Nürnberg
Erneuerung

"Naturparadies mitten in Nürnberg": So lautet der Plan für den Wöhrder See

Nach dem Umbau des Unteren soll auch der Obere Wöhrder See für rund 15 Millionen Euro bis 2024 erneuert werden. Beim Ausbaggern von Schlamm ist am Montag ein Blindgänger gefunden worden. Jetzt arbeitet das Wasserwirtschaftsamt an einem "Bomben-Masterplan".
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Ministerpräsident Markus Söder ist offensichtlich stolz auf das neue Projekt in seiner Heimatstadt - 2024 soll die Fertigstellung erfolgen. Foto: Nikolas Pelke
Ministerpräsident Markus Söder ist offensichtlich stolz auf das neue Projekt in seiner Heimatstadt - 2024 soll die Fertigstellung erfolgen. Foto: Nikolas Pelke

Wer Visionen hat, soll bekanntlich zum Arzt gehen. Oder lässt sich nach getaner Arbeit wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für die Realisierung seiner Zukunftsträume feiern. Erst hat Söder den Unteren Wöhrder See in ein Freizeitparadies verwandelt. Jetzt nimmt er sich den Obersee vor. Den will der Ministerpräsident zu einem Öko-See wie aus dem Bilderbuch umgestalten. Mit dicken Fischen unter Wasser. Und einem hohen Aussichtsturm für zweibeinige Naturliebhaber.

15 Millionen Euro für Wasserbauprojekt - Fertigstellung 2024

Rund 15 Millionen Euro will Söder in das "mit Abstand größte ökologische Wasserbauprojekt in einer bayerischen Großstadt" in den nächsten sechs Jahren pumpen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2024 vorgesehen. "Die ökologische Umgestaltung des Oberen Wöhrder Sees ist der nächste Schritt auf dem Weg zum Naturparadies mitten in Nürnberg", freute sich Söder beim Startschuss für die Runderneuerung des Stausees am Freitag vor genau einer Woche.

Fliegerbombe im Wöhrder See gefunden - Gebiet musste evakuiert werden

Zunächst muss dafür der Schlamm aus dem See gebaggert werden. Am nächsten Werktag dann die große Hiobsbotschaft:beim Schlamm-Ausbaggern wird eine Fliegerbombe gefunden. Die 150-Kilogramm-Fliegerbombe wird auf eine schwimmende Arbeitsplattform im Wöhrder See gebracht. Rund um die Bombe muss ein Gebiet im Umkreis von rund 500 Metern evakuiert werden. Auch der bekannte "Business-Tower", Hauptsitz der Nürnberger Versicherung, ist von der Evakuierung betroffen. Insgesamt müssen rund 2.500 Anwohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Am späten Montagnachmittag kann die Stadt nach erfolgreicher Entschärfung schließlich Entwarnung geben.

Bombenfund keine Überraschung - Kampfmittelsondierung lieferte bereits Anhaltspunkte

Von dem Bombenfund ist Ulrich Fitzthum, Leiter des Staatlichen Wasserwirtschaftsamtes, dass den ökologischen Umbau des Wöhrder Sees federführend plant und koordiniert, nicht wirklich überrascht gewesen. "Wir haben ja die Ergebnisse der Kampfmittelsondierung. Daher wussten wir, dass der See in weiten Bereichen von 'Überraschungen' frei ist, es aber auch etliche Stellen gibt, wo die Messungen Auffälligkeiten zeigen", sagt Fitzthum auf Anfrage. Leider könne man vorab nicht feststellen, ob es sich dabei - wie zum Glück in den allermeisten Fällen - um "normale" metallische Teile oder um Blindgänger aus dem Weltkrieg handele. "Wenn dann so eine Meldung kommt, hofft man, dass alles so wie vorgesehen abläuft, was dank der hervorragenden Arbeit der Einsatzkräfte ja auch der Fall war."

Schallwellensuche: Fitzthum hat "bombensicheren Masterplan"

Durch den frühen Bombenfund kurz nach der Auftakt-Veranstaltung mit Ministerpräsident Söder aufgeschreckt, will Fitzthum nun einen bombensicheren Masterplan entwerfen. Damit nicht immer wieder die halbe Stadt evakuiert werden müsse, will Fitzthum das explosive Problem im Wöhrder See mit einer konzertierten Aktion quasi auf einen Schlag lösen. Fitzthum schlägt vor, den ganzen See mit Schallwellen nach Bomben abzusuchen und alle eventuell bei der Sonar-Sondierung gefundenen Bomben auf einmal zu entschärfen. "So ist meine Idee. Ob der Wunsch technisch überhaupt umsetzbar ist, muss aber erst geklärt werden", betont Fitzthum auf Anfrage weiter.

Maßnahmen für Erneuerung der Lebensräume getroffen

Die Baggerarbeiten werden allein viel Zeit in Anspruch nehmen. Von dem Schlamm sollen rund 150.000 Kubikmeter auf dem Grund lagern. Durch das Ausbaggern von Schlamm soll der See wieder Luft zum Atmen bekommen. Neue Lebensräume für Flora und Fauna sollen entstehen. An den Ufern sollen neue Flachwasserzonen geschaffen werden, damit sich Röhricht & Co. wieder pudelwohl fühlen können. Kleine Inseln sollen aufgeschüttet werden, um die Fließgeschwindigkeit in dem Gewässer wieder zu erhöhen. Das soll Schlammablagerungen zukünftig um rund 70 Prozent reduzieren. Damit soll verhindert werden, dass der Stausee schon bald erneut für viel Geld ausgebaggert werden muss. Insgesamt soll die Arbeiten am Oberen Wöhrder See bis 2024 dauern.

Söder schießt beim Startschuss gegen Naturschützer

Nicht nehmen ließ sich Ministerpräsident Söder beim offiziellen Startschuss am letzten Freitag einen Seitenhieb auf die Naturschützer in der Frankenmetropole. Vor knapp zehn Jahren hätte der Bund Naturschutz (BN) noch irrsinnigerweise gefordert, den gesamten Stausee im Herzen der Stadt komplett verlanden zu lassen. Söder sei stolz darauf, dass er seinerzeit als Umweltminister den umgekehrten Weg gegangen sei. Wenn er den vermoderten Stausee nicht aus dem Dornröschenschlaf gerettet hätte, würde der Wöhrder See als innerstädtische Klimaanlage heute fehlen, ist sich Söder sicher.

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