Nürnberg
RiP 2019

Abfall-Chaos bei Rock im Park: Zero Waste Gruppe sammelt Müll - und spendet ihn für gute Zwecke

Dass auf Festivals wie Rock im Park viel Müll anfällt, ist normal. Viele Besucher finden, dass die Abfälle 2019 überhand nehmen. Auch ein gemeinnütziger Verein will sich dagegen wehren und spendet hinterbliebene Campingstühle, Grills und vieles mehr.
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Rock im Park zeigt, wie Festivalgelände langsam zur Mülldeponie mutieren. Ein gemeinnütziger Verein sammelt kurzerhand gut erhaltene Gegenstände und spendet diese für gute Zwecke. Foto: Johnathan Mehlhase
Rock im Park zeigt, wie Festivalgelände langsam zur Mülldeponie mutieren. Ein gemeinnütziger Verein sammelt kurzerhand gut erhaltene Gegenstände und spendet diese für gute Zwecke. Foto: Johnathan Mehlhase

Nicht erst seit 2019 wird Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein bei den Essensständen bei Rock im Park groß geschrieben: Andreas (33), der seit 2006 Rock im Park besucht, lobt die Entwicklung: "Die Qualität der Essensstände ist besser geworden." Auf den Zeltplätzen rund um das Nürnberger Zeppelinfeld scheint dieser Trend nicht angekommen zu sein: Zeltplätze mutieren teilweise zu Mülldeponien, die Umwelt leidet.

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Gemeinnütziger Verein sammelt Müll und spendet gut erhaltene Festivalgegenstände

Mitglieder des "Zero Waste Nürnberg" Projekts sammelten am Montag (10.06.2019) Teile des hinterlassenen Mülls der Rock im Park Besucher ein. Unter anderem mit dabei: Klappstühle, Isomatten, Zelte, Grille und vieles mehr. "Es war so viel, wir konnten das alles nicht mal tragen!" Die Gruppe möchte gut erhaltene Gegenstände für gemeinnützige Zwecke spenden.

Müll türmt sich: Festivalbesucher wirken abgestumpft

Diverse Festival-Besucher erzählen gegenüber inFranken.de, dass am Eingang des Rock-im-Park-Geländes jedem Rocker ein Müllbeutel in die Hand gedrückt wird. Damit scheint das Thema "Müll" für den Veranstalter erledigt. Wie die Situation auf den Zeltplätzen im Endeffekt aussieht, liegt sozusagen nicht mehr in ihrer Hand. Vor einigen Jahren hat der Veranstalter das sogenannte "Pfand-System" auf Rock im Park abgeschafft: Beim Einlass mussten 20 Euro hinterlegt werden. Im Gegenzug bekam man zwei RiP-Müllbeutel. Brachte man diese voller Abfall zurück, wurde das Pfand zurückgezahlt.

Mittlerweile gibt es dieses System nicht mehr. Der Veranstalter begründet die Abschaffung wie folgt: "Ein Müllpfand wird nicht mehr erhoben weil die damit verbundenen Angebote und Verpflichtungen nicht in ausreichendem Umfang wahrgenommen wurden." Trotz Abschaffung bittet Rock im Park seine Besucher "der Umwelt zuliebe weiterhin beim Recycling und der Mülltrennung aktiv mitzuarbeiten." Freiwillig also.

Tag 2 RIP 2019: Jetzt fallen alle Hemmungen, so war der Samstag bei Rock im Park

Müll-Problem bei Rock im Park: Schmeißen RiP-Besucher ihr Umweltbewusstsein weg?

Dass das Wegräumen des Mülls zur freiwilligen Angelegenheit geworden ist, mag lediglich ein Faktor sein, warum Zeltplätze einem riesigen Mülleimer gleichen. RiP-Besucher lassen teilweise Campingstühle oder Pavillons zurück, weil diese schlichtweg kaputt sind. Oft passt derartiger Müll nicht mehr in die knappe Anzahl an Mülleimern, die auf den Zeltplätzen stehen. Charlotta (23), Franziska (25) und Charlotte (21), die alle drei aus Nürnberg kommen, stößt das auf: Sie wissen nicht, wo sie ihren Müll hinbringen sollen, erzählen sie inFranken.de: "Es gibt einfach viel zu wenige Mülleimer."

Eine Alternative zu fehlenden Mülleimern könnten die ausgegebenen RiP-Müllbeutel sein - falls sie benutzt werden. Niklas (20) fällt dazu ein Urteil: "Ich will nicht wissen, wie viele in Nürnberg bei "Fridays for Future" demonstriert haben und hier ihren Müll rumliegen lassen." Oftmals werde Müll liegen gelassen, weil der Nachbar es ebenfalls gemacht habe, meint Martina (55).

So war's am Sonntag auf RiP 2019

Toiletten-Problem beschäftigt Rock im Park

Neben der Müllproblematik hat die Besucher bei Rock im Park von Donnerstag bis Sonntag das Toilettenproblem beschäftigt: Neben herber Kritik, der Reaktion des Veranstalters und vollen Blasen, gibt es auch positive Reaktionen: Beispielsweise berichten RiP-Besucher, dass die Dixi-Klos "oft geleert" wurden. Dennoch besteht weiterhin Grund zu Kritik. Patrick (28) ist der Meinung: "Ich habe keine Lust für 240 Euro eine Karte zu kaufen und gezwungen zu sein auf ein Dixi-Klo zu gehen." Ob der Veranstalter auf die gestartete Petition reagiert und sogar Teile des Eintrittsgeldes zurückzahlt, ist fraglich. Man suche aktuell die Ursache und prüfe mögliche Folgen, hieß es auf der Abschlusspressekonferenz. Es bleibt abzuwarten, wie der Veranstalter im Jubiläumsjahr 2020 die sanitäre Situation als auch die Müllproblematik angeht.

 

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