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Nackte Angst im Hauptbahnhof Nürnberg: Polizei probt Anti-Terror-Einsatz - so fällt die Bilanz aus

Rund 1500 Sicherheitskräfte haben in der Nacht auf Mittwoch im Hauptbahnhof Nürnberg einen Anti-Terror-Einsatz trainiert. Die Bilanz der Polizei fällt positiv aus: Durch die Übung seien wichtige Erkenntnisse gewonnen worden, um die Abläufe weiter zu optimieren und so den Schutz der Bürger bestmöglich zu gewährleisten.
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Positive Bilanz nach Anti-Terror-Übung: Im Nürnberger Hauptbahnhof simuliert die Polizei in der Nacht auf Mittwoch (16.10.2019) den Terror-Ernstfall: Szenen wie im schlimmsten Alptraum spielen sich in der Übung ab. Zwei Terroristen zünden Sprengstoff und schießen in der Haupthalle mit Maschinenpistolen wahllos auf Reisende.

Fiktiver Terror-Anschlag in Nürnberg: Menschen sterben im Hauptbahnhof im Kugelhagel

Von einer Sekunde auf die andere herrscht die nackte Angst. Laute Schreie mischen sich in noch lautere Schüsse. Opfer liegen tot auf dem Boden des Bahnhofs. Verletzte rufen verzweifelt um Hilfe.

 

 

Mit schweren Schusswesten, Schusshelmen und Maschinenpistolen nähert sich die Polizei in Zweierteams dem Ort des Schreckens. Aus mehreren Richtungen rücken die Sicherheitskräfte gleichzeitig vor. Plötzlich ist der erste Angreifer von der Polizei eingekreist und fällt im Kugelhagel zu Boden.

Noch gibt es keine Entwarnung. Der zweite Täter treibt noch sein Unwesen. Erst als auch der zweite Angreifer von dem Beamten getroffen und verwundet überwältigt wird, können sich die Sanitäter um die Opfer am Ort des Horrors kümmern.

 

 

Kameras und Schiedsrichter verfolgen Anti-Terror-Einsatz genau

Während sich diese Szenen abspielen, werden die Sicherheitskräfte von zahlreichen Schiedsrichtern beobachtet. Videokameras zeichnen den Einsatz auf. Reinhard Pürkenauer zieht die Stöpsel aus den Ohren, nimmt die Schutzbrille von der Nase und nickt zufrieden. "Das sind hochkomplexe Polizeiaktionen in einem komplexen Gebäude, in dem jeder seine Aufgabe haargenau zu erfüllen hat", sagt der "Ober-Schiedsrichter" der Großübung und bittet die Fotografen und Reporter nun ihre Blöcke und Kameras einzupacken. Die Polizisten von Bundes- und Landespolizei wollen sich ab sofort nicht weiter in die Karten schauen lassen und den Rest der Nacht unter sich bleiben.

 

Hauptbahnhof Nürnberg für Übung geräumt

"Geheim-Training" heißt das bei den Fußballprofis. Der Feind könnte schließlich mithören. Seit 21 Uhr ist die West- und Mittelhalle sowie die Bahnsteige von Nummer 1 bis 5 für die Öffentlichkeit komplett gesperrt. Auch Senioren mit Rollatoren und Familien mit Kinderwägen müssen Umwege in Kauf nehmen. Die Polizei bleibt freundlich aber bestimmt. Ausnahmen werden nicht gemacht. Selbst rund um den Bahnhof sind kaum noch Zivilisten zu sehen.Der sonst so quirlige Bahnhofsvorplatz ist menschenleer. Sogar die Autos dürfen nur noch in der Gegenrichtung vorbei rollen. Mit schwarzen Planen ist der Hauptbahnhof zudem vor neugierigen Blicken geschützt.

Größte Polizeiübung seit 20 Jahren in der Stadt

"Das ist die größte Polizeiübung seit 20 Jahren in Nürnberg", hat der mittelfränkische Polizeipräsident, Roman Fertinger, zum Auftakt der Anti-Terror-Übung zur Dimension gesagt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Bevölkerung um Verständnis für die Behinderungen und Unannehmlichkeiten gebeten. "Es macht keinen Sinn, solche Übungen nur auf einem abgelegenen Truppenübungsplatz durchzuführen. Es muss auch dort geübt werden, wo solch ein schreckliches Ereignis, von dem wir alle hoffen, dass es nicht eintritt, tatsächlich stattfinden könnte."

 

 

Innenminister Herrmann: Bedrohung durch Terrorismus sehr hoch

Die Bedrohung durch den Terrorismus sei nach wie vor sehr hoch. "Der Extremismus unterschiedlicher Couleur gefährdet mehr denn je den Zusammenhalt und die Sicherheit in unserem Land", warnte Herrmann sogar die Bevölkerung davor, sich nicht zu sehr in Sicherheit zu wiegen. Die Terror-Anschläge der letzten Jahre und auch der rechtsextremistische Angriff in Halle auf eine Synagoge hätten gezeigt, dass die Täter jederzeit und überall zuschlagen könnten.

Wer hätte laut Herrmann gedacht, dass die ersten islamistischen Anschläge in Bayern in einem Nahverkehrszug bei Würzburg und bei einem vergleichsweise kleinen Kultur-Ereignis in Ansbach stattfinden würden. "Deshalb ist es ist wichtig, dass wir uns auf solche Einsatzlagen vorbereiten und die Zusammenarbeit üben", sagte der Innenminister in Nürnberg und betonte, wie ungewohnt gefährlich diese neuartigen Anti-Terror-Einsätze auch persönlich für die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten seien.

 

Große Herausforderung für Streifenpolizisten

Auch der mittelfränkische Polizeipräsident Roman Fertinger verwies auf diese neuen Einsatzlagen mit hohen Gefahren für die Einsatzkräfte, wenn Terroristen mit Maschinenpistolen wild um sich schießen. In ganz Deutschland würde deshalb derzeit die Zusammenarbeit zwischen Bundespolizei und Landespolizei in Anti-Terrorübungen an Großbahnhöfen trainiert.

Besonders für die Streifenbeamten seien diese Einsätze auch persönlich eine neue Herausforderung. "Manche Kollegen haben vielleicht noch Hemmungen, die Schusswaffe zu gebrauchen. Außerdem schwingt bei manchen auch die Angst um das eigene Leben mit", zeigte sich Polizeipräsident Fertinger verständnisvoll für die menschliche Seite der Polizeiarbeit.

Damit möglichst viele Beamten den Terror-Ernstfall in dieser Nacht trainieren konnten, sind verschiedene Übungen im mehreren Runden von zehn Uhr abends bis fünf Uhr morgens durchgeführt worden. Eine genauso lange wie nervenaufreibende Nacht, um für den Ernstfall möglichst gut vorbereitet zu sein.

 

 

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