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Nürnberg: Rätsel um die Fliegerbombe im Wöhrder See - es gibt zwei Theorien

Nach dem Fliegerbomben-Fund im Wöhrder See rätseln Experten, wie der Sprengkörper in dem Gewässer gelandet ist. Denn der Wöhrder See wurde lange nach dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt. Dazu gibt es nun zwei Theorien.
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Mysteriöser Bombenfund in Nürnberg: Im Wöhrder See war Ende Juli 2019 eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden, der Stausee war aber Jahrzehnte nach dem Krieg fertiggestellt worden. Foto: Niklolas Pelke
Mysteriöser Bombenfund in Nürnberg: Im Wöhrder See war Ende Juli 2019 eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden, der Stausee war aber Jahrzehnte nach dem Krieg fertiggestellt worden. Foto: Niklolas Pelke

  • Seit dem Fund einer Fliegerbombe im Wöhrder See Ende Juli 2019 rätseln Wissenschaftler, wie der Sprengkörper in dem See gelandet ist
  • Der Stausee in Nürnberg wurde 36 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fertiggestellt
  • Zwei Theorien erklären, wie die schwere Fliegerbombe dort gelangt sein könnte

Eine gute Erklärung hat Ulrich Fitzthum immer noch nicht gefunden: "Wir rätseln noch immer darüber, wie die Fliegerbombe, die am 29. Juli 2019 in Nürnberg entdeckt worden war, überhaupt in den Wöhrder See gelangen konnte", sagt Fitzthum, Leiter des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg, inFranken.de. Besonders der Fundort stellt den Experten vor ein großes Rätsel.

Wöhrder See: Bombe lag in einer Tiefe von nur zwei Metern

Die Bombe sei nicht in großer Tiefe, sondern in der Schlammschicht zwei Meter unter der Wasseroberfläche gefunden worden. Ursprünglich habe die Tiefe des Sees bis zu drei Meter betragen. Heute seien es an vielen Stellen oft nur noch 50 Zentimeter. Die Bombe habe aber in einer Tiefe von "nur" zwei Metern gelegen. Diese Schicht bestehe aus dem abgelagerten Schlamm aus den letzten Jahrzehnten.

"Der Stausee wurde erst 1981 und damit viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fertig", sagt Fitzthum und erklärt, dass die Bauarbeiter eigentlich schon beim Bau des Stausees auf die Fliegerbombe hätten stoßen müssen. Die Bombe könne daher eigentlich nur nachträglich in den See gelangt sein. Die Frage ist nur wie?

Erste Erklärung zum mysteriösen Bomben-Fund: "Hochwasser-Theorie"

Zur Erklärung des rätselhaften Bombenfundes präsentiert Ulrich Fitzthum zwei Theorien. "Die eine ist wie die andere nur schwer zu glauben", erklärt Fitzthum warnend vorneweg.

Die erste Erklärung ist die "Hochwasser-Theorie". Demnach sei die Bombe im Zweiten Weltkrieg im oberen Pegnitztal nördlich von Nürnberg gelandet und im weichen Auenboden nicht explodiert. Danach hätten die jährlichen Hochwasser die Bombe wie einen kleinen Kieselstein "Stück für Stück" flussabwärts in den 1968 begonnenen und 1981 fertiggestellten Stausee befördert. Einen Haken gibt es an dieser Hochwasser-Theorie: "Die Bombe hätte auch das Wehr an der Flußstraße passieren müssen."

Experten halten das für unwahrscheinlich. Selbst wenn die Pegnitz bei Hochwasser große Mengen an Sand und Schlamm transportiert. Denn aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit - die Pegnitz ist kein reißender Alpenstrom - hätten sich zwischenzeitlich rund 300.000 Kubikmeter dieser Sedimente auf dem Seeboden abgelagert. Genau dieser Schlamm muss derzeit aufwendig auf dem Stausee befördert werden, um die Wasserqualität zu erhöhen.

Zweite Theorie um Fliegerbombe: "Vibrations-Theorie"

Die zweite Erklärung, die "Vibrations-Theorie", klingt fast noch fantastischer. Demnach wäre die Bombe über dem Gebiet des heutigen Stausees in der Nähe des Fundortes abgeworfen worden. Durch Vibrationen im Boden soll die Bombe im Laufe des Jahrzehnte durch das Erdreich von unten nach oben gewandert seien.

Dafür hätte die Bombe nicht nur die Schwerkraft überwinden müssen. Außerdem fragt sich Fitzthum, wo es dort Vibrationen in ausreichendem Umfang gegeben haben könnte, die eine Bombe an die Oberfläche wandern lassen würde? Ulrich Fitzthum gibt zu, dass das "Bomben-Rätsel" vorerst wohl ungelöst bleiben muss. "Wir wissen einfach nicht, wie die Bombe dorthin gelangt ist."

Kampfmittelexperte immer bei Arbeiten am Wöhrder See dabei

Stattdessen müssen die Arbeiten am Oberer Wöhrder See weitergehen. Und zwar aus Angst vor weiteren unliebsamen Entdeckungen im Schlammsediment mit höchster Vorsicht und Konzentration. Bei den Baggerarbeiten sei laut Fitzthum immer ein Kampfmittelexperte vor Ort.

Im Vorfeld der Arbeiten seien haargenaue Karten mit möglichen Fundstellen angefertigt worden. Damit die Bauarbeiter auf dem See nicht die Orientierung verlieren, sei immer ein GPS-Gerät an Bord des Schwimmbaggers dabei. Bei heiklen Verdachtspunkten würde besonders vorsichtig gearbeitet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Nürnberg häufig angegriffen: Über diesen Orten wurden die meisten Bomben abgeworfen.

Bisher keine weiteren Sprengkörper gefunden

Nach dem Bombenfund vor sechs Wochen hätte die Bauarbeiter zwischenzeitlich mit ihrem Schwimmkran und den Schlamm-Schuten schon weitere Verdachtspunkte passiert. "Bislang sind wir von weiteren Bombenfunden verschont geblieben", freut sich Fitzthum. Die Arbeiten würden gut voran gehen. Rund 900 Kubikmeter des Schlamms schaffe man pro Tag aus dem See. Das entspreche einer Schlammmenge von zehn Transportschuten.

Der Wöhrder See soll zu einem "Naturparadies mitten in Nürnberg" werden: Das ist alles geplant.

Im Video: Fliegerbombe im Juli 2019 im Wöhrder See gefunden

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