Nürnberg
Prozess

Messerangriffe von Nürnberg: Das Urteil gegen den "Ripper von Johannis" ist gefallen

Im Gerichtsprozess gegen den Messerstecher von Nürnberg wird heute das Urteil erwartet. Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 39-jährigen Angeklagten gefordert. Sie sieht eine besondere Schwere der Schuld des Mannes.
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  • Am 13. Dezember 2018 wurden im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen niedergestochen.
  • Die Behörden nahmen schließlich einen 38-Jährigen fest.
  • Der Mann hat inzwischen gestanden, die Frauen angegriffen zu haben.
  • Anklage wegen versuchten Mordes in drei Fällen zugelassen
  • Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung 
  • Urteil gefallen: Lebenslang für den "Ripper von Johannis"

Update vom 16.10.2019, 15 Uhr: Urteil gefallen - lebenslange Haft wegen dreifachen versuchten Mordes

Das Urteil gegen den "Ripper von Johannis" ist gefallen. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur. Der Messerstecher von Nürnberg ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sprach den 39-jährigen Angeklagten am Mittwoch des dreifachen versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des Diebstahls mit Waffen schuldig.

Die Schwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, dass der zuletzt obdachlose Deutsche am Abend des 13. Dezember vergangenen Jahres wahllos und ohne Vorwarnung in Nürnberg drei Frauen auf offener Straße mit einem zuvor in einem Supermarkt gestohlenen Messer angegriffen hatte.

Den möglichen Tod seiner Opfer habe der mehrfach vorbestrafte Angeklagte dabei billigend in Kauf genommen, sagte Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeininger. Die Opfer überlebten die Messerstiche auf dem nächtlichen Nachhauseweg nur dank schneller ärztlicher Hilfe. Einen Tag nach den Attacken im Stadtteil St. Johannis war der Mann festgenommen worden. Die Taten hatten die Menschen in der Region in Angst und Schrecken versetzt.

Auf eine anschließende Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, verzichtete das Gericht.

Update vom 16.10.2019, 07.30 Uhr: Urteil für heute erwartet - Kommt Messerstecher lebenslang ins Gefängnis?

Im Gerichtsprozess gegen den Messerstecher von Nürnberg wird für den heutigen Mittwoch (16. Oktober 2019) gegen 14.00 Uhr das Urteil erwartet. Dem mehrfach vorbestraften 39-jährigen Angeklagten wird dreifacher versuchter Mord und Diebstahl mit Waffen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll der zuletzt obdachlose Mann im Dezember vergangenen Jahres wahllos und heimtückisch drei Frauen niedergestochen haben. Die Tat auf offener Straße versetzte die Menschen in der Region in Angst und Schrecken. Einen Tag nach den Attacken wurde der Mann festgenommen.

Am Dienstag (15. Oktober 2019) hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer für den Beschuldigten eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld eingefordert. Damit wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren im Grunde ausgeschlossen. Der Angeklagte habe einen Hang zu erheblichen Straftaten und sei für die Allgemeinheit eine Gefahr, hatte Oberstaatsanwalt Thomas Weyde vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth argumentiert. Trotz zahlreicher Gefängnisaufenthalte zeige er eine "hohe Rückfalltendenz“.

An jenem 13. Dezember 2018 hatte er sich laut Staatsanwaltschaft zunächst in einer Wärmestube und dann im Hauptbahnhof aufgehalten, sei danach ziellos durch die Stadt gelaufen und habe den Plan gefasst, einen Überfall zu begehen. Um sich hierfür Mut anzutrinken, habe er in einem Supermarkt eine Flasche Schnaps und ein Küchenmesser gestohlen. Wegen dieses Diebstahls nahm ihn die Polizei vorübergehend fest – ließ ihn aber ohne Diebesbeute wieder frei. Dieses Vorgehen handelte der Polizei Kritik ein. Denn wenig später kaufte der Mann ein neues Messer und rammte es seinem ersten Opfer, einer 56-jährigen Arzthelferin, in den Oberbauch. Die beiden weiteren Opfer sind 26 und 34 Jahre alt.

