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Röthenbach an der Pegnitz
Drohschreiben

Drohbriefe an islamische Gemeinde in Röthenbach: Bewohner zeigen Solidarität mit Postkarten

Röthenbach zeigt Solidarität mit der islamischen Gemeinde. Zuvor war dort ein Drohbrief eingegangen. Eine geplante Kundgebung musste wegen des Coronavirus abgesagt werden, die Einwohner haben aber eine neue Möglichkeit des Beistands gefunden.
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Die Einwohner von Röthenbach zeigen Solidarität mit der muslimischen Gemeinde: Wegen des Coronavirus fand zwar keine Kundgebung statt, allerdings haben sie neue Wege gefunden, um ihren Beistand zu bekunden. Foto: Schmidsi / pixabay
Die Einwohner von Röthenbach zeigen Solidarität mit der muslimischen Gemeinde: Wegen des Coronavirus fand zwar keine Kundgebung statt, allerdings haben sie neue Wege gefunden, um ihren Beistand zu bekunden. Foto: Schmidsi / pixabay
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Update 26.03.2020, 13.17 Uhr: Einwohner starten Postkartenaktion

Mit einer Postkartenaktion zeigen die Einwohner von Röthenbach bei Nürnberg Solidarität mit der Moschee-Gemeinde des Ortes. Initiiert wurde das Ganze von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde. Einwohner sollen persönliche Grüße und Erklärungen auf Postkarten schreiben, die dann der muslimischen Gemeinde zukommen. Das berichtet der epd.

Ursprünglich war für den 13. März eine Solidaritätskundgebung geplant, diese musste aber wegen des Coronavirus ausfallen. Der türkisch-islamische Verein nimmt die Postkarten entgegen und hängt sie in seiner großen Halle auf. Die Postkarten seien ein Zeichen, dass wir gemeinsam für die Moscheegemeinde einstehen, erklärt Alexander Mielke, evangelischer Pfarrer in Röthenbach dem epd. "Der Hass- und Drohbotschaft setzen wir eine positive Botschaft entgegen".

Update 20.03.2020, 15.20 Uhr: Beweismaterial in Wohnung der Tatverdächtigen festgestellt

Die Polizei hat weitere Informationen zur ermittelten Tatverdächtigen mitgeteilt. Demnach fanden die Ermittler in der Wohnung der 55-jährigen Verdächtigen aus dem Landkreis Nürnberg eine Vielzhal an Beweisen, unter anderem eine Schablone und diverse Glückwunschkarten, ähnlich wie die der zuvor versandten Drohschreiben. Außerdem fanden die Ermittler umfassendes Beweismaterial, das auf eine rechtsgerichtete Gesinnung hinweist. Die Polizei geht von einer politisch rechts motivierten Tat aus. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Update 20.03.2020, 11.15 Uhr: Eine Tatverdächtige ermittelt

Die Polizei hat eine dringende Tatverdächtige in dem Fall ermittelt. Sie steht unter dem Verdacht, mehrere Drohbriefe verfasst zu haben. Betroffen waren eine Moscheegemeinde in Röthenbach, zwei Kommunalpolitiker aus dem Nürnberger Land und eine weitere soziale Einrichtung.

Update 11.03.2020, 13.01 Uhr: Auch Politiker von Drohungen betroffen - Polizei richtet Sonderkommission ein

Bereits Anfang Dezember 2019 hat ein Unbekannter mehrere Drohschreiben verschickt, teils mit Patronen. Neben einer Moschee-Gemeinde in Röthenbach sind auch zwei Kommunalpolitiker betroffen.

Die Schwabacher Kripo hat mittlerweile eine Sonderkommission mit dem Namen "Karte" eingerichtet. Zuvor war eine Moschee-Gemeinde in Röthenbach bedroht worden. In dem Brief stand: "Ihr werdet niemals sicher sein". Beigelegt war scharfe Munition. Auch zwei Kommunalpolitiker sind offenbar betroffen und haben entsprechende Drohschreiben erhalten.

Die Ermittler wenden sich jetzt an die Bevölkerung, um nähere Hinweise zu bekommen:

  • Wo werden beziehungsweise wurden die abgebildeten Grußkarten insbesondere im Nürnberger Land verkauft?
  • Gibt es Hinweise auf Personen, die derartige Karten eventuell in einer größeren Menge gekauft haben?
  • Haben Personen verdächtige Wahrnehmungen im Zusammenhang mit den abgebildeten Grußkarten gemacht?

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0911 2112-3333 oder bei jeder Polizeidienststelle entgegen.

Moschee-Gemeinde in Röthenbach erhält Drohbrief: "Ihr werdet niemals sicher sein"

Drohbriefe an muslimische Gemeinde im Nürnberger Land: An die Moschee in Röthenbach wurde am Donnerstag (05.03.2020) eine Morddrohung per Post, inklusive einer Patronenhülse, verschickt. Die Gemeinde nimmt den Vorfall sehr ernst - insbesondere nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau.

