Nürnberg
Umgestaltung

Nägeleinsplatz in Nürnberg wird umgestaltet - Anwohner befürchten neue Partymeile

Für fast vier Millionen Euro soll der Nägeleinsplatz in Nürnberg umgestaltet werden. Anwohner der Altstadt befürchten, dass eine neue Partymeile an der Pegnitz entsteht und zahlreiche Parkplätze wegfallen.
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Stadtrat Jürgen Dörfler sowie  die Anwohner Gabriele Ankenbrand und Karlheinz Schrödel üben Kritik an den Umbauplänen für den Nägeleinsplatz in Nürnberg. Foto: Nikolas Pelke
Stadtrat Jürgen Dörfler sowie die Anwohner Gabriele Ankenbrand und Karlheinz Schrödel üben Kritik an den Umbauplänen für den Nägeleinsplatz in Nürnberg. Foto: Nikolas Pelke

Der Nägeleinsplatz in Nürnberg wird umgestaltet: Im vergangenen Jahr hatte eine Landschaftsarchitektin einen Vorentwurf für die Umgestaltung des Bereiches am Nägeleinsplatz in Nürnberg erarbeitet. Von der Stadt Nürnberg wurde dieser Entwurf im September 2019 im Rahmen einer E-Partizipation für Bürger zur Diskussion gestellt. Nun ist klar, wie der Nägeleinsplatz umgestaltet wird.

Erste Hürde zum Umbau des Nägeleinsplatz genommen

Im Stadtrat haben die Pläne zum Umbau kürzlich die erste Hürde genommen. In dem zuständigen Ausschuss ist das 3,8-Millionen-Projekt mit den Stimmen von SPD und Grüne gegen CSU und FW durchgeboxt worden. Christine Kayser (SPD) verkündete bereits am Mittwoch (14.11.2019) auf ihrer Facebook-Seite, dass die Neugestaltung des Platzes im Werkausschuss SÖR (Servicebetrieb Öffentlicher Raum) beschlossen wurde. Kayser erklärt, dass ein barrierefreier grüner Weg ins Stadtzentrum entlang entstehen soll. Dieser soll an der Pegnitz entlang von der Hallerwiese über den Nägeleinsplatz bis zum Hauptmarkt führen. Laut Kayser wäre der Uferbereich aktuell ein "ungeschliffenes Juwel, das etwas neuen Glanz gut vertragen kann".

 

Anwohner befürchten neue Partymeile an der Pegnitz

Die Umgestaltung des Nägeleinplatzes hatte bis zuletzt immer wieder für Diskussionen gesorgt. "Hier gehört einfach mehr Pflege her und kein millionenteurer Umbau", findet beispielsweise Karlheinz Schrödel. Von seinem Balkon hat der Rentner einen ausgezeichneten Blick auf die Grünfläche mit Blick auf den berühmten Kettensteg, die Maxbrücke und das historische Weinstadel.

Knapp vier Millionen Euro will die Stadt Nürnberg in die Hand nehmen, um die Grünanlage am Flussufer nach dem Motto "Stadt ans Wasser" neu zu gestalten. Dafür sollen Terrassen am historischen Pegnitzufer neu angelegt werden. Anwohner wie Karlheiz Schrödel befürchten, dass die lauschigen Plätzchen am Flussufer künftig zur Partymeile umfunktioniert werden könnten. Andere Anwohner wie Gabriele Ankenbrand fragen sich, wo sie künftig einen Parkplatz finden sollen. Die Stadt plant, dass im Rahmen der Umgestaltung des Nägeleinsplatzes genau 24 von derzeit 49 Auto-Stellplätzen verschwinden sollen.

Teile der Stadtpolitik stellen sich hinter Anwohner

Unterstützung bekommen die protestierenden Anwohner von einem Teil der Stadtpolitik. "Wir stehen an der Seite der Anwohner. Wir wollen, dass die berechtigte Kritik der Anwohner bei den Umbauplänen für den Nägeleinsplatz berücksichtigt wird", sagt beispielsweise Stadtrat Jürgen Dörfer (Freie Wähler). Dörfler wolle die Anwohner beim Erhalt der Parkplätze und der Verhinderung der befürchteten Partymeile unterstützen.

Die CSU lehnt die Pläne ebenfalls ab und kritisiert insbesondere die hohen Kosten für das Projekt. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Marcus König hat darauf hingewiesen, dass die Ausgaben für die Umgestaltung des Nägeleinsplatzes relativ hoch seien. Im Vergleich zu anderen Grünflächen-Sanierungen wie beispielsweise des benachbarten Kontumazgartens seien die Kosten beim Nägeleinsplatz um das Acht- bis Zehnfache höher. Vor dem Hintergrund der desolaten Haushaltslage der Frankenmetropole - Nürnberg plant eine Neuverschuldung in Höhe von rund 30 Millionen Euro - seien dem Steuerzahler die Millionenkosten laut Marcus König nicht vermittelbar.

Die Stadt verweist dagegen auf die Beteiligung der Bürger an den Umbauplänen. Bei der Online-Partizipation hätten 150 User für das Projekt gestimmt. Die Kritiker der Neugestaltung überzeugt dieser Hinweis nicht.

Stadt verspricht sich Aufwertung der historischen Sehenswürdigkeiten

Die Stadt beharrt derweil auf der vergangenen Schönheit rund um das Weinstadel. Ab dem 15. Jahrhundert sei der heutige Nägeleinsplatz von Mühlen geprägt gewesen. Vor dem Zweiten Weltkrieg hätten noch Kinder hinter den Mühlen in der Pegnitz gespielt. Beim Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Altstadt sei allerdings der Hochwasserschutz im Vordergrund gestanden. Die Überreste der Mühlen seien entfernt und die Mauern rund um das Flussbett erhöht worden. Der direkte Zugang zur Pegnitz sei damit verloren gegangen. Diese Bausünden aus der Vergangenheit will Nürnberg nun offensichtlich wieder vergessen machen.

Die Stadt verspricht sich von der Modernisierung des verwahrlosten Uferparks auch eine Aufwertung ihrer historischen Sehenswürdigkeiten zwischen Kettensteg, Maxbrücke und Weinstadel. Zumal ganz in der Nähe dieses verwilderten Altstadt-Fleckchens bis zum Jahr 2020 der neue Augustinerhof mit der Zweigstelle des Deutschen Museums direkt an der Pegnitz in unmittelbarer Nachbarschaft des Nägeleinsplatzes entsteht. Auch der Name des neu geschaffenen Weges in die Altstadt wurde bereits verraten: Die Bürgerbeteiligung hatte sich gewünscht, dass dieser den Namen "Marianin-Uferweg" tragen soll. Zurückzuführen ist dieser Name auf Maria Sybilla Merian, die eine Naturforscherin und Künstlerin war und in Nürnberg gelebt hat.

 

Hinter dem Nürnberger Hauptbahnhof: Fahrradparkhaus nimmt Form an

Der Bau des Fahrradparkhauses hinter dem Nürnberger Hauptbahnhof kommt voran. Anfang 2020 werden die Arbeiten abgeschlossen sein, teilt die Stadt mit, sodass Nürnbergs erstes Fahrradparkhaus voraussichtlich im März 2020 eröffnet werden kann.

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