Update vom 15.10.2019, 15.18 Uhr: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung

Plädoyer im Gerichtsprozess gegen den Messerstecher von Johannis: Oberstaatsanwalt sieht besondere Schwere der Schuld und plädiert für lebenslange Haft plus anschließender Sicherheitsverwahrung.

Im Prozess gegen den Messerstecher von Nürnberg hat sich die Staatsanwaltschaft am Dienstag (15. Oktober 2019) für eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ausgesprochen. Der mehrfach vorbestrafte 39-jährige Angeklagte habe einen Hang zu erheblichen Straftaten und sei für die Allgemeinheit eine Gefahr, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Weyde vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Trotz zahlreicher Gefängnisaufenthalte zeige er eine "hohe Rückfalltendenz“. 

Der in einigen Medien in Anlehnung an den Londoner Serienmörder Jack the Ripper als "Ripper von Johannis“ bezeichnete Deutsche steht wegen dreifachen versuchten Mordes und Diebstahls mit Waffen vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, am 13. Dezember vergangenen Jahres im Nürnberger Stadtteil Sankt Johannis wahllos und ohne Vorwarnung drei Frauen auf offener Straße mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Einen Tag nach den Angriffen wurde er festgenommen. Das Urteil soll am Mittwoch (14.00 Uhr) gesprochen werden.

Bei den Mordversuchen sei der gelernte Lagerist und zuletzt obdachlose Mann "sehr, sehr nah an einer Tatvollendung gewesen“, sagte der Oberstaatsanwalt. Nur dem Zufall und ärztlichen Künsten sei es zu verdanken, dass die drei Opfer die Messerattacken des Obdachlosen überlebt hätten. Alle drei geschädigten Frauen seien stark traumatisiert und müssten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Eine psychologische Erkrankung des Tatverdächtigen und eine alkoholbedingte verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit hätten Gutachter im Prozess ausgeschlossen. Seit seiner frühesten Jugend sei der Angeklagte immer wieder straffällig geworden, darunter wegen zahlreicher Diebstahl- und Gewaltdelikte. Die Haftstrafen hätten aber keinerlei Wirkung auf ihn gehabt. "Was sein Motiv war, ins Gefängnis zu kommen oder Hass auf Frauen, das blieb im Prozess unklar“, sagte der Oberstaatsanwalt.
In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Angeklagte die Taten gestanden und gesagt, er könne sich selbst nicht erklären, wie es dazu kam.

Die beiden Verteidiger baten darum, das Geständnis ihres Mandanten und seine Entschuldigung bei den Opfern während des Prozesses strafmildernd zu berücksichtigen. Eine Sicherungsverwahrung sei "völlig unangemessen“. Stattdessen solle ihr Mandant in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Nur bei der dritten, schwersten Tat ihres Mandanten, könne ein Tötungsvorsatz unterstellt werden. Bei den beiden anderen nur ein Verletzungsvorsatz.

Update vom 15.10.2019, 12.15 Uhr: Staatsanwaltschaft und Verteidigung halten Plädoyers 

Das Landgericht Nürnberg-Fürth will noch in dieser Woche ein Urteil gegen den Angeklagten fällen, der als "Ripper von Johannis“ bekanntgeworden war. Dies berichtet die dpa. Der Mann steht wegen dreifachen versuchten Mordes vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, im Nürnberger Stadtteil Sankt Johannis willkürlich drei Frauen auf offener Straße angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Der heute 39 Jahre alte Mann war einen Tag nach den Angriffen festgenommen worden und sitzt seitdem in Haft. 

Einer Mitteilung der Justiz vom Montag zufolge wollen Staatsanwaltschaft und Verteidiger an diesem Dienstag ihre Plädoyers halten. Ein Urteil könnte dann am Mittwoch (16. Oktober 2019) gesprochen werden. 

