Nürnberg
Urteil

Fränkischer Heilpraktiker verkaufte "Wundermittel" gegen Krebs - Mittel war nicht für Menschen bestimmt

Er verkaufte Millionen Krebspatienten ein "Wundermittel", dessen Wirkung nicht bewiesen war. Nun muss der Heilpraktiker ins Gefängnis.
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Der Heilpraktiker verkaufte nicht zugelassene Mittel an Krebspatienten. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Haft. Symbolfoto: Liz Masoner/pixabay
Der Heilpraktiker verkaufte nicht zugelassene Mittel an Krebspatienten. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Haft. Symbolfoto: Liz Masoner/pixabay

"Rerum" und "Rerum blue" hießen die angeblichen Wundermittel, mit denen ein Heilpraktiker Millionen verdiente. Für viele Krebspatienten stellten seine "Medikamente" die letzte Hoffnung dar. Am Donnerstag (16. Mai 2019) entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth allerdings, dass der 63-jährige Heilpraktiker und Volkswirt über seine Firma im mittelfränkischen Altdorf und auf Zypern die umstrittenen Krebsmittel ohne Zulassung an schwer kranke Patienten und Therapeuten verkaufte. Im gleichen Zug zog das Gericht die dadurch erzielten Gewinne von 4,5 Millionen Euro ein.

Vitamin-Emulsion als "Wundermittel"

Laut Staatsanwaltschaft kaufte der Geschäftsmann die "nicht für die Anwendung an Mensch oder Tier bestimmten" Testchargen für für sieben Euro je Drei-Milliliter-Glasfläschchen ein und verkaufte diese dann als Krebsmittel für rund 300 Euro an hoffnungssuchende Patienten. Auch solle das Mittel angeblich gegen Schulterschmerzen, Autismus und chronische Müdigkeit helfen. Richter Markus Bader warf dem Angeklagten außerdem vor, in Vorträgen die Vitamin-Öl-Emulsion als "Produktwunder" angepriesen zu haben. Gleichzeitig solle er den Patienten suggeriert haben, dass es sich dabei um ein Medikament handelt. Der Angeklagte habe zudem eine Mitarbeiterin angewiesen, das Mittel einer Krebspatientin zu injizieren. "Schon allein die Injektion erweckt den Eindruck, dass man es als Arzneimittel bewertet", ergänzte der Richter.

Vier Jahre Haft für Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft für den Heilpraktiker gefordert. Sie begründet ihre Forderung damit, dass der Kaufmann "viel Geld mit Scharlatanerie" eingenommen habe. Seine Verteidigerin Sandra Rothschild plädierte auf Freispruch, da es sich bei den Substanzen um Nahrungsergänzungsmittel handle, für die eine Verkehrsfähigkeitsbescheinigung vorliege. In den Produkten sind Ölsäure, verschiedene Formen des Vitamins D und ein aus Knorpelgewebe gewonnenes Chondroitinsulfat. In der Alternativmedizin wird die Emulsion für experimentelle Immuntherapie gegen Krebs eingesetzt. Die tatsächliche Wirkung des Mittels ist umstritten.

Umstrittene Produkte im Onlineshop

Der Kaufmann bietet in seinem Online-Shop auch Algenöle, Eiweißpräparate und Joghurtpulver zur Verbesserung der Proteinversorgung und der Darmflora an. Außerdem preise er dort die umstrittene "ketogene" Ernährung an,bei der Krebspatienten auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Zucker, Brot, Reis und Nudeln verzichten sollen.

Ein Jahr seiner Haftzeit verbüßte der Heilpraktiker schon in der Untersuchungshaft. Auch gegen seine Ehefrau wird ermittelt, sie muss sich in einem gesonderten Verfahren auch vor Gericht verantworten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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