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Sanierung

Nürnberg: Seit acht Jahren eingerüstet: Wie geht es weiter mit dem Laufer Torturm?

Seit acht Jahren ist der Laufer Torturm in Nürnberg eingerüstet. Die Altstadtfreunde sehen den Dauerstillstand der Sanierung als "Armutszeugnis" für die Stadt. Eine Sanierung scheine zudem immer teurer zu werden.
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Der Laufer Torturm in Nürnberg ist seit acht Jahren gegen herabfallende Steine gesichert. Foto: Nikolas Pelke
Der Laufer Torturm in Nürnberg ist seit acht Jahren gegen herabfallende Steine gesichert. Foto: Nikolas Pelke
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Die Stadtmauer ist eines der bedeutenden Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg. Doch seit acht Jahren ist der dringend sanierungsbedürftige Laufer Torturm am Verfallen. Damit die Passanten nicht von herabfallenden Steinen getroffen werden, ist der Sockel des wuchtigen Torturms seit acht Jahren von einem Schutzgerüst umgeben.

Dauerstillstand als "Armutszeugnis für die Stadt Nürnberg"?

Als ein "Armutszeugnis für die Stadt" bezeichnet Karl-Heinz Enderle, Vorsitzende der Nürnberger Altstadtfreunde, den Dauerstillstand am Laufer Torturm. "Auf meine mündlichen Anfragen erhielt ich mehrmals die stereotype Antwort, es würde in diesem Jahr losgehen", ärgert sich Karl-Heinz Enderle.

Seit acht Jahren verleiht eine Firma das Baugerüst bereits an die Stadt. Neben den sicheren Einnahmen kann sich die Gerüstbaufirma über die kostenlose Werbemöglichkeit freuen. In erstklassiger City-Lage prangt das Firmenbanner in großen Lettern am runden Torturm. Einen besseren Werbestandort gibt es in Nürnberg nicht, ist sich wohl auch die Firma sicher. Auf Nachfrage erklärt die Firma, dass das Gerüst regelmäßig kontrolliert werde.

Sanierung könnte immer teurer werden

Auch Karl-Heinz Enderle von den Altstadtfreunden ist sich sicher, dass der Laufer Torturm den Dornröschenschlaf "noch sehr lange" aushalten wird. Einer der vier großen Rundtürme habe bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg sogar einen Bombenvolltreffer ohne großen Schaden ausgehalten, erklärt Karl-Heinz Enderle. Trotz seiner massiven Bauweise dürfte die Erosion des Sandsteins allerdings fortschreiten, vermutet der Vorsitzende der Altstadtfreunde. Durch das lange Nichtstun dürfte die Sanierung des Torturms dadurch immer teurer werden, erklärt Karl-Heinz Enderle weiter. Ganz untätig sei die Stadt an der Stadtmauer aber nicht, meint Enderle und verweist auf aktuelle Baustellen beispielsweise beim Marientor.

Prioritäten der Stadt seien Schuld

Andrea Seitz vom Hochbauamt der Stadt Nürnberg erklärt den Dauerstillstand beim Laufer Torturm so: "Die Reihenfolge der zu bearbeitenden Maßnahmen werden nach Prioritäten festgelegt", sagt Seitz auf Anfrage von inFranken.de. "Wir sind laufend mit Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen an der Stadtmauer beschäftigt", betont Seitz weiter. Die Stadt Nürnberg stelle zum Erhalt der Stadtmauer jährlich rund 400.000 Euro zur Verfügung. Deshalb ziehen sich die Arbeiten offensichtlich in die Länge.

Die Liste der Stadtmauer-Baustellen ist jedenfalls lang. Allein an der Frauentormauer im Rotlichtviertel ist das Hochbauamt mit vier Baustellen präsent. Die Liste der Instandhaltungs,- Instandsetzungs- oder Sanierungsmaßnahmen geht fast endlos weiter: Darauf findet sich zum Beispiel die Sanierung des nördlichen Marientorzwingers, die Dach- und Fassadensanierung des Westtors oder auch die Sanierung der Neutorbastion. Hinzu kommen laut Seitz beispielsweise Brandschutzertüchtigungen in mehreren Stadtmauer-Türmen. Insgesamt hat die Stadt mit ihrer Mauer also alle Hände voll zu tun.

Stadtmauer für Nürnberg sehr wichtig

Vor diesem Hintergrund dürften in Nürnberg nicht nur die Altstadtfreunde, die dem Erhalt des historischen Stadtbildes besonders verpflichtet sind, darauf hoffen, dass bald endlich auch der Laufer Torturm wieder ohne Gerüst bewundert werden kann. Schließlich ist die Stadtmauer für das gesamte Erscheinungsbild "unglaublich wichtig", ist sich Karl-Heinz Enderle sicher. "Nürnberg ist die einzige Großstadt in Mitteleuropa, die noch eine Mauer hat, oder zumindest 90 Prozent davon." Insofern sei es "wirklich ein Armutszeugnis" für die Stadt, wenn an einer so wichtigen Stelle wie am Laufer Torturm über fast ein Jahrzehnt nichts vorwärts gehen würde.

Und wie geht es weiter mit dem ehemaligen Kaufhof am Aufseßplatz in Nürnberg? Edeka hat nun seine Pläne preisgegeben. In einem Neubau soll ein Einkaufscenter und Wohnungen entstehen.

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