Am ersten Prozesstag hatte der Mann die Taten eingeräumt und erklärt, sich sein Verhalten nicht erklären zu können. Er wolle zu lebenslanger Haft verurteilt werden, betonte er.

Update vom 19.09.2019: "Dieser leere Blick ist mir bis heute im Gedächtnis"

Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages wird schließlich endlich den Opfern Gehör geschenkt. Als erste der drei attackierten Frauen, schildert eine 56-Jährige den Tathergang aus ihrer Sicht. Sie bekommt an jenem Abend im Dezember 2018 zunächst gar nicht mit, dass sie von einem Messer verletzt wird. „Es gab einen entsetzlichen Schlag. Ich dachte zuerst, dass mich ein Elektroschocker berührt hat. Doch dann wurde es auf einmal heiß und nass am Körper.“ Als sie den Mantel öffnet, sieht sie, dass ihr Blut aus dem Bauch fließt. Schlagartig wird ihr ihre dramatische Lage bewusst. „Ich dachte, jetzt bin ich in Lebensgefahr“, sagt die medizinische Fachangestellte.

Die von Haus aus gehbehinderte Frau bittet einen Passanten zu Hilfe und kommt kurz darauf in ein Krankenhaus, wo sie notoperiert werden muss. Schon nach fünf Tagen geht sie jedoch schon wieder zur Arbeit, weil sie ihren Arbeitgeber nicht im Stich lassen will. Auch wenn es ihr körperlich inzwischen wieder ganz gutgeht, ist sie doch nicht mehr Dieselbe wie vorher. „Ich habe es eigentlich gut verkraftet. Ich bin ein optimistischer Mensch und halte schon etwas aus. Aber ich bin seitdem trauriger als früher.“

Auch das als zweite Zeugin vernommene Opfer ist bis heute von den Erlebnissen im Dezember gezeichnet. „Ich vermeide aktuell, allein unterwegs zu sein, wenn es dunkel ist.“ Durch den Messerangriff wurden ihre Nerven beschädigt, weshalb die 26-Jährige vier bis fünf Wochen arbeitsunfähig war. Die Begegnung mit dem mutmaßlichen Täter beschreibt sie wie folgt: „Ich habe ihn angeschaut, er aber mich nicht. Er hat mich gar nicht realisiert“, sagt die junge Frau. Sie schreit dem damals 38-jährigen Tatverdächtigen noch nach. „Ich habe gerufen: Was bist du denn für ein Vogel! Du blödes Arschloch!“ Dann merkt die gelernte Apothekerin jedoch, dass es besser ist, zu gehen und Hilfe zu rufen. Auch sie kommt ins Krankenhaus und fällt wochenlang in Ihrem Job aus.

"Sie sind schon die Dritte heute"

Das dritte und letzte Opfer, das an diesem ersten Verhandlungstag gehört wird, befand sich an jenem Dezembertag gerade auf dem Heimweg nach einem Besuch in einem griechischen Lokal. Auch die zur Tatzeit 34 Jahre alte Nürnbergerin schildert, dass sie die Messerstiche zunächst nicht wahrgenommen hat. „Mein erstes Gefühl war, dass er mir den Ellenbogen in den Bauch gerammt hat. Dann habe ich mich umgedreht und das Messer gesehen.“

Per WhatsApp verständigt die junge Frau ihren Mann, der noch beim Griechen sitzt. Kurz darauf kommt auch sie ins Krankenhaus. Vorher kann sie noch eine Aussage machen. Hier wird ihr klar, dass sie nicht die einzige Geschädigte dieses Abends ist. „Ich habe mitbekommen, dass die Polizei gesagt hat: Sie sind schon die Dritte heute.“

Die damals 34-Jährige muss bis Ende Januar in der Klinik bleiben und fällt bis Ende August krankheitsbedingt aus. Bei ihr wird eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Die eigentliche Traumatherapie beginnt allerdings erst nach der überstandenen Gerichtsverhandlung, sagt sie.

