Nürnberg
Fackelzug

Zivilpolizisten sollen Neonazi-Fackelmarsch in Nürnberg beobachtet haben - schritten aber nicht ein

Nach dem Fackelmarsch einiger Neonazis über das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bleiben Fragen offen. Laut neuesten Erkenntnissen sollen Zivilpolizisten den Aufmarsch der Rechtsextremen beobachtet haben. Zu einem Eingriff kam es aber nicht. Warum?
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Neonazis haben sich wohl Anfang Februar auf dem ehemaligen  Nürnberger Reichsparteitagsgelände inszeniert. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Neonazis haben sich wohl Anfang Februar auf dem ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgelände inszeniert. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Eine Gruppe Neonazis hat das ehemalige Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten in Nürnberg für einen Aufmarsch genutzt. Die Demonstration habe Anfang Februar stattgefunden und sei nicht angemeldet gewesen, bestätigten Polizei und Ordnungsamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Wie jetzt durch Medienberichte bekannt wurde, haben offenbar Zivilpolizisten den Vorfall beobachtet. Eingeschritten sind die Beamten jedoch nicht. Angeblich aus Eigenschutz der Polizisten, denn es seien nur zwei Beamte vor Ort gewesen.

Hat die Polizei die Lage falsch eingeschätzt?

Zuvor sei die Neonazi-Gruppe bei dem Aufmarsch vor einer Flüchtlingsunterkunft in Langwasser von der Polizei kontrolliert worden. Auch habe die Polizei der Gruppe einen Platzverweis erteilt. Die Polizei gab am Mittwoch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk zu, die Lage nach der Kontrolle falsch eingeschätzt zu haben.

Der Fackelmarsch wird nun auch Thema im Landtag. Abgeordnete von SPD und Grünen haben Anfragen an die Staatsregierung eingereicht. Sie wollen wissen, unter welchen Umständen dieser Fackelmarsch stattgefunden hat.

Nürnbergs OB: "Erscheinung, die uns alarmieren muss"

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hat den Neonazi-Aufmarsch scharf verurteilt. Es sei widerlich, inakzeptabel und von niemandem in irgendeiner Form genehmigt worden, sagte Maly am Dienstag in Nürnberg. "Die Staatsanwaltschaft prüft im Moment, ob der Tatbestand der Volksverhetzung vorliegt." Das Abhalten einer unerlaubten Versammlung sei erstmal nur eine Ordnungswidrigkeit und kein Straftatbestand.

"Es ist eine Erscheinung, die uns alarmieren muss - in ganz Deutschland und natürlich speziell auch in Nürnberg, dass mit solchen Symbolen an solchen Orten gearbeitet wird", sagte Maly. Die Polizei werde alles daran setzen, so etwas in Zukunft zu verhindern. Die Zeppelintribüne sei normalerweise kein Treffpunkt "der ewig Gestrigen".

Rechtsextreme posieren mit Fackeln auf Zeppelintribüne in Nürnberg

Bei dem Aufmarsch posierten ein Dutzend Rechtsextreme mit Fackeln unter anderem auf der Zeppelintribüne, von der in den 1930er Jahren Adolf Hitler sprach. Über den Fackelzug kursierte im Internet ein Video. Dieses werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher der Polizei.

Neonazi-Gruppe marschierte vor Flüchtlingsheim in Langwasser auf

Dem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge marschierte die Gruppe zuvor vor einem Flüchtlingsheim in Nürnberg-Langwasser auf. Das Video vom Fackelmarsch entstand nach BR-Recherchen Anfang Februar, wurde aber erst am vergangenen Sonntag veröffentlicht. Nürnbergs Ordnungsamtschef Robert Pollack sagte, da die Versammlung nicht angemeldet gewesen sei, werde nun ein Bußgeldbescheid gegen die Organisatoren eingeleitet.

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