Nürnberg
Messerattacken

"Gewissen erleichtern": Nürnberger Messerstecher spricht über Attacken auf Frauen

Im Dezember 2018 wurden im mittelfränkischen Nürnberg drei Frauen niedergestochen. Die Ermittler nahmen wenige Tage später einen 38-Jährigen fest. Der Mann hat nun ein Geständnis abgelegt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt.
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  • Am 13. Dezember wurden im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen niedergestochen.
  • Die Behörden nahmen schließlich einen 38-Jährigen fest.
  • Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann nun gestanden, die Frauen angegriffen zu haben.

Update vom 13.02.2019: Messerstecher von St. Johannis gesteht Messerangriffe in Nürnberg

Messerattacken in St.Johannis - Hauptverdächtiger mit Geständnis: Im Dezember 2018 wurden im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen niedergestochen. Mitte Dezember nahmen die Behörden schließlich einen Tatverdächtigen fest. Wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegenüber inFranken.de bestätigte, hat der 38-jährige Mann "mittlerweile gestanden". Der Staatsanwaltschaft zufolge, habe er sein Gewissen erleichtern wollen und um eine Vernehmung durch die Ermittler gebeten.

Zum Motiv der Tat konnte der 38-Jährige keine Angaben machen: Laut Staatsanwaltschaft hat er ausgesagt, dass er sich die Taten nicht erklären könne. Seine drei Opfer habe er sich nicht gezielt ausgesucht.

Die Ermittlungen der Behörden dauern weiterhin an. Beispielsweise müsse nun die Motivlage verifiziert werden. Zudem werde weiterhin versucht den Tagesablauf am 13. Dezember 2018 zu rekonstruieren. Laut Staatsanwaltschaft wurde ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Wie die Deutsche-Presse-Agentur berichtet, habe sich der Tatverdacht unter anderem durch DNA-Spuren eines Opfers am Tatmesser, bestätigt.

Der 38-Jährige bleibt weiterhin in Untersuchungshaft.

Update vom 11.01.2019: Polizei befragt die Anwohner in St- Johannis in Nürnberg erneut

Nach der Messerattacke von Nürnberg Mitte Dezember hat die Polizei erneut Anwohner rund um die Tatorte befragt. "Wir suchen Zeugen, die sachdienliche Angaben machen können", erklärte am Freitag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Antje Gabriels-Gorsolke. Die Befragungen hätten am Vorabend stattgefunden, weil sich auch die Tat an einem Donnerstagabend ereignet hatte. Der Grund: Es könne ja sein, dass zum Beispiel ein Bewohner jeden Donnerstagabend zum Sport gehe und auf dem Weg dorthin den mutmaßlichen Täter gesehen habe, sagte die Sprecherin. Das berichtet die Deutsche Presseagentur.

Der 38-jährige Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft und macht laut Gabriels-Gorsolke weiter keine Angaben zu den Attacken vom 13. Dezember. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken erklärte, es gehe bei den Befragungen auch darum, ein Bewegungsprofil des Tatverdächtigen zu erstellen und zu ermitteln, ob er schon vor den Angriffen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis gesehen worden war.

Update 3. Januar 2019: Alle Frauen aus Krankenhaus entlassen - wie geht es ihnen?

Auf Anfrage von inFranken.de bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, dass mittlerweile alle beteiligten Frauen das Krankenhaus verlassen konnten. Aus Gründen des Opferschutzes machte die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben hierzu. Wie lange die Frauen behandelt wurden, wie es den Beteiligten im Moment gesundheitlich geht und ob in Zukunft erneute Behandlungen notwendig sind, ist somit unklar.

Update 20. Dezember 2018: Haftbefehl gegen Tatverdächtigen erlassen - was war das Motiv der Messerattacken?

Ein Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg hat am Donnerstag gegen den mutmaßlichen Täter der Messerattacken im Nürnberger Stadtteil St. Johannis Haftbefehl wegen dringenden Verdachts des versuchten Mordes in drei Fällen erlassen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Donnerstag mit.

Der Beschuldigte macht weiterhin keine Angaben zur Sache, hieß es weiter. Der 38-Jährige ist dringend verdächtig, am Abend des 13.12.2018 drei Frauen unvermittelt mit einem Messer angegriffen und verletzt zu haben. Er wurde am darauffolgenden Vormittag vorläufig festgenommen und befand sich seit 15.12.2018 in Untersuchungshaft wegen eines kurz zuvor begangenen Diebstahls mit Waffen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat ein Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg am Mittwoch einen neuen Haftbefehl erlassen, in dem dem Beschuldigten neben dem Diebstahl mit Waffen auch versuchter Mord in drei Fällen, jeweils mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt wird. Der neue Haftbefehl wurde dem Beschuldigten am heutigen Donnerstag eröffnet.