Leerer Blick bis heute im Gedächtnis

Da die junge Frau schwanger ist, gilt ihre derzeitige Sorge auch ihrem zukünftigen Kind. „Ich kann immer noch nicht nachts allein raus und weiß noch nicht, wie ich nach der Schwangerschaft funktioniere“, sagt die werdende Mutter. Dann kommt sie noch einmal kurz auf den tatverdächtigen 38-Jährigen zu sprechen. „Dieser leere Blick ist mir bis heute im Gedächtnis“, betont die Nürnbergerin.

Der Angeklagte indes würdigt seine mutmaßlichen Opfer während des kompletten ersten Verhandlungstages keines einzigen Blickes. Anscheinend gleichgültig starrt er stundenlang auf den Fußboden.

Opfer haben eines gemeinsam

Die Opfer der Messerattacken haben derweil eines gemeinsam: Sie allen treten vor Gericht tapfer und selbstbewusst auf und schildern ihre Erlebnisse mit fester, ruhiger Stimme. So wie als Zeichen des Trotzes. Als würden sie nach außen hin signalisieren wollen, dass sie nach ihrem erlittenen Leid den Blick nach vorne richten.

Die Verhandlung wird am Freitag (20. September 2019) fortgesetzt. Nach derzeitigem Stand sind für den Gerichtsprozess insgesamt sieben Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil wird für Mitte Oktober erwartet.

Update vom 19.09.2019: Polizei zeigt Vernehmungsvideo des Angeklagten

Im Anschluss daran wird den Teilnehmern der Gerichtsverhandlung im Sitzungssaal 600 das Vernehmungsvideo der Polizei auf einer Leinwand vorgeführt. Während der Wiedergabe des gut zwei Stunden langen Videos ist es mucksmäuschenstill im Saal. Der Beschuldigte bleibt regungslos auf der Anklagebank versunken und starrt teilnahmslos wirkend vor sich auf den Boden.

In den Aufnahmen räumt der gelernte Lagerist die ihm vorgeworfenen Taten generell ein. Einen Grund für sein mutmaßliches Handeln kann er allerdings nicht nennen. „Ich weiß nicht, wie ich so etwas zustande gebracht habe. Ich weiß es nicht“, bricht es mehrmals aus dem Verhörten heraus. An jenem Tag im Dezember habe er sich wie fremdgesteuert gefühlt. „Ich habe gedacht, das kann nicht ich sein. Das bin nicht ich.“ In regelmäßigen Abständen fließen bei ihm während der Vernehmung durch die Polizei die Tränen und er beginnt zu schluchzen.

Nach Ende des Videos ruft die Richterin erst einmal die Mittagspause aus. Die eigentliche Gerichtsverhandlung wird erst danach beginnen. Dann werden endlich auch die Opfer zu Wort kommen können.

Update vom 19.09.2019: Messerstecher-Prozess - Angeklagter entschuldigt sich

Zu Beginn des Prozesses um Messerattacken auf drei Frauen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis hat sich der Angeklagte bei seinen Opfern entschuldigt. „Es tut mir unheimlich leid“, sagte der 39-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.


Dem Mann wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in drei Fällen vor. Der damals obdachlose Deutsche soll an einem Dezemberabend vergangenen Jahres drei Frauen auf der Straße scheinbar wahllos und ohne jede Vorwarnung niedergestochen haben. Die Opfer überlebten nur durch schnelle ärztliche Hilfe und Notoperationen. Der Verdächtige wurde einen Tag später festgenommen. Bei der polizeilichen Vernehmung gab er an, sich sein Verhalten nicht erklären zu können.


Die Taten sorgten in der Region für Angst und Schrecken, in den Medien wurde der Tatverdächtige als „Ripper von Johannis“ bezeichnet. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Am ersten Verhandlungstag sollen die Opfer zu Wort kommen. dpa

Update vom 19.09.2019: Prozessbeginn in Nürnberg

In den Medien war er der „Ripper von Johannis“ – in dem Nürnberger Stadtteil und darüber hinaus sorgten seine Taten für Angst und Schrecken: Ein 39-Jähriger muss sich von diesem Donnerstag an (9.00 Uhr) vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth wegen versuchten Mordes in drei Fällen verantworten.
Der Mann soll der Anklage zufolge im Dezember vergangenen Jahres drei Frauen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis niedergestochen haben – auf offener Straße, anscheinend wahllos und ohne jede Vorwarnung. Die völlig überraschten und überrumpelten Opfer erlitten erhebliche innere Verletzungen, überlebten aber dank ärztlicher Hilfe.