Es sei die erste Morddrohung gegen die Gemeinde, sagt Bülent Bayraktar, Vorstand der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg (TGMN) gegenüber inFranken.de. Am Donnerstag erhielt die Moschee in Röthenbach den Brief. Inhalt waren eine Patronenhülse, eine Postkarte mit einem Schweinskopf darauf und der Beschriftung: "Ihr werdet niemals sicher sein". Zuvor sei es immer wieder zu Provokationen in der Metropolregion gekommen, allerdings nie zu konkreten Drohungen, berichtet Bülent Bayraktar.

Nach Morddrohung: Polizeischutz für islamische Gemeinde

Gegen 11 Uhr sei der Brief bei der Moschee eingegangen, erklärt Recep Calik, Vorstandsvorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde "Ditib" in Röthenbach. Der Hausmeister habe den Brief entgegengenommen und ungeöffnet ins Büro gelegt.

"Gegen 17 Uhr haben wir dann erkannt, um was es sich da handelt". Er selbst war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Büro, bekam aber ein Bild von seinen Kollegen zugeschickt. Dieser hat dann umgehend die Polizei informiert. "Ich habe ihm geraten, nichts mehr anzufassen. Die Polizei hat nach dem Telefonat umgehend Polizeischutz geschickt", erklärt Calik.

Drohbrief wird publik gemacht - um zu sensibilisieren

"Der erste Schritt war, den Fall publik zu machen", erklärt Bülent Bayraktar von der TGMN. Er sei in zahlreichen Gesprächen mit verschiedenen Behörden und dem Bürgermeister. "Wir müssen ein Zeichen setzen, dass Rassismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat", so Bülent Bayraktar. "Wir müssen die Öffentlichkeit sensibilisieren. Wir brauchen den Aufschrei aus der Mitte der Gesellschaft."

Kurz nach Hanau: Brief ist eine besonders ernste Bedrohung

Nur wenige Tage nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau ist dieser Brief eine besonders ernstzunehmende Bedrohung: "Leider folgen Worten oft Taten - wie in Hanau", klagt Bayraktar. Die islamische Gemeinde in Röthenbach umfasst rund 450 Mitglieder, das seien rund 10 Prozent der Einwohner. Die Sicherheitsmaßnahmen seien bereits erhöht worden, erklärt er. Auch Ministerpräsident Söder und Innenminister Herrmann seien schon über den Fall informiert worden.

Röthenbacher Bürgermeister bezieht klar Stellung

Besonders dankbar sei man, dass sich der Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker "so früh so klar positioniert hat". Er veröffentlichte ein Statement auf seiner Facebookseite: "Röthenbach ist bunt, offen, transparent, demokratisch. [...] Jetzt gilt mehr als bisher: für ein friedliches Miteinander in einer offenen Gesellschaft".

Gegenüber inFranken.de erklärt er, wie das Miteinander funktioniert: "Wir haben seit über 50 Jahren ein gutes Zusammenleben". Die muslimische Gemeinde sei fester Bestandteil des Alltags in Röthenbach. Deshalb wird auch eine Solidaritätsveranstaltung stattfinden. Am Mittwoch um 17.00 Uhr soll es eine Kundgebung geben.

Polizei bestätigt verschärfte Maßnahmen: Präsenz vor Ort wird erhöht

Ein Sprecher der Polizei bestätigte verschärfte Maßnahmen: "Bereits nach dem Anschlag in Hanau wurde die Polizeipräsenz erhöht". Bei der aktuellen Lage in Röthenbach ist zu bestimmten Zeiten auch Polizei vor Ort. So sei das Freitagsgebet durch die Beamten begleitet worden.

Zusammenhänge werden geprüft: Staatsschutz ermittelt

Von einer Häufung dieser Vorfälle könne man allerdings noch nicht sprechen, Zusammenhänge mit anderen Drohbriefen werden noch geprüft. Das Verfahren wurde schon am Donnerstag eingeleitet, auch der Staatsschutz ermittelt. Der Brief werde aktuell auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke geprüft, so der Polizeisprecher. "Es handelt sich hierbei nicht um einen üblen Scherz. Die Lage ist ernst", erklärt der Beamte. Außerdem sei die Patrone echt, weswegen aktuell auch geprüft wird, wer überhaupt in Besitz einer solchen Munition sein dürfe.

Vorstandsvorsitzender will sich nicht einschüchtern lassen: "Wir werden weitermachen wie gewohnt"

Auch der Vorstandsvorsitzende der Islamisch-Türkischen Gemeinde "Ditib" Calik berichtet von erhöhter Präsenz der Polizei. Das Freitagsgebet wurde von vier Polizisten begleitet. Insgesamt hätten mehr Leute als sonst teilgenommen. Auch tagsüber würden regelmäßig Streifenwagen an der Moschee vorbeifahren. Angst hat Calik nicht: "Uns ist mulmig. Wir wissen, dass die uns einschüchtern wollen, aber das lassen wir nicht zu. Wir werden weitermachen wie gewohnt".

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