Er habe nochmals Gelegenheit dazu erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äußern, machte aber wie bisher von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Ein Tatmotiv ist weiterhin nicht erkennbar.

Update 20.12.2018, 11 Uhr: Ist der Verdächtige auch für Überfall in München verantwortlich?

Die Soko "Johannis" der Nürnberger Kripo prüft nun, ob der 38-Jähriger, der im Verdacht steht, in Nürnberg drei Frauen niedergestochen zu haben, auch für ähnliche Fälle in Frage kommt. So wurde im November eine junge Frau in München mit einem Messer schwer verletzt worden. Gegenüber der Zeitung TZ wollte ein Polizeisprecher einen entsprechenden Verdacht nicht bestätigen. Es würden aber DNA-Spuren verglichen.

Die Beschreibung des Täters, der am 27. November in München eine junge Frau überfallen hat, passt jedenfalls auch auf Daniel G., den Verdächtigen in den Nürnberger Messerangriffen.

Update vom 17.12.2018 um 11:55 Uhr: Suche nach Frau mit Hund

Ein 38-jähriger Mann wurde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth aufgrund eines erfolgten DNA-Abgleichs als dringend tatverdächtig festgenommen. Er sitzt seit Samstag, 15.12.2018, in Untersuchungshaft.

Im Zuge der Ermittlungen sucht die eigens gegründete Sonderkommission "Johannis" eine bislang unbekannte Frau, die am 13.12.2018 gegen 22:00 Uhr mit einem Hund in der Rückertstraße in Nürnberg unterwegs war.

Nach derzeitigen Erkenntnissen könnte es sich bei der Frau um eine wichtige Zeugin handeln. Sie wird gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter der Telefonnummer 0911/

2112-3333 zu melden.

Update vom 17.12.2018 um 10:03 Uhr: Polizei bedankt sich bei Bevölkerung

Mit einem Facebook-Post bedankt sich die Polizei Mittelfranken für die Dankbarkeit, die den Beamten bezüglich der Festnahme des Tatverdächtigen auf sämtlichen Kanälen entgegen gebracht wurde. Besonders berührt hatte die Beamten ein selbstgemaltes Bild eines kleinen Jungen, mit welchem sich das Kind bei der Polizei bedankte.

Sichtlich verärgert hingegen zeigt sich die Polizei Mittelfranken über "Hasskommentare, krude Thesen und Verschwörungstheorien", die die Beamten erreichten. Solche Äußerungen seien nach Ansicht der Polizisten nicht zielführend.

Update vom 16.12.2018 um 19:23 Uhr: Das wissen wir über den Täter

Zunächst war unklar: War es ein und derselbe Täter? Welchen Hintergrund hatte die Tat? Wie erst jetzt bekannt wurde, wurde der mutmaßliche Täter bereits am Freitagmorgen festgenommen. Zunächst hatte es geheißen, der Mann sei am Samstagnachmittag verhaftet worden.

Der gefasste Tatverdächtige hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das teilte die Polizei am Sonntag mit. Er habe bei seiner Festnahme, die bereits am Freitagmorgen ganz in der Nähe der Tatorte erfolgt sei, ein Messer bei sich gehabt, für das er keine schlüssige Erklärung gehabt habe.

Der Verdächtige sei zunächst wegen eines Eigentumsdelikts, das er rund zwei Stunden vor der ersten Messerattacke verübt haben soll, in Untersuchungshaft genommen worden. Auf ihn passten die Beschreibungen der Opfer. Am Samstagabend habe sich dann der dringende Tatverdacht erhärtet, als das Ergebnis eines DNA-Vergleichs übermittelt worden sei: Sowohl an diesem als auch an der Kleidung des Mannes konnte DNA der Opfer gefunden werden.

Polizei und Innenminister Herrmann äußern sich zur Tat: Die Pressekonferenz im Überblick

Am Sonntagmittag legten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und die Polizei in einer Pressekonferenz in Nürnberg ab 12.30 Uhr neue Fakten zum Fall und zum Tatverdächtigen vor.

Zu Beginn der Pressekonferenz äußert sich Joachim Herrmann (CSU) zum aktuellen Fall: Er zeigte sich zunächst entsetzt über die Tat. Dass der Täter so schnell habe gefasst werden können, sei ein großartiger Erfolg der Polizei und sehr wichtig für die Menschen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Es sei nicht auszudenken gewesen, wenn die Menschen die Weihnachtstage in Angst hätten leben müssen.