Der Verdächtige wurde einen Tag später festgenommen. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte der wohnungslose Deutsche angegeben, sich sein Verhalten nicht erklären zu können. Die Staatsanwaltschaft unterstellt ihm jedoch Vorsatz.


Die Taten hatten eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt und weit darüber hinaus Aufsehen erregt. Auch die Polizei kam nicht ohne Kritik davon, obwohl der Tatverdächtige einen Tag nach den Verbrechen bereits hinter Schloss und Riegel war. Der Mann hatte unmittelbar vor den Messerstichen eine Flasche Schnaps und ein Messer gestohlen. Die Polizei fasste ihn, nahm ihm das Diebesgut ab, setzte ihn aber wieder auf freien Fuß. Mit einem anderen Messer beging er dann die Straftaten.
Für den Prozess vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Nürnberg-Fürth sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Mitte Oktober fallen. Gleich am ersten Verhandlungstag sollen die Opfer zu Wort kommen. dpa

Update vom 09.08.2019: Anklage wegen versuchten Mordes zugelassen - Gerichtstermine stehen fest

Nach den Messerattacken in St.Johannis wurde nun die Anklage der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zugelassen und erste Verhandlungstermine verkündet. Das geht aus einer Mitteilung des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 09. August 2019 hervor.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem versuchten Mord in drei Fällen vor. "Mit Beschluss vom 18. Juli 2019 hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth das Hauptverfahren gegen den Angeklagten eröffnet und die Anklage der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen", heißt es in der Mitteilung des Gerichts. 

Die Hauptverhandlung soll am Donnerstag, 19. September 2019 um 9.00 Uhr beginnen. Weitere Termine sind: 

Freitag, 20. September 2019
Dienstag, 24. September 2019
Mittwoch, 2. Oktober 2019
Freitag, 4. Oktober 2019
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Dienstag, 15. Oktober 2019 

Update vom 13.02.2019: Messerstecher von St. Johannis gesteht Messerangriffe in Nürnberg

Messerattacken in St.Johannis - Hauptverdächtiger mit Geständnis: Im Dezember 2018 wurden im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen niedergestochen. Mitte Dezember nahmen die Behörden schließlich einen Tatverdächtigen fest. Wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegenüber inFranken.de bestätigte, hat der 38-jährige Mann "mittlerweile gestanden". Der Staatsanwaltschaft zufolge, habe er sein Gewissen erleichtern wollen und um eine Vernehmung durch die Ermittler gebeten.

Zum Motiv der Tat konnte der 38-Jährige keine Angaben machen: Laut Staatsanwaltschaft hat er ausgesagt, dass er sich die Taten nicht erklären könne. Seine drei Opfer habe er sich nicht gezielt ausgesucht.

Die Ermittlungen der Behörden dauern weiterhin an. Beispielsweise müsse nun die Motivlage verifiziert werden. Zudem werde weiterhin versucht den Tagesablauf am 13. Dezember 2018 zu rekonstruieren. Laut Staatsanwaltschaft wurde ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Wie die Deutsche-Presse-Agentur berichtet, habe sich der Tatverdacht unter anderem durch DNA-Spuren eines Opfers am Tatmesser, bestätigt.

Der 38-Jährige bleibt weiterhin in Untersuchungshaft.

