Nürnberg
Sexualstraftat

Viermal Schülerinnen vergewaltigt - schwerer Vorwurf gegen fränkischen Gesangslehrer

Ein Opernsänger des Nürnberger Staatstheaters wird verdächtigt, Schülerinnen, die bei ihm Gesangsunterricht nahmen, vergewaltigt beziehungsweise sexuell genötigt haben. Der Prozess wird bis zum 19. November andauern.
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Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth muss sich ein Opernsänger wegen des Verdachts auf Vergewaltigung an Schülerinnen verantworten. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth muss sich ein Opernsänger wegen des Verdachts auf Vergewaltigung an Schülerinnen verantworten. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberger Opernsänger wegen Vergewaltigung vor Gericht: Ein 51-jähriger Opernsänger des Nürnberger Staatstheaters muss sich derzeit vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Ihm werden vier Fälle von Vergewaltigung und je zwei Fälle der sexuellen Nötigung und des sexuellen Übergriffs vorgeworfen. Zu Prozessbeginn am Mittwoch (9. Oktober 2019) verweigerte der Angeklagte die Aussage.

Anklage: Familienvater zwang Schülerinnen in seiner Wohnung zum Geschlechtsverkehr

Drei Mal soll der Musiker laut Anklage im Jahr 2013 Frauen, die sich eine Aufnahme an einer Musikhochschule erhofften, in seiner Wohnung zum Geschlechtsverkehr gezwungen, ein viertes Mal soll er eine Schülerin in deren Wohnung vergewaltigt haben. In den weiteren Fällen in den Jahren 2015 bis 2018 soll der verheiratete Familienvater Gesangsschülerinnen teilweise unter dem Vorwand der Verbesserung der Atemtechnik gegen deren Willen von hinten an den Bauch und dann an die Brust gefasst und ihnen Zungenküsse gegeben haben.

Zuletzt machte der Prozess des Messerstechers von Johannis Schlagzeilen. Im Dezember 2018 stach er drei Frauen in Nürnberg nieder.

Polizistin: Gesangslehrer gab vor, Frauen in ihrer neuen Heimat zu helfen

Eine Polizeibeamtin, die die Anzeige von drei der Frauen aufnahm, sagte vor Gericht, dass sich der Angeklagte über das Lehrer-Schüler-Verhältnis hinaus um die Frauen aus seinem Heimatland gekümmert habe, weil einige von ihnen ohne Sprachkenntnisse und ohne weitere Kontakte nach Deutschland gekommen seien, um hier die Aufnahme an einer Musikhochschule zu schaffen. Er habe ihnen etwa bei der Wohnungssuche oder beim Ausfüllen von Formularen geholfen, sie zu Aufnahmeprüfungen begleitet oder zum Flughafen gefahren.

"Die Frauen gaben an, er habe ihnen geraten, es sei gut, vor der Prüfung Sex zu haben, weil sie dann entspannt seien und besser singen könnten", sagte die Beamtin. Zwei der Frauen hätten laut deren Angaben bei der Anzeigenerstattung nach den sexuellen Übergriffen auch einvernehmlichen Sex mit dem Angeklagten gehabt.

Frauen hofften vergeblich auf Entschuldigung

Über Vermittlung eines Pastors sei es zu einer Aussprache zwischen den Frauen mit dem Angeklagten gekommen. Darin hätten sie auf eine Entschuldigung des Angeklagten gehofft, der Sänger habe sie ihnen aber nicht zu ihrer Zufriedenheit gegeben.

Eine der Frauen habe gesagt, dass das Lehrer-Schüler-Verhältnis in ihrem Heimatland ein "deutlich vertikales Verhältnis" sei und von sehr viel Respekt geprägt sei. Dabei seien Berührungen verpönt. Allenfalls sei es gestattet, dass ein Schüler oder eine Schülerin auf Wunsch des Lehrers bei diesem die Hand auf den Bauch lege, um die veränderte Atmung beim Singen wahrzunehmen. Für den Prozess sind neun Verhandlungstage bis zum 19. November angesetzt.

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