit einer Fläche von rund 2200 Quadratmetern zu klein sei. Beide Tiere legten Verhaltensauffälligkeiten an den Tag. Spezialisten zufolge sei auch die gemeinsame Haltung von Flocke und Rasputin wider die Natur, sagt Catherine Grandjean: "Eisbären sind Einzelgänger, abgesehen von Müttern mit Jungen. Vor allem für das Weibchen kann die ständige Anwesenheit des Männchens Stress auslösen."



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