Nürnberg
Laute Knallgeräusche gestern

Lauter Knall über Franken: Wieso kreisten die Eurofighter über Nürnberg und die Region?

Zwei laute Knallgeräusche haben am Donnerstagnachmittag in Nürnberg und Franken für Aufregung gesorgt. Viele Menschen fragten sich, ob es eine Explosion gegeben hat. Doch etwas völlig anderes steckte dahinter.
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Laute Knallgeräusche haben die Menschen in Franken aufgeschreckt. Symbolfoto: pixabay.com / Netloop
Laute Knallgeräusche haben die Menschen in Franken aufgeschreckt. Symbolfoto: pixabay.com / Netloop
Update am Freitag um 8.11 Uhr zum Knall gestern in Franken: Nachdem in Mittelfranken, Teilen Oberfrankens und vor allem in Nürnberg am Donnerstagnachmittag große Verunsicherung herrschte wegen lauten Knallgeräuschen, konnten Polizei und Luftwaffe Entwarnung geben. Es handelt sich weder um eine Explosion in der Nürnberger Südstadt noch um eine Kampfeinsatz.

Zwei Kampfflugzeuge der Alarmrotte aus Oberbayern waren zu einem Einsatz berufen worden, weil ein Zivilflugzeug über Süddeutschland keinen Funkkontakt mehr hatte.


Doppelknall in Nordbayern: Zwei Kampfjets durchbrachen Schallmauer


Dazu mussten sie schnell fliegen, hatten dabei die Schallmauer durchbrochen. Die zwei lauten Knalle hatten dann am 12.07.2018 gegen 16.45 Uhr in Nürnberg, aber auch in anderen Teilen Mittelfrankens und Oberfrankens für große Aufregung und Verunsicherung gesorgt. Wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht, wird der Luftdruck ganz plötzlich verändert. Und wenn der Jet dann schneller fliegt als sich der Lärm der entsprechenden Triebwerke verbreiten kann, ist ein sehr lautes Geräusch zu hören.

Viele Menschen zeigten sich in den sozialen Netzwerken äußerst besorgt. Auch in Fürth, Zirndorf, Schwabach, Erlangen, Höchstadt, Herzogenaurach, dem Kreis Forchheim und dem Kreis Bamberg war der Lärm offenbar zu hören. Einige vermuteten eine Explosion in der Nürnberger Südstadt.


Knall in Franken: Es war keine Explosion

Das Polizeipräsidium Mittelfranken konnte jedoch bereits am frühen Abend Entwarnung geben: Gegenüber inFranken.de erklärte ein Sprecher der Polizei, dass es sich um zwei Überschallflugzeuge gehandelt hatte, die beim Durchbruch der Schallmauer den Knall verursacht hatten.
Um 18.58 Uhr schrieb die mittelfränkische Polizei: "Wegen vieler Nachfragen: Über außergewöhnliche Aktivitäten im Luftraum wird die Polizei von der @dfs-de (Deutsche Flugsicherung - Anmerk. d. Redaktion) informiert. Zum Grund des Überschallfluges haben wir keine weiteren Informationen."


Deshalb war die Alarmrotte über Franken in der Luft

Kurze Zeit später, gegen 19.23 Uhr ist klar, warum die Eurofighter über Franken in der Luft waren. Die Alarmrotte sei in Neuburg an der Donau in Oberbayern gestartet, bestätigte ein Pressesprecher der Luftwaffe, Jörg Langer, dem Radiosender Antenne Bayern. Grund war ein Flugzeug, das im süddeutschen Raum unterwegs gewesen war und zu dem es keinen Funkkontakt mehr gegeben hatte. Um welches Flugzeug es sich handelte, war bis Freitagmorgen nicht zu erfahren.



Die Eurofighter mussten klären, ob das Flugzeug Probleme hat. Schnelligkeit war gefragt, die Piloten durchbrachen die Schallmauer. Dann habe das andere Flugzeug aber wieder Funkkontakt aufnehmen können, die Situation sei geklärt gewesen und der Einsatz habe beendet werden können, sagte Langer.


Warum gibt es solche Einsätze der Jagdflugzeuge?

Solche Einsätze seien immer eine reine Sicherheitsmaßnahme. Denn es könne ja eine gefährliche Situation vorliegen, zum Beispiel könne ein Flugzeug Hilfe benötigen und müsse dann sicher zu einem Flughafen begleitet werden. Im aktuellen Fall habe sich die mögliche Gefahrensituation schnell wieder aufgeklärt.

Solche Alarme gebe es bundesweit etwa 15 bis 20 Mal pro Jahr, sagte der Pressesprecher der Luftwaffe, Jörg Langer, am Freitag der dpa. Dass ein tatsächlicher Notfall vorliege, sei der "absolute Ausnahmefall".
"In der Regel handelt es sich um Bedienfehler der Luftfahrzeugbesatzung", so Langer. Im Fall vom Donnerstag sei die falsche Funkfrequenz eingestellt gewesen. Es sei auch schon vorgekommen, dass die Besatzung die Lautstärke des Funks auf null gestellt habe. Bei einem Alarm würden dann zwei Eurofighter in die Luft steigen, eine sogenannte Alarmrotte.

Dass die Alarmrotte ein Flugzeug zum Flughafen geleiten müsse, sei im vergangenen Jahr nur einmal vorgekommen. Handelt es sich um einen Bedienfehler, ist es laut Luftwaffe je nach Schwere des Vorgangs möglich, dass die Fluggesellschaft für den Einsatz zahlen muss. Pro Eurofighter kostet eine Flugstunde in etwa 70.000 Euro.

An zwei Standorten sind in Deutschland sogenannte Alarmrotten stationiert: für Süddeutschland in Neuburg an der Donau und für Norddeutschland im niedersächsischen Wittmund.


In den Sozialen Netzwerken waren viele Menschen besorgt

Viele Menschen setzten besorgte Tweets beim Kurznachrichtendienst Twitter ab. So schrieb ein Nutzer bei Twitter: "Was hat gerade in Nürnberg geknallt? 2x in der Bahnhofstr. und deutlich zu hören." Ein anderer schrieb: "Ist in Nürnberg gerade etwas explodiert? Alter."


Knall schreckte Menschen vor einem Jahr in Unterfranken auf

Fast exakt vor einem Jahr waren die Menschen in Franken auch von einem Knall aufgeschreckt worden: Am 15. Juli 2017 war das laute Geräusch in Teilen Unterfrankens und Hessens zu hören gewesen. So hatten damals besorgte Bürger beispielsweise aus Aschaffenburg, Würzburg und Umgebung bei der Polizei angerufen. Was war geschehen?
Die Kampfflugzeuge waren vor einem Jahr aufgestiegen, weil es keinen Funkkontakt zu einem ägyptischen Flugzeug gab. Die Flugroute der Bundeswehrjets führte damals über Fulda, Wetterau und Marburg in Richtung Bielefeld in Nordrhein-Westfalen.

Für den Fall aber, dass ein anderer Flieger verdächtig ist, gibt es einen Notfallplan. Dabei verständigt das Lagezentrum die Nato, der zwei "Alarmrotten" in Deutschland unterstehen. Das sind Eurofighter, die rund um die Uhr einsatzbereit und innerhalb von 15 Minuten in der Luft sind. mit dpa





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