Nürnberg
Verkehrssicherheit

Schulbeginn: Tempo 30 vor Nürnberger Schulen gilt jetzt länger - neue Regel sorgt für Diskussionen

Zum Beginn des neuen Schuljahres gilt in Nürnberg eine neue Verkehrsregelung. So wird die Tempo-30-Regelung ab sofort um eine Stunde verlängert. Die CSU zweifelt an den Motiven.
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Die Änderung vor Schulen soll der Vereinheitlichung der Regelung dienen und für mehr Sicherheit sorgen. Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Die Änderung vor Schulen soll der Vereinheitlichung der Regelung dienen und für mehr Sicherheit sorgen. Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa

Am Dienstag, 10. September 2019, beginnt ein neues Schuljahr und viele Kinder werden eingeschult. Die Stadt Nürnberg gibt jetzt bekannt, dass ab Dienstag vor Schulen die Tempo-30-Regelung ab sofort bis auf 18 Uhr ausgeweitet wird. Tempo-30 vor Schulen gilt dann von 7 bis 18 Uhr und nicht nur bis 17 Uhr. Autofahrer müssen ab jetzt besonders auf das verlängerte Tempolimit achtgeben.

Die Änderung vor Schulen soll der Vereinheitlichung der Regelung dienen. Kraftfahrende sollen dadurch wissen, dass die Tempo 30-Regelung vor Schulen und Horten in Nürnberg immer zu den gleichen Zeiten gilt. Auch werden so Schulen mit Horten nicht anders beschildert als Schulen ohne Horte.

Erhöhte Kontrollen der Polizei

Das Polizeipräsidium Mittelfranken und der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung im Großraum Nürnberg werden ab dem ersten Schultag Kontrollen zur Erhöhung der Schulwegsicherheit durchführen, um nach den langen Sommerferien bei der Bevölkerung erneut das Bewusstsein für die Gefahren des Schulweges zu wecken.

Hierbei werden entsprechende Kontrollen in Bezug auf die Sicherung der Kinder im Kraftfahrzeug (Anschnallen und Verwenden ordnungsgemäßer Kindersitze), das verbotswidrige Halten und Parken vor Schulen und entlang der Schulwege sowie die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit an Schulwegen überwacht.

Das Polizei Mittelfranken und der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung bitten deshalb,

  • an Schulen besonders vorsichtig fahren und unbedingt die bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen beachten,
  • runter vom Gas zu gehen und bremsbereit zu sein, wenn Kinder in Sichtweite sind
  • selbst an Ampeln und Zebrastreifen vorsichtig zu sein, denn Schulanfänger halten sich oft nicht verlässlich an die Regeln,
  • in verkehrsberuhigten Bereichen die Schrittgeschwindigkeit einzuhalten,
  • nie an Einmündungen, im Kreuzungsbereich, auf Geh- und Radwegen oder an sonstigen Stellen zu parken, an denen es nicht erlaubt ist,
  • vor Schulen nicht in zweiter Reihe parken und die Haltverbote beachten,
  • an Haltestellen von Bussen und Straßenbahnen immer damit zu rechnen, dass Kinder unvermittelt über die Straße laufen,
Kinder nicht im absoluten Haltverbot ein- oder aussteigen zu lassen,
  • die Gurtanlegepflicht zu beachten und die Kinder mit den erforderlichen Rückhaltesystemen zu sichern und
  • niemals „auf den letzten Drücker“ loszufahren, denn Hetze und Stress machen unaufmerksam.

      CSU-Verkehrsexperte sieht Regelung kritisch

      Vorher hätten die Tempo-30-Limits vor den Nürnberger Schulen und Kinderhorten zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten gegolten, teilt Frank Jülich, Chef des Nürnberger Verkehrsplanungsamtes, am Dienstag auf Anfrage von inFranken.de mit.

