Nürnberg
Kommunalwahl 2020

Nürnberg: Jugendliche "grillen" OB-Kandidaten in der Tram - Wahlkampf in historischer Straßenbahn

Unter dem Motto "Mit der Tram durch Nürnberg" luden Jugendliche die drei Nürnberger Oberbürgermeister-Kandidaten zu einer Stadtrundfahrt ein. In der historischen Straßenbahn wurden die Politiker auch mit unangenehmen Fragen konfrontiert.
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Kritische Fragen zu Drogen und Gewalt: Die OB-Kandidaten für Nürnberg mussten sich in Nürnberg kritischen Fragen von Johann, Tim, Sebastian und weiteren Jugendlichen stellen.  Foto: Nikolas Pelke
Kritische Fragen zu Drogen und Gewalt: Die OB-Kandidaten für Nürnberg mussten sich in Nürnberg kritischen Fragen von Johann, Tim, Sebastian und weiteren Jugendlichen stellen. Foto: Nikolas Pelke
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Straßen(bahn)-Wahlkampf in Nürnberg: Eine alte Straßenbahn verwandelten Jugendliche am Dienstag (22. Oktober 2019) in eine rollende Wahlkampfarena. Während die historische Tram durch Nürnberg tuckert, müssen sich die drei Nürnberger OB-Kandidaten, Thorsten Brehm (SPD), Marcus König (CSU) und Verena Osgyan (Grüne), den Fragen von den Jugendlichen stellen. Und die haben es durchaus in sich.

 

  • Idee: Unter dem Motto „Mit der Tram durch Nürnberg“ haben Jugendliche die OB-Kandidaten zu einer politischen Rundfahrt durch Nürnberg eingeladen.
  • Fragen: Während der Fahrt haben sich Thorsten Brehm (SPD), Marcus König (CSU) und Verena Osgyan (Grüne) den Fragen der Jugendlichen gestellt. Wie beim „Speed-Dating“ haben die Kandidaten nach 20 Minuten gewechselt und die Fragen der nächsten Jugendlichen beantwortet.
  • Konzept: Das Bildungszentrum hat die ungewöhnliche Straßenbahn-Rundfahrt veranstaltet. Bereits zum vierten Mal hat das Bildungszentrum damit jungen Menschen die Chance gegeben, mit bekannten Persönlichkeiten an einem ungewöhnlichen Ort ins Gespräch zu kommen.

 

In Nürnberger Straßenbahn: Jugendliche fragen, OB-Kandidaten antworten

"Wie bewerten Sie die Drogensituation in Nürnberg?", will Tim von der grünen OB-Kandidatin Verena Osgyan wissen. Osgyan würde als neue Rathaus-Chefin die Zahl der Drogenberater und Streetworker erhöhen. Und auf "Drogenkonsumräume" wie in Frankfurt setzen. Tim schüttelt mit dem Kopf. Frankfurt, findet Tim, könne die Politikerin redlicherweise nicht mit der Frankenmetropole vergleichen. Dort sei das Drogenproblem "viel krasser", findet Tim und rückt seine schwere Silberkette zurecht, die ihm funkelnd um den Hals baumelt.

Qualifizierungskurs des Bildungszentrums: Fragensteller nutzen "Zweite Chance"

Tim besucht derzeit einen Qualifizierungskurs des Bildungszentrums. Wie alle Jugendliche in der Tram. Unter der Überschrift "Zweite Chance" nutzen die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren dort die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen. "Ich war erst auf der Realschule, dann auf der Wirtschaftsschule. Das hat alles nicht geklappt. Jetzt hole ich meine mittlere Reife beim Bildungszentrum nach", erzählt der 24-jährige Tim ganz offen.

 

Gewalt und Kriminalität: Wie sicher ist Nürnberg?

"Wie sicher finden Sie Nürnberg?", will derweil der 19-jährige Johann von Verena Osygan wissen. "Schon ziemlich sicher", sagt die grüne Kandidatin. Jetzt schüttelt Johann mit dem Kopf und verweist auf Kriminalität und Gewalt in der Großstadt. In der Nacht hätten auch die Jungs manchmal Angst. Besonders in der Südstadt sei es schlimm. In manche Discotheken würden sich die Jugendlichen nicht hineinwagen. Verena Osgyan nickt verständnisvoll und verspricht nach ihrer Wahl mehr Streifenpolizisten für mehr Sicherheit. Und neue Laternen für mehr Licht gegen zwielichtige Gestalten in dunklen Parkecken.

Thorsten Brehm erzählt über Privatleben: "Mit 15 Jahren bin ich bei den Jusos eingetreten"

Derweil plaudert Thorsten Brehm, der 35-jährige SPD-Kandidat für die Nachfolge des amtierenden Parteifreundes Ulrich Maly, ein paar Bänke weiter aus seinem Privatleben. "Mit 15 Jahren bin ich bei den Jusos eingetreten", sagt Brehm und erzählt, wie er über seine Begeisterung für Menschenrechte und Umweltschutz in die Politik "geschlittert" sei. Aufgewachsen sei Brehm in einer Handwerkerfamilie im Knoblochausland. Stolz ist Brehm auf seine kleinbürgerliche Herkunft. Er sei der "erste Studierte" in der Familie. Apropos: Über seine eigene Familie will Brehm nicht sprechen. "Ich bin ledig. Eine Homestory würde ich nicht machen", sagt Brehm.

Nürnberg soll "Grüner" werden: Besonders die Südstadt soll profitieren

Stattdessen möchte der Sozialdemokrat lieber über seine politischen Leidenschaften sprechen. "Grüner" wolle Brehm seine Heimatstadt machen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Brehm will mehr Bäume pflanzen. Besonders in der grauen Südstadt, verspricht Brehm. Auch der Nahverkehr liegt dem SPD-Kandidaten am Herzen. Wie beim "Speed-Dating" wechseln die drei OB-Kandidaten nach 20 Minuten die Bahnabteile und lassen sich von den nächsten Jugendlichen ins Kreuzfeuer nehmen.

Wahlkampf in Straßenbahn: Eine Rundfahrt und drei Interviews

"Hier habe ich meine Banklehre gemacht!", freut sich derweil CSU-Kandidat Marcus König und zeigt aus dem Fenster der fahrenden Trambahn auf eine Bankfiliale in der Allersberger Straße. Vom Kassierer bis zum Bankdirektor habe er es gebracht. Ganz ohne Studium. Das könnten die Jugendlichen auch schaffen, ist sich König sicher. Dann erzählt König von seiner Frau und dem siebenjährigen Sohn, für den der CSU-Kandidat auch ein wirtschaftlich starkes Nürnberg schaffen will. "Damit junge Leute einen Job in der Heimat finden nach der Ausbildung", sagt König und die Jugendlichen strahlen und nicken.

"Vorher wäre ich wohl nicht wählen gegangen": Politiker überzeugen Jugendliche

Dann klingelt schon wieder die Glocke. Die nächsten 20 Minuten sind vorbei. Die drei Interview-Runden sind geschafft. Langsam rollt die alte Tram zurück ins Straßenbahn-Depot. Und was sagen die Jugendlichen nach der Fahrt? "Vorher wäre ich wohl nicht wählen gegangen", gibt Tim zu. "Mir hat die offene und lässige Art von Marcus König gefallen", findet Johann und Sebastian sagt: "Mir auch." Dann springen die Jugendlichen aus der Bahn. Die Rundfahrt ist vorbei. Auf die einen wartet die Schule. Auf die drei OB-Kandidaten die Wahl im März.

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