Update vom 11.01.2019: Polizei befragt die Anwohner in St- Johannis in Nürnberg erneut

Nach der Messerattacke von Nürnberg Mitte Dezember hat die Polizei erneut Anwohner rund um die Tatorte befragt. "Wir suchen Zeugen, die sachdienliche Angaben machen können", erklärte am Freitag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Antje Gabriels-Gorsolke. Die Befragungen hätten am Vorabend stattgefunden, weil sich auch die Tat an einem Donnerstagabend ereignet hatte. Der Grund: Es könne ja sein, dass zum Beispiel ein Bewohner jeden Donnerstagabend zum Sport gehe und auf dem Weg dorthin den mutmaßlichen Täter gesehen habe, sagte die Sprecherin. Das berichtet die Deutsche Presseagentur.

Der 38-jährige Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft und macht laut Gabriels-Gorsolke weiter keine Angaben zu den Attacken vom 13. Dezember. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken erklärte, es gehe bei den Befragungen auch darum, ein Bewegungsprofil des Tatverdächtigen zu erstellen und zu ermitteln, ob er schon vor den Angriffen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis gesehen worden war.

Update 3. Januar 2019: Alle Frauen aus Krankenhaus entlassen - wie geht es ihnen?

Auf Anfrage von inFranken.de bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, dass mittlerweile alle beteiligten Frauen das Krankenhaus verlassen konnten. Aus Gründen des Opferschutzes machte die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben hierzu. Wie lange die Frauen behandelt wurden, wie es den Beteiligten im Moment gesundheitlich geht und ob in Zukunft erneute Behandlungen notwendig sind, ist somit unklar.

Update 20. Dezember 2018: Haftbefehl gegen Tatverdächtigen erlassen - was war das Motiv der Messerattacken?

Ein Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg hat am Donnerstag gegen den mutmaßlichen Täter der Messerattacken im Nürnberger Stadtteil St. Johannis Haftbefehl wegen dringenden Verdachts des versuchten Mordes in drei Fällen erlassen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Donnerstag mit.

Der Beschuldigte macht weiterhin keine Angaben zur Sache, hieß es weiter. Der 38-Jährige ist dringend verdächtig, am Abend des 13.12.2018 drei Frauen unvermittelt mit einem Messer angegriffen und verletzt zu haben. Er wurde am darauffolgenden Vormittag vorläufig festgenommen und befand sich seit 15.12.2018 in Untersuchungshaft wegen eines kurz zuvor begangenen Diebstahls mit Waffen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat ein Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg am Mittwoch einen neuen Haftbefehl erlassen, in dem dem Beschuldigten neben dem Diebstahl mit Waffen auch versuchter Mord in drei Fällen, jeweils mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt wird. Der neue Haftbefehl wurde dem Beschuldigten am heutigen Donnerstag eröffnet.

Er habe nochmals Gelegenheit dazu erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äußern, machte aber wie bisher von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Ein Tatmotiv ist weiterhin nicht erkennbar.

Update 20.12.2018, 11 Uhr: Ist der Verdächtige auch für Überfall in München verantwortlich?

Die Soko "Johannis" der Nürnberger Kripo prüft nun, ob der 38-Jähriger, der im Verdacht steht, in Nürnberg drei Frauen niedergestochen zu haben, auch für ähnliche Fälle in Frage kommt. So wurde im November eine junge Frau in München mit einem Messer schwer verletzt worden. Gegenüber der Zeitung TZ wollte ein Polizeisprecher einen entsprechenden Verdacht nicht bestätigen. Es würden aber DNA-Spuren verglichen.

Die Beschreibung des Täters, der am 27. November in München eine junge Frau überfallen hat, passt jedenfalls auch auf Daniel G., den Verdächtigen in den Nürnberger Messerangriffen.

Update vom 17.12.2018 um 11:55 Uhr: Suche nach Frau mit Hund

Ein 38-jähriger Mann wurde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth aufgrund eines erfolgten DNA-Abgleichs als dringend tatverdächtig festgenommen. Er sitzt seit Samstag, 15.12.2018, in Untersuchungshaft.

Im Zuge der Ermittlungen sucht die eigens gegründete Sonderkommission "Johannis" eine bislang unbekannte Frau, die am 13.12.2018 gegen 22:00 Uhr mit einem Hund in der Rückertstraße in Nürnberg unterwegs war.

