Nürnberg
Gänsekot am Wöhrder See

Nürnberg: Gänsekot am Wöhrder See - Bürgermeister Vogel will Wildgänse abschießen

Nürnberg sagt Schnattertieren den Kampf an: Bürgermeister Christian Vogel (SPD) will jetzt mit der Jagdflinte gegen Gänsekot am Wöhrder See in Nürnberg vorgehen
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Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel (SPD) will radikale Schritt am Wöhrder See einleiten. Im Kampf gegen Gänsekot soll das Jagdgewehr zum Einsatz kommen. Foto: Nikolas Pelke
Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel (SPD) will radikale Schritt am Wöhrder See einleiten. Im Kampf gegen Gänsekot soll das Jagdgewehr zum Einsatz kommen. Foto: Nikolas Pelke
Für mehr Sauberkeit am Wöhrder See setzt Bürgermeister Christian Vogel (SPD) nun auf drastische Mittel. Im Kampf gegen den Gänsekot soll in Nürnberg jetzt das Jagdgewehr zum Einsatz kommen. Nicht nur der Nürnberger Tierschutzverein hält den Abschuss der Wildgänse an den Stränden des beliebten Naherholungsgebietes für keine gute Idee. Auch die Stadtjäger glauben offensichtlich nicht an den Erfolg der Schießerlaubnis.

Ein neues Rezept zur Gänsezubereitung wird derzeit in Nürnberg gesucht. Neben der bekannten Weihnachtsgans landet in Nürnberg wohl schon bald die Sommergans auf dem Tisch. Hintergrund ist die geplante Jagdfreigabe der Stadt. Das Federvieh soll rund um den Wöhrder See von Waidmännern mit dem Gewehr erlegt werden dürfen.


Radikaler Schritt: Schnattertiere vor die Schrotflinte

Damit will Bürgermeister Christian Vogel (SPD) die beliebten Strände des runderneuerten Stausees im Herzen der Stadt sauber halten. Das Wohl der Menschen sei ihm wichtiger als das Wohl der Tiere, begründete Vogel den radikalen Schritt der Stadt zur Reinhaltung der Uferbereiche. Gleichzeitig machte Vogel deutlich, dass nicht alle Gänse von den Waidmännern abgeschossen werden sollen. Nur ein paar Schnattertiere sollen die Schrotflinte zu spüren bekommen. Die Stadt setzt darauf, dass sich die Schussfreigabe bei den schlauen Tieren schnell herumspricht.
Doch selbst die städtischen Jäger sind skeptisch, ob der Plan mit der Flinte am Ende aufgeht. "Die Vermehrungsrate bei den Gänsen ist einfach sehr hoch", sagt Roger Ingenthron, der bei den Nürnberger Jägern für den Naturschutz zuständig ist. Mit der Waffe könne man die Tiere daher nur kurzzeitig vertreiben. In der freien Wildbahn würde sich schnell ein neuer Schwarm finden, der die saftigen Wiesen am Wöhrder See ansteuern würde. Für den langfristigen Erfolg der Vergrämung sei daher entscheidend, dass die Gänse von den Strandbesuchern nicht mehr gefüttert werden.
Ins gleiche Jagdhorn bläst der Tierschutzverein. Anstatt sofort zu drastischen Maßnahmen wie dem Abschuss zu greifen, sei von der Stadt noch nicht mal versucht worden, das Fütterungsverbot streng zu kontrollieren, ist sich der Vorstand des Tierschutzvereins, Marcus König, sicher. "Hier macht der Bürgermeister Vogel seinem Namen nicht alle Ehre. Die vermeintlich schnelle Lösung ist die schlechteste Lösung!", kritisiert Marcus König, der gleichzeitig die CSU-Fraktion im Nürnberg Stadtrat anführt.


8000 Menschen gegen Jagdfreigabe

Derweil sorgt das Thema besonders im Internet für Aufregung. Eine Online-Petition fordert die Stadt dazu auf, die Entscheidung zur Jagdfreigabe zu überdenken. Unter der Überschrift "Keine Erschießung der Wildgänse am Wöhrder See" haben schon über 8.000 Menschen die Internet-Petition unterschrieben. Für die Initiatorin der Online-Abstimmung würde "ohne die schönen und friedlichen Tiere" an den Ufern des Stausees einfach etwas fehlen.

Fraglich ist freilich, ob sich die Stadt von den Tierfreunden noch einmal umstimmen lassen wird. Schließlich dürfte man sich die Entscheidung im Rathaus nicht leicht gemacht haben. Seit Jahren sorgt der Gänsekot am Wöhrder See bereits für Ärger. Im Jahr 2014 ist Nürnberg den tierischen Hinterlassenschaften noch mit Humor begegnet. Unter der Überschrift "Wir schaffen Platz für alle - ,Gans` sicher!" hatte die Stadt vor vier Jahren noch für einen gemeinsamen Lebensraum rund um den runderneuerten Stausee plädiert. Mit Baumstämmen und Zäunen in verschiedenen Uferbereichen wurde versucht, die Gänse vom Sandstrand fern zu halten. Außerdem wurde ein "Wildtiermanagement" entwickelt, das ein friedliches Miteinander ermöglichen sollte. Mit der Freigabe zum Abschuss der Wildgänse muss sich die Stadt nun wohl eingestehen, dass alle sanften Maßnahmen für die Katz gewesen sind.


Hintergrund: Wildgänse sollen verschwinden

Problem: Gänse lieben offene Flächen wie die Strände am Wöhrder See. Auf den angrenzenden Wiesen können die Tiere weiden und Feinde rechtzeitig erkennen.

Reinigung: Bis zu fünf Mal in der Woche reinigt die Stadt die Strände rund um de Stausee. Dreimal jährlich würde der Sand an der Strandpromenade laut Stadt sogar aufwendig gesiebt und tiefgründig gereinigt. Für den Menschen ist der Gänsekot laut Stadt mit Verweis auf aktuelle Untersuchungen nicht gesundheitsgefährdend.

Vertreibung: Mit einem Wildtiermanagement wurde versucht, die Wildgänse mit natürlichen Barrieren vom Uferbereich fern zu halten. Nun will die Stadt die Tiere teilweise zum Abschuss freigeben.


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