      Warum die Tempo-30-Regelung allerdings nicht nur vereinheitlicht sondern gleichzeitig auch bis 18 Uhr ausgedehnt worden ist, kann CSU-Stadtrat und Verkehrsexperte Andreas Krieglstein nicht verstehen. "Welches Kind ist um 18 Uhr noch in der Schule?", fragt sich Krieglstein. Frank Jülich verweist darauf, dass "einige Horte länger geöffnet" hätten. Zudem würde es auch Horte in Schulen gegeben. Mit der nun gewählten Zeitspanne von 7 bis 18 Uhr sollte der gesamte Zeitraum abgedeckt werden, in dem sich Schüler zwischen Haustür, Schule und dem Hort im Straßenverkehr bewegen.

      "Es geht nicht um den Schutz der Schüler sondern generell um die Ausweitung von Tempo 30" - CSU kritisiert neue Regelung

      "Ich habe das Gefühl, es geht nicht um den Schutz der Schüler sondern generell um die Ausweitung von Tempo 30", sagt dagegen Andreas Krieglstein und verweist darauf, dass das Tempolimit vor Schulen auch in den Ferien gelte. Die Stadt argumentiert mit den unterschiedlichen Ferienzeiten in Deutschland und der Unwissenheit von Autofahrern aus anderen Bundesländern. Krieglstein will trotzdem einen politischen Überbietungswettbewerb bemerkt haben, der mittlerweile beim Tempolimit in der Stadtpolitik stattfindet. Die Grünen hätten dieses "Schneckenrennen" um die meisten Geschwindigkeitsbegrenzungen seiner Meinung nach ausgelöst. Wie ein politisches Eichhörnchen wollten die Anhänger der Anti-Autofahrer-Bewegung die Tempo-30-Limits schrittweise in der Stadt ausdehnen. Nach dem Motto: Mühsam aber stetig. Ziel der Umweltpartei sei Tempo-30 in der gesamten Stadt.

      Grüne fordern Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit im Stadtgebiet

      Die Nürnberger Grünen machen tatsächlich überhaupt kein Hehl aus ihren Absichten. In ihrem Programm zur Kommunalwahl 2014 fordern die Grünen beispielsweise ganz explizit, dass Tempo 30 "innerorts zur Regelgeschwindigkeit" wird. Das würde bedeuten, dass Verkehrsschilder plötzlich dort aufgestellt werden müssten, wo Tempo 50 ausnahmsweise noch erlaubt ist. Nicht ganz ohne Häme verweisen die Grünen darauf, dass sich durch die Einführung von "Tempo 30" der Verkehrsschilderwald als positiver Nebeneffekt lichten würde. Die Grünen verstehen die generelle Einführung von Tempo 30 als einen "kostensparenden Beitrag zu einem schöneren Stadtbild".

      CSU will Verkehr mit Tempo 50 bündeln - und appelliert an die Eigenverantwortung der Autofahrer

      Die CSU wolle laut Verkehrsexperte Andreas Krieglstein den Verkehr dagegen mit Tempo 50 auf den Hauptstraßen bündeln, anstatt die Autofahrer mit tausend Nadelstichen wie mit immer neuen Tempolimits zu piesacken. Damit wolle Krieglstein verhindern, dass die Autofahrer genervt die Hauptstraßen verlassen und sich Schleichwege durch die Wohngebiete suchen. Zum Schulstart setzt der CSU-Verkehrspolitiker nicht auf immer neue Verbote sondern appelliert an die Eigenverantwortung aller Verkehrsteilnehmer. Auch die Eltern könnten zur Verkehrssicherheit beitragen und auf ihre berühmt-berüchtigten Elterntaxi-Dienste gerade jetzt zum Start des neuen Schuljahres verzichten.

      Verkehrsunfälle sind keine Seltenheit: Erst am Sonntag ist es am Nürnberger Plärrer zu einem Unfall bekommen, weil ein Autofahrer mit drei Promille stark betrunken war. Der angerichtete Sachschaden ist immens hoch.

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