Nach derzeitigen Erkenntnissen könnte es sich bei der Frau um eine wichtige Zeugin handeln. Sie wird gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter der Telefonnummer 0911/

2112-3333 zu melden.

Update vom 17.12.2018 um 10:03 Uhr: Polizei bedankt sich bei Bevölkerung

Mit einem Facebook-Post bedankt sich die Polizei Mittelfranken für die Dankbarkeit, die den Beamten bezüglich der Festnahme des Tatverdächtigen auf sämtlichen Kanälen entgegen gebracht wurde. Besonders berührt hatte die Beamten ein selbstgemaltes Bild eines kleinen Jungen, mit welchem sich das Kind bei der Polizei bedankte.

Sichtlich verärgert hingegen zeigt sich die Polizei Mittelfranken über "Hasskommentare, krude Thesen und Verschwörungstheorien", die die Beamten erreichten. Solche Äußerungen seien nach Ansicht der Polizisten nicht zielführend.

 

 

Update vom 16.12.2018 um 19:23 Uhr: Das wissen wir über den Täter

Zunächst war unklar: War es ein und derselbe Täter? Welchen Hintergrund hatte die Tat? Wie erst jetzt bekannt wurde, wurde der mutmaßliche Täter bereits am Freitagmorgen festgenommen. Zunächst hatte es geheißen, der Mann sei am Samstagnachmittag verhaftet worden.

Der gefasste Tatverdächtige hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das teilte die Polizei am Sonntag mit. Er habe bei seiner Festnahme, die bereits am Freitagmorgen ganz in der Nähe der Tatorte erfolgt sei, ein Messer bei sich gehabt, für das er keine schlüssige Erklärung gehabt habe.

Der Verdächtige sei zunächst wegen eines Eigentumsdelikts, das er rund zwei Stunden vor der ersten Messerattacke verübt haben soll, in Untersuchungshaft genommen worden. Auf ihn passten die Beschreibungen der Opfer. Am Samstagabend habe sich dann der dringende Tatverdacht erhärtet, als das Ergebnis eines DNA-Vergleichs übermittelt worden sei: Sowohl an diesem als auch an der Kleidung des Mannes konnte DNA der Opfer gefunden werden.

Polizei und Innenminister Herrmann äußern sich zur Tat: Die Pressekonferenz im Überblick

 

 

Am Sonntagmittag legten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und die Polizei in einer Pressekonferenz in Nürnberg ab 12.30 Uhr neue Fakten zum Fall und zum Tatverdächtigen vor.

Zu Beginn der Pressekonferenz äußert sich Joachim Herrmann (CSU) zum aktuellen Fall: Er zeigte sich zunächst entsetzt über die Tat. Dass der Täter so schnell habe gefasst werden können, sei ein großartiger Erfolg der Polizei und sehr wichtig für die Menschen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Es sei nicht auszudenken gewesen, wenn die Menschen die Weihnachtstage in Angst hätten leben müssen.

Herrmann hat nach der Festnahme das Vorgehen der Polizei gelobt. "Es war wichtig, dass gezielt die sichtbare Polizeipräsenz in der Stadt verstärkt wurde", sagte Herrmann am Sonntag in Nürnberg. "Man hat gespürt, wie viele Menschen Angst hatten, der Täter läuft immer noch frei herum." Die Ermittlung des mutmaßlichen Täters sei sehr wichtig gewesen, um den Menschen in der Stadt die Furcht vor weiteren Angriffen zu nehmen.

Herrmann zeigt sich zurückhaltend bei der Bewertung der Tat: Welche Konsequenzen aus der Tat auch für die Sicherheitspolitik gezogen werden können, muss in den nächsten Tagen und Wochen geklärt werden.

