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Nürnberg
Altersarmut

Frankens arme Rentner: Alfred (72) rechnet vor, wie wenig Geld er zum Leben hat

Die Grundrente ist beschlossen - für Rentner Alfred aus Nürnberg ist das ein Hoffnungsschimmer. Der 72-Jährige lebt am Existenzminimum. Er ist kein Einzelfall: Die Zahl der bedürftigen Rentner steigt weiter an.
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Bekommt Rentner Alfred die Grundrente? Für seine kleine Wohnung in Nürnberg zahlt der 72-Jährige bereits einen Großteil seines Geldes. Für gesundes Essen bleibe ihm kaum mehr etwas übrig. Foto: Nikolas Pelke
Bekommt Rentner Alfred die Grundrente? Für seine kleine Wohnung in Nürnberg zahlt der 72-Jährige bereits einen Großteil seines Geldes. Für gesundes Essen bleibe ihm kaum mehr etwas übrig. Foto: Nikolas Pelke
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  • Altersarmut in Nürnberg: Rentner Alfred hofft auf die Grundrente
  • Die Grundsicherung im Alter reicht dem Senior nicht allein
  • Die Miete für die Wohnung kostet dem 72-Jährigen bereits einen Großteil seines monatlichen Geldes
  • Die Bundesregierung erwartet, dass die Zahl der bedürftigen Rentner weiter steigt

Zwölf Euro pro Tag: Mehr Geld hat Alfred H. als "Mini-Rentner" nicht zum Leben. Dabei bekommt der 72-jährige Nürnberger bereits Grundsicherung im Alter. Jetzt hofft Alfred, den alle nur Ali nennen, auf die neue Grundrente. Aber die bekommt allerdings nicht jeder.

Alfred bekommt 701 Euro Rente - für gesundes Essen reicht das kaum

"Wer Grundsicherung im Alter bekommt, darf kein Einkommen haben", sagt Ali und legt seine Finanzsituation in einer einfachen Rechnung offen auf den Tisch. "Ich kriege eine Rente in Höhe von 701 Euro. Davon zahle ich hier die Miete", sagt Ali und zeigt auf sein kleines Reich mit den wenigen Habseligkeiten.

Die nackte Matratze liegt auf dem Boden. Dazwischen ragen Erinnerungen eines langen Lebens aus wild herumliegenden Kleidungsstücken und billigen Küchenutensilien hervor. "Das sind meine beiden Kinder", sagt Ali und zeigt auf das einfach gerahmte Familienfoto, das wie ein heller Kometenschein aus all dem Wirrwarr aus Bescheidenheit und Finanznot hervorleuchtet.

Für die Ein-Raum-Wohnung im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses muss Ali 410 Euro plus 35 Euro für die Heizung auftreiben. "Vom Grundsicherungsamt bekomme ich monatlich 120 Euro dazu. Unter dem Strich bleiben mir zum Leben rund 370 Euro übrig. Das sind zwölf Euro und ein paar Zerquetschte pro Tag", sagt Ali und erzählt, dass er manchmal nicht wisse, wie er sich gesund ernähren solle.

Grundsicherung geht größtenteils für Miete drauf

"Die Grundsicherung finanziert im Prinzip nur die hohen Mieten", ist sich Ali sicher und erklärt, dass das am System der Grundsicherung im Alter liege, die nur den Regelsatz in Höhe von 432 Euro plus die "örtlich angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung" abzüglich der eigenen Rente gewähren würde. "Grundsicherung im Alter ist schlimmer als Hartz IV", sagt Ali und streckt in seinen alten Sessel die Füße aus. "Das ist mein einziger Luxus", sagt Ali.

Rentner hofft auf kleine Entlastung durch Grundrente

Am Mittwoch (19.02.2020) hat das Bundeskabinett die Grundrente beschlossen. Ali hofft, dass er dadurch ein paar Euro mehr zum Leben bekommt. Schon ab dem nächsten Jahr sollen rund 1,4 Millionen Menschen, die trotz langer Beitragszeiten nur wenig Rente bekommen, einen bescheidenen Aufschlag in Höhe von zehn Prozent auf den regionalen Grundsicherungsbedarf bekommen.

Jeder arme Rentner wird allerdings nicht die neue Grundrente erhalten. Der Leistungsgedanke soll bestehen bleiben. Nur wer mindestens 33 Jahre "Grundrentenzeiten" vorweisen kann und stetig in die Rentenkasse einbezahlt und vielleicht noch Kinder groß gezogen oder Angehörige gepflegt hat, dem soll die Rente um den kleinen Zuschlag von bis zu zehn Prozent des Grundsicherungsbedarfs erhöht werden. "Bei mir wird es ganz knapp. Aber vielleicht klappt es ja", sagt Ali und gesteht freimütig, die Hoffnung nicht aufgeben zu wollen.

Alfred ist kein Einzelfall - in Nürnberg kriegen tausende Rentner Grundsicherung

Genauso wie Ali dürften jetzt viele arme Rentner darauf hoffen, bald ein paar Euro mehr in der Tasche zu haben. Allein in Nürnberg haben laut Auskunft des städtischen Sozialreferats im letzten Jahr genau 6.292 Rentner eine Grundsicherung erhalten.

Damit die finanziell hart gebetteten Senioren etwas besser (über-)leben können, hat Nürnberg an diese Gruppe im letzten Jahr über 39 Millionen Euro an Bundesmitteln verteilt. Bald dürfte dieser Posten um bis zu zehn Prozent ansteigen. Die Kosten für die neue Grundrente schätzt die Bundesregierung insgesamt auf rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr. Tendenz steigend: Denn bald dürften noch mehr Menschen im Alter in Deutschland wie Ali mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Die Bundesregierung erwartet, dass die heutige Generation aufgrund heterogener Erwerbsbiografien noch stärker von Altersarmut betroffen sein wird.

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