Nürnberg

Nach brutaler Qual entsorgt fränkisches Pärchen seinen toten Ex in Koffer

Die Staatsanwalt sieht Zeichen schwerster Misshandlung: Ein 35-jähriger soll seinen Widersacher übel traktiert haben, unter anderem mit einem Regenschirm. Jetzt muss er sich gemeinsam mit einer Frau vor Gericht verantworten. Doch keiner will schuldig sein.
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Sie liebten und sie stritten sich - bis aufs Blut. Eine Dreiecksbeziehung im Nürnberger Trinker-Milieu endete tödlich. Ein Mann und eine Frau stehen vor Gericht - und keiner will es gewesen sein. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa
Sie liebten und sie stritten sich - bis aufs Blut. Eine Dreiecksbeziehung im Nürnberger Trinker-Milieu endete tödlich. Ein Mann und eine Frau stehen vor Gericht - und keiner will es gewesen sein. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Es floss viel Bier, viel Schnaps - und auch ziemlich viel Blut: Eine von Alkohol und noch mehr Streit geprägte Dreiecksbeziehung im Nürnberger Trinker-Milieu endete für einen der Beteiligten tödlich, für die anderen beiden im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Nürnberg-Fürth.

Ein 35 Jahre alter Mann und eine 33 Jahre alte Frau - deren Nummer auf dem Mobiltelefon ihres Mitangeklagten vor der Tat noch unter "Engelchen" gespeichert war - beschuldigten sich mit wild anmutenden Darstellungen zum Prozessauftakt am Montag (10. Februar 2020) gegenseitig der Tat.

Mann stirbt durch innere Blutungen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, er habe sein Opfer geschlagen, getreten und ihm schließlich einen Regenschirm rektal eingeführt. Der Mann starb an schweren inneren Blutungen, unter anderem am Dünndarm. Die Frau habe dem Täter dabei geholfen, die Leiche zu säubern, in einen Reisekoffer zu packen und schließlich in der Stadt Roth bei Nürnberg eine Böschung hinab zu werfen - wo sie im Februar 2019 wenig später von einer Spaziergängerin entdeckt worden war.

Jeder der beiden Angeklagten für sich stritt alle Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage erhoben hatte, ab. Schuld sei der jeweils andere. Beide lieferten ihre eigene Sicht auf die Geschehnisse, die sich jeweils deutlich von den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft abhob. Die Angeklagten sitzen seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft.

Wer ist Schuld an den Qualen?

Der Mann sagte mit ruhiger, fester Stimme, er habe die Leiche seines Bekannten im Bad gefunden. Entgegen den Vorwürfen der Anklage habe nicht er, sondern die 33-Jährige den Mann in einer Mischung von Wut und Suff geschlagen, getreten und ihm schließlich den Regenschirm eingeführt. Er selbst habe dem Opfer noch in die Dusche geholfen. Erst am nächsten Tag habe er festgestellt, dass der Mann tot sei.

Der Streit habe damit begonnen, dass die Frau ihrem angeblichen Opfer die in einem Spülmaschinen-Tab befindliche Reinigungskugel in die Nase gedrückt habe. Anschließend habe sie ihm unter anderem eine Fünfzig-Cent-Münze in den Mund geschoben und den Mund mit Klebeband verschlossen, erklärte der Angeklagte.

Die Frau, von Staatsanwalt Frank Beckstein wie auch ihr Mitangeklagter als "extrem alkohlgewöhnt" beschrieben, ließ von ihrer Verteidigerin eine Erklärung verlesen, die eine dritte Version dessen lieferte, was in den Tagen um den 17. Februar 2019 in der Wohnung der 33-Jährigen in Nürnberg passiert sein könnte.

Erst verprügelt, dann umgebracht

Der 35-Jährige habe mit dem späteren Opfer ein "Männergespräch" führen wollen und sie zum Einkaufen geschickt. Währenddessen habe er ihn grün und blau geschlagen und schließlich umgebracht. Sie habe geglaubt, in dem Reisekoffer befänden sich ihre T-Shirts. Als der 35-Jährige beim Tragen einen Griff abriss, habe sie sich noch gewundert: "Sind denn meine T-Shirts so schwer?"

Dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sie habe schon ein Jahr vorher dem späteren Opfer ein Küchenmesser mit solcher Wucht in die Seite gerammt, dass die Klinge abbrach, widersprach die Frau über ihre Verteidigerin ebenfalls. Sie habe das Messer weglegen wollen, sei aber betrunken und aufgeregt gewesen. Da habe sie sich gedreht und gefuchtelt. Und durch den Schwung habe sie mit dem Messer den Mann erwischt. Im übrigen sei das Tatwerkzeug gar kein richtiges Messer, sondern nur ein "Schneidteufelchen" gewesen, wie sie es oft zum Zwiebelschneiden verwendet habe.

Insgesamt 13 Verhandlungstage hat sich das Nürnberger Schwurgericht Zeit eingeräumt, um die Wahrheit herauszufinden. Bis dahin sollen zahlreiche Zeugen und mindestens ein Sachverständiger vernommen werden. Ein Urteil wird am 31. März erwartet.

Eine Passantin entdeckte damals die Leiche - und in der Nähe einen Koffer:

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