Täter ist 38-jähriger Deutscher aus Thüringen

Der Tatverdächtige ist ein 38-jähriger Deutscher, der keinen festen Wohnsitz hat und nur gelegentlich in Nürnberg verweilt. Gebürtig stammt der Mann aus Thüringen. Er war bereits 2005 und 2009 in der Region, aber nie langfristig. Die Hintergründe des Tatverdächtigen sollen nun weiter aufgeklärt werden.

Der Täter wurde bereits 18 mal verurteilt

Der Mann hat bereits viele Vorverurteilungen, davon auch eine 2005 in Nürnberg wegen Diebstahls. Insgesamt wurde er bereits 18 mal verurteilt - unter anderem wegen Raubdelikten. 2002 wurde er wegen einer Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr nach dem Jugendstrafgesetz verurteilt. Zuletzt wurde er 2018 wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilt. Die letzte Freiheitsstrafe musste er 2015 absitzen. Er sei allerdings nicht mehr auf Bewährung. Am Abend des 13. Dezembers 2018 habe er außerdem in Nürnberg einen Diebstahl verübt. Dabei habe er versucht, ein Messer zu stehlen. Dies sei jedoch nicht die spätere Tatwaffe gewesen.

Zum Zustand der Opfer könne man keine Angaben machen - die Verletzungen seien durch Stiche gegen den Oberkörper entstanden. Weitere Hintergründe zum Täter, zu seinem Motiv und dem Ablauf der Taten können erst später gegeben werden. Laut den Ermittlern könne dies viele Tag oder sogar Wochen dauern.

Innenminister Joachim Herrmann lobt die Arbeit der Polizei

Bei einer Pressekonferenz mit Mittelfrankens Polizeipräsidenten Roman Fertinger, dem Leitenden Kriminaldirektor Thilo Bachmann und der Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke, hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Nürnberger Polizei zum schnellen und erfolgreichen Fahndungserfolg nach den Messerattacken im Nürnberger Stadtteil Sankt Johannis gratuliert: "Es ist der hochprofessionellen und unermüdlichen Arbeit aller Einsatzkräfte der SOKO 'Johannis' zu verdanken, dass der Verdächtige bereits am zweiten Tag nach der abscheulichen Tat dingfest gemacht werden konnte und Nürnbergs Bürgerinnen und Bürger damit wieder aufatmen können."

Herrmann dankte auch für die hervorragende Zusammenarbeit der Bürgerinnen und Bürger mit der Polizei. Der Minister verurteilte die Tat auf Schärfste und schickte den drei zum Teil lebensbedrohlich verletzten Frauen beste Genesungswünsche: "Diese unmenschliche Tat lässt keinen Zweifel an Heimtücke und Unmenschlichkeit. Ich bin überaus erleichtert, dass alle drei Opfer außer Lebensgefahr sind und wünsche für ihre Genesung weiterhin alles erdenklich Gute."

In diesem Zusammenhang dankte Herrmann auch den eingesetzten Rettungskräften und den Ärzten in den betroffenen Kliniken, deren intensivem Einsatz das Überleben der schwerst verletzten Opfer zu verdanken ist.

Rückblick: Festnahme in Nürnberg

Am Samstagabend kam die erlösende Mitteilung, die Menschen im Nürnberger Viertel St. Johannis konnten aufatmen: Nach erfolgreicher Großfahndung konnte am Samstag ein dringend Tatverdächtiger im Fall der drei Messerattacken verhaftet werden: "Ein 38-jähriger Mann wurde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth aufgrund eines erfolgten DNA-Abgleichs als dringend tatverdächtig festgenommen", so das Polizeipräsidium Mittelfranken in seiner Pressemitteilung. Der Mann sitzt seit dem Nachmittag in Untersuchungshaft.

Laut dpa-Angaben handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Deutschen. Das Motiv ist aber unklar. Einzelheiten zu dem Fall will Innenminister Joachim Herrmann gemeinsam mit Polizeipräsident Roman Fertinger, dem Leitenden Kriminaldirektor Thilo Bachmann und der Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke am Sonntag um 12:30 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt geben.

rowa/dvd/tu/mit dpa

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