Nürnberg
Lochgefängnisse

Nürnberg-Besucher müssen sich wegen Knast-Gestank übergeben - Ursache jetzt gefunden

In den Lochgefängnissen hat es gewaltig gestunken. Besucher mussten sich übergeben, Rundgänge wurden abgebrochen. Jetzt wurde die übelriechenden Ursache gefunden. Am Wochenende kann das Stadtgefängnis wieder erkundet werden.
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Die Nürnberger Lochgefängnisse mussten vorübergehend geschlossen werden. Einige Besucher mussten sich aufgrund des bestialischen Gestanks sogar übergeben. Foto: Nikolas Pelke
Die Nürnberger Lochgefängnisse mussten vorübergehend geschlossen werden. Einige Besucher mussten sich aufgrund des bestialischen Gestanks sogar übergeben. Foto: Nikolas Pelke

Die Nürnberger Lochgefängnisse sind bei Touristen der Renner. Besonders in den heißen Sommermonaten flüchten sich viele Nürnberg-Besucher in die schattigen Katakomben des Rathauses. Doch kürzlich hat der beliebte Folter-Keller vorübergehend geschlossen werden müssen.

Die Besucher sind am Eingang mit einem entsprechenden Hinweisschild auf unbestimmte Zeit vertröstet worden. Der offizielle Grund lautete Baumaßnahmen. Der echte Grund ist der Gestank gewesen, der eine Besichtigungstour durch die gruseligen Räumlichkeiten unmöglich gemacht hat.

Besucher müssen sich übergeben - wegen bestialischem Gestank

"Hier stinkt es seit zehn Tagen", erklärte ein Museumsführer. Zunächst habe man versucht, Besuchergruppen trotz des bestialischen Gestankes durch die Lochgefängnissezu führen. Mit unangenehmen Folgen: Ein paar Mal hätten die Führungen durch die dunklen Höllenverliese unterbrochen werden müssen. Ein paar Besucher hätten sich sogar aufgrund des Latrinengestankes an Ort und Stelle übergeben müssen.

Daraufhin sind die Lochgefängnisse vorübergehend geschlossen worden. Die Zwangspause haben die Museen der Stadt Nürnberg dafür genutzt, die Ursache des Gestankes zu finden. "Die Ursache hat in der Rathaus-Kanalisation gelegen. Jetzt sind die Lochgefängnisse wieder für das Publikum geöffnet", sagt Johannes Dornisch von den städtischen Museen am Freitag inFranken.de.

Seit dem 14. Jahrhundert: Untersuchung und Verwahrung von Häftlingen im Lochgefängnis

Wer keine empfindliche Nase hat, den dürften die stinkenden Gefängnisse besonders gut in die quälende Vergangenheit zurückversetzt haben. Die Lochgefängnisse in den Kellergewölben des Rathauses dienten seit dem 14. Jahrhundert zur Untersuchung und Verwahrung von Häftlingen bis zur Urteilsvollstreckung. Zwölf kleine Zellen und eine Folterkammer vermitteln ein bedrückendes Bild damaliger Gerichtsbarkeit.

Neuer Besucherrundgang: Medienguide führt durch mittelalterliche Räume

Die Renovierung der Ehrenhalle des Alten Rathauses haben die städtischen Museen vor gut einem Jahr dazu genutzt, den Besucherrundgang durch die Lochgefängnisse vollständig neu zu überarbeiten. Seit September 2018 führt ein neuer Medienguide durch die mittelalterlichen Räume und berichtet in verschiedenen Sprachen anschaulich von früheren Zeiten. Mithilfe des neuen Medienguides erfahren die Besucher beispielsweise, dass die Nürnberger Bäcker hier einst nach dem Motto "Alles unter einem Dach!" ihre Waren feilboten. Auf diese Weise hatte die Obrigkeit leichtes Spiel, schummelnden Bäckern das Handwerk zu legen.

Von 1332 bis 1340 wurde das Brothaus zum Rathaus umgebaut. Die schlauen Nürnberger haben dazu einfach das Gelände rundherum aufgeschüttet. Das Erdgeschoss wurde zum Keller, die ehemaligen Brotläden zum Gefängnis.

Untersuchungsknast oder Todeszelle: Insassen mussten hier nicht lange verweilen

Und wozu diente der Brunnen in der Mitte des ersten Raumes? Der versorgte die Häftlinge und das Personal des im Volksmund nur als "Loch" bezeichneten Knastes mit frischem Wasser. Im "Loch" selbst musste man freilich keine langen Haftstrafen absitzen. Das historische Gefängnis diente "nur" als Untersuchungsknast oder Todeszelle. Auf welchem Weg auch immer - lange aufhalten mussten sich die Loch-Insassen im Rathaus-Verlies also nicht. Normale Haftstrafen saßen die Verurteilten in den Kerkern verschiedener Türme der Stadt ab.

Spendenbox in der ehemaligen Teeküche: Rundgang ist noch kostenlos

In dem letzten Raum des Kellers hatte der "Lochhüter" seine Teeküche. Hier konnte der Gefängnisdirektor vielleicht bei einer guten Bratwurst seine Beine hochlegen. Heute steht in der Lochkammer eine Spendenbox für die Besucher. Denn momentan ist der Rundgang durch die Lochgefängnisse kostenlos, weil der Museumsguide noch ein paar Kinderkrankheiten aufweist.

Spendenbox verschwindet: So viel zahlen reguläre Besucher

Schon bald soll die Spendenbox verschwinden. Dann müssen die Besucher wieder den normalen Eintritt in Höhe von vier Euro (ermäßigt 1,50 Euro) für den gruseligen Rundgang berappen. Für Einzelbesucher finden täglich um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr etwa 30-minütige Führungen mit dem neuen Medienguide durch eines der größten erhaltenen Stadtgefängnisse des Mittelalters statt. Der Medienguide ist verfügbar in folgenden Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch sowie in Leichter Sprache.

Geführte Touren: Auch ein persönlicher Rundgang ist möglich

Wer es lieber persönlich mag, dürften den Rundgang unter dem Titel "Für Recht und Ordnung" vorziehen, der am 13. Juli um 14.30 Uhr stattfindet. Die Teilnehmer dieser geführten Tour erhalten vertiefte Einblicke in das Rechtswesen der alten Reichsstadt. Darin können die Besucher mit eigenen Augen sehen, wie Untersuchungshäftlinge und zum Tode Verurteilte inhaftiert waren. Besucher erfahren bei diesem Rundgang auch, was es mit einer "peinlichen Befragung" auf sich hatten. Besucher sollten in jedem Fall beachten, dass das "Nürnberger Loch" aufgrund der historischen Bauweise leider nicht barrierefrei ist. Zudem wird von Besuchen durch Kinder unter zehn Jahren abgeraten.

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