Herrmann hat nach der Festnahme das Vorgehen der Polizei gelobt. "Es war wichtig, dass gezielt die sichtbare Polizeipräsenz in der Stadt verstärkt wurde", sagte Herrmann am Sonntag in Nürnberg. "Man hat gespürt, wie viele Menschen Angst hatten, der Täter läuft immer noch frei herum." Die Ermittlung des mutmaßlichen Täters sei sehr wichtig gewesen, um den Menschen in der Stadt die Furcht vor weiteren Angriffen zu nehmen.

Herrmann zeigt sich zurückhaltend bei der Bewertung der Tat: Welche Konsequenzen aus der Tat auch für die Sicherheitspolitik gezogen werden können, muss in den nächsten Tagen und Wochen geklärt werden.

Täter ist 38-jähriger Deutscher aus Thüringen

Der Tatverdächtige ist ein 38-jähriger Deutscher, der keinen festen Wohnsitz hat und nur gelegentlich in Nürnberg verweilt. Gebürtig stammt der Mann aus Thüringen. Er war bereits 2005 und 2009 in der Region, aber nie langfristig. Die Hintergründe des Tatverdächtigen sollen nun weiter aufgeklärt werden.

Der Täter wurde bereits 18 mal verurteilt

Der Mann hat bereits viele Vorverurteilungen, davon auch eine 2005 in Nürnberg wegen Diebstahls. Insgesamt wurde er bereits 18 mal verurteilt - unter anderem wegen Raubdelikten. 2002 wurde er wegen einer Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr nach dem Jugendstrafgesetz verurteilt. Zuletzt wurde er 2018 wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilt. Die letzte Freiheitsstrafe musste er 2015 absitzen. Er sei allerdings nicht mehr auf Bewährung. Am Abend des 13. Dezembers 2018 habe er außerdem in Nürnberg einen Diebstahl verübt. Dabei habe er versucht, ein Messer zu stehlen. Dies sei jedoch nicht die spätere Tatwaffe gewesen.

Zum Zustand der Opfer könne man keine Angaben machen - die Verletzungen seien durch Stiche gegen den Oberkörper entstanden. Weitere Hintergründe zum Täter, zu seinem Motiv und dem Ablauf der Taten können erst später gegeben werden. Laut den Ermittlern könne dies viele Tag oder sogar Wochen dauern.

Innenminister Joachim Herrmann lobt die Arbeit der Polizei

Bei einer Pressekonferenz mit Mittelfrankens Polizeipräsidenten Roman Fertinger, dem Leitenden Kriminaldirektor Thilo Bachmann und der Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke, hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Nürnberger Polizei zum schnellen und erfolgreichen Fahndungserfolg nach den Messerattacken im Nürnberger Stadtteil Sankt Johannis gratuliert: "Es ist der hochprofessionellen und unermüdlichen Arbeit aller Einsatzkräfte der SOKO 'Johannis' zu verdanken, dass der Verdächtige bereits am zweiten Tag nach der abscheulichen Tat dingfest gemacht werden konnte und Nürnbergs Bürgerinnen und Bürger damit wieder aufatmen können."

Herrmann dankte auch für die hervorragende Zusammenarbeit der Bürgerinnen und Bürger mit der Polizei. Der Minister verurteilte die Tat auf Schärfste und schickte den drei zum Teil lebensbedrohlich verletzten Frauen beste Genesungswünsche: "Diese unmenschliche Tat lässt keinen Zweifel an Heimtücke und Unmenschlichkeit. Ich bin überaus erleichtert, dass alle drei Opfer außer Lebensgefahr sind und wünsche für ihre Genesung weiterhin alles erdenklich Gute."

In diesem Zusammenhang dankte Herrmann auch den eingesetzten Rettungskräften und den Ärzten in den betroffenen Kliniken, deren intensivem Einsatz das Überleben der schwerst verletzten Opfer zu verdanken ist.

Rückblick: Festnahme in Nürnberg

Am Samstagabend kam die erlösende Mitteilung, die Menschen im Nürnberger Viertel St. Johannis konnten aufatmen: Nach erfolgreicher Großfahndung konnte am Samstag ein dringend Tatverdächtiger im Fall der drei Messerattacken verhaftet werden: "Ein 38-jähriger Mann wurde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth aufgrund eines erfolgten DNA-Abgleichs als dringend tatverdächtig festgenommen", so das Polizeipräsidium Mittelfranken in seiner Pressemitteilung. Der Mann sitzt seit dem Nachmittag in Untersuchungshaft.

Laut dpa-Angaben handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Deutschen. Das Motiv ist aber unklar. Einzelheiten zu dem Fall will Innenminister Joachim Herrmann gemeinsam mit Polizeipräsident Roman Fertinger, dem Leitenden Kriminaldirektor Thilo Bachmann und der Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke am Sonntag um 12:30 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt geben.

rowa/dvd/tu/mit dpa

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