Schnaittach
Infranken trifft (6)

Mußestunde in der Frankenalb

Den Reporter verschlägt es in die Natur Mittelfrankens. Zunächst erlebt er nicht viel. Dann lernt er aber einen traditionellen Bäcker und eine sportliche Wanderin kennen.
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Sitzen und warten: Der Reporter an dem Punkt, den der Dartpfeil getroffen hat.
Sitzen und warten: Der Reporter an dem Punkt, den der Dartpfeil getroffen hat.
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Ein Reporter muss dorthin gehen, wo sein Pfeil steckt. Das ist unsere Vorgabe. Dies nehme ich mir bei meinem Trip nach Mittelfranken zu Herzen. Die Koordinaten: 49° 33' 0.582 Breite, 11° 23' 14.385 Länge. Bedeutet konkret: eine kleine Blumenwiese am Nordrand des Nürnberger Landes, umrahmt von Weizenfeldern und Mischwald.

Für meinen Auftrag habe ich diesmal einen Stuhl mit im Gepäck. Nach komplizierter Suche inklusive Krabbeltour durch ein Weizenfeld landen mein vierbeiniger Begleiter und ich auf besagter Wiese. Ich platziere den Stuhl im Gras, setze mich und warte. Mal schauen, was passiert. Vielleicht treffe ich hier einen Wanderer, einen Bauer, einen Pilger? Keine Chance. Nicht mal ein Jäger lugt durch ein Kipp-Fenster der vielen Hochsitze. Vielleicht auch besser so. Was denkt wohl ein Jäger über einen Menschen, der mit einem Stuhl in der Frankenalb mitten auf einer Wiese sitzt?

Dann eben die Interaktion mit der Natur. Ich blinzle in die Sonne und höre den Grillen beim Zirpen und dem Gras beim Wachsen zu. Nach 90 Minuten reicht das dann aber auch. Wo sind denn bitte die Menschen? Ich wuchte meinen Stuhl über die Schulter und verabschiede mich in die Zivilisation...

Mein Pfeil steckt ziemlich genau zwischen Siegersdorf und Oberkrumbach (Markt Schnaittach). Vielleicht ist dort ja etwas geboten. Im friedsamen Siegersdorf lerne ich zunächst, dass es durchaus noch Orte gibt, in denen die Hauptstraße irgendwann einfach endet. Auf dem Weg zurück sticht mir ein hochmodernes Haus ins Auge. Ich schnappe mir meine Kamera und klingele.

Hausherr Bernd Teichmann lädt mich auf seinen Balkon ein. Er ist Geschäftsführer der Bäckerei "Siegersdorfer Landbrote". Seit 1935 wird praktisch direkt unter uns Brot in dem mittlerweile renovierten Haus gebacken. Die Fahrer transportieren die Backwaren tagtäglich in die Filialen in Lauf, Erlangen und Nürnberg. "Wir haben oft überlegt, ob wir in einen größeren Ort umziehen. Besonders vor dem Umbau 2009. Aber wir sind ein traditioneller Betrieb und wollen das beibehalten." Dementsprechend müsse man mit den Problemchen leben, die das Land so mit sich bringt. "Die Anfahrt im Winter, schlechte Internetverbindung", nennt der Bäckermeister zwei Beispiele, während er vom Balkon aus in Richtung Nürnberg blickt.

Teichmann ist in Siegersdorf aufgewachsen. Er lebt immer noch in dem 90-Seelen-Ort, direkt nebenan steht sein Wohnhaus. Als Kind hat er täglich alleine drei Stunden für den Schulweg nach Nürnberg gebraucht. "Die Hausaufgaben wurden im Bus gemacht."

Training für den Fernwanderweg

Zum Abschied empfiehlt mir der Siegersdorfer noch einen Besuch der Festung Rothenberg. Das einstige Bayerisches Bollwerk gegen das umgebende Franken und Nürnberg ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Nach einer Festungs-Führung will ich mich noch etwas in der Umgebung umsehen. Als ich etwas orientierungslos an einer Abzweigung stehe, komme ich mit einer Wanderin ins Gespräch. Rita Hagen trainiert für einen Fußmarsch über den Europäische Fernwanderweg E5. Einer der schönsten, aber auch anspruchsvollsten Teile sind die Etappen, die von Oberstdorf aus in südlicher Richtung über die Alpen führen. Und genau diese Passage will Hagen Ende August mit einer Gruppe bewältigen. "Das ist seit fünf Jahren mein Wunschtraum. Mein Mann hat irgendwann gesagt: Wann willst du das eigentlich machen? Jünger wirst du nicht", lacht die Schnaittacherin.

Deshalb marschiert Hagen regelmäßig mit einem großen Rucksack auf dem Rücken quer durch die Frankenalb. Der Rucksack ist mit Wasserflaschen und Handtüchern gefüllt, gegen den kleinen Hunger hat Hagen ein Müsli dabei. Oder sie sammelt ein paar Haferkörner am Wegesrand. Eine Schlauch-Konstruktion sichert die Flüssigkeitszufuhr.
Trotz ihres Trainingseifers genießt die Wanderin jeden Kilometer durch ihre hügelige Heimat. "Die Natur hier ist ein Traum." Da kann es die Schnaittacherin auch verkraften, dass sie "manchmal stundenlang keine Menschenseele" zu Gesicht bekommt. Der Reporter nickt. Er weiß genau, wovon die sympathische Frau spricht.
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