Lauf an der Pegnitz

Lauf an der Pegnitz: Stadt Lauf engagiert sich für den Artenschutz

11.06.2019 Mit einer Fläche von fast drei Hektar gehört der Weiberslohanger zu den größten und schönsten Angern in Lauf (Foto: Wölfel)Streuobstwiese am Heuchlinger Berg (Foto: Wölfel)Wo sich früher ein schnurgerader Bach seinen Weg durchs Grün bahnte, ist mittlerweile ein dynamisches Gewässer mit natürlicher Ufervegetation entstanden (Foto: Wölfel)Zwischen dem Anna-Diez-Steg und dem Siechenlohsteg liegt der neue Fischlehrpfad (Foto: Wölfel) Bereits seit mehreren Jahren leistet man in der Stadt Lauf einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz, beispielsweise durch die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung von Hutangern in den Ortsteilen.Wie Dieter Wölfel, zuständig für Naturschutz, Baum- und Landschaftspflege im Städtischen Bauamt erklärt, gelten Hutanger als Zeugen alter fränkischer Hirtenkultur und zählen zu den landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Bayerns.
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11.06.2019


Weiberslohanger

Mit einer Fläche von fast drei Hektar gehört der Weiberslohanger zu den größten und schönsten Angern in Lauf (Foto: Wölfel)

Streuobstwiese am Heuchlinger Berg

Streuobstwiese am Heuchlinger Berg (Foto: Wölfel)

Maasenbach

Wo sich früher ein schnurgerader Bach seinen Weg durchs Grün bahnte, ist mittlerweile ein dynamisches Gewässer mit natürlicher Ufervegetation entstanden (Foto: Wölfel)

Fischlehrpfad

Zwischen dem Anna-Diez-Steg und dem Siechenlohsteg liegt der neue Fischlehrpfad (Foto: Wölfel)

Bereits seit mehreren Jahren leistet man in der Stadt Lauf einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz, beispielsweise durch die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung von Hutangern in den Ortsteilen.

Wie Dieter Wölfel, zuständig für Naturschutz, Baum- und Landschaftspflege im Städtischen Bauamt erklärt, gelten Hutanger als Zeugen alter fränkischer Hirtenkultur und zählen zu den landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Bayerns. Zudem beleben die Flächen das Ortsbild und bieten vielfältige Lebensräume für Flora und Fauna.

Die Stadt Lauf hat elf Angerflächen mit einer Gesamtgröße von 15 Hektar, die größtenteils traditionell beweidet werden. Bei einer Begehung mit Bernd Michl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat sich gezeigt, dass der eine oder andere Anger aufgrund seiner Lage (Übergang zur offenen Landschaft, Kleinstrukturen, Höhlenbäume) sehr gut als Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Wiedehopf ? bayernweit gibt es nur noch zehn bis zwanzig Paare ? geeignet ist, weshalb an geeigneten Stellen entsprechende Nistkästen aufgestellt wurden.

Streuobstwiesen als landschaftsprägende Elemente

Auch die zwölf Streuobstwiesen der Stadt Lauf sind nicht nur ein landschaftsprägendes Element, sondern ebenso in punkto Artenschutz eine Bereicherung für die Landschaft. Die einmalige Kombination von Baum und Wiese und die sich daraus entwickelten Kleinstrukturen verbinden Lebensräume miteinander. Zudem schaffen sie Rückzugsmöglichkeiten für verschiedene Tierarten und fördern den Artenreichtum ? ebenso wie der eine oder andere Baumtorso, der für totholzbewohnende Insekten, Vögel und Fledermäuse sowie Pilze, Moos- und Flechtengesellschaften von großer Bedeutung ist.

Insgesamt 45 Baumarten gibt es im Stadtgebiet und in den Ortsteilen entlang der Straßen, in Grünanlagen, diversen Einrichtungen und der freien Landschaft  ? darunter auch sogenannte Bienentrachtpflanzen, wie die Kornelkirsche, die Blutpflaume, Rotesche und verschiedene Weidengewächse, die vor dem Obst blühen und mit ihren Pollen wichtige Futterlieferanten für die Brut sind. Ebenso wie mehrere Ahornarten, Felsenbirnen, Kastanien sowie Sommer-, Kaiser-, Winter- und Silberlinden, die zu einem späteren Zeitpunkt Blütezeit haben und große Mengen an Nektar mit hohen Zuckergehalt produzieren.

Insektenfreundliche Flächenbewirtschaftung

Die Stadt Lauf bemüht sich auch um eine insektenfreundliche Flächenbewirtschaftung. Intensiv bewirtschaftete Rasenflächen werden dort, wo es möglich ist, in extensive Blühflächen umgewandelt.

Doch beim Thema Nachhaltigkeit gehe es nicht in erster Linie darum, jedes Jahr aufs Neue einzusäen und alles möglichst groß und bunt zu gestalten, stellt Wölfel klar: ?Pflanzen haben einfach unterschiedliche Lebensdauer, Blühperioden, Wuchsformen, Konkurrenz- und Keimverhalten. Und gerade Flächen, die im Laufe der Jahre scheinbar an Attraktivität verlören, stellten einen Gewinn für den Artenschutz dar. Beispielsweise seien auf Wildkräuter wie die Brennessel, die man in der Regel nur ungern dulde, mehr als 100 Insektenarten angewiesen, auf dem Gemeinen Beifuß noch weitaus mehr.

Unbedingt eindämmen wolle man die sogenannten Neophyten, wie Herkulesstaude, Staudenknöterich und Springkraut, die durch ihr massenhaftes Aufkommen einheimische Arten verdrängten und viele Lebensräume bedrohten.

Renaturierung von Fließgewässern

Nicht nur für den Artenschutz, sondern ebenso für die Strukturvielfalt und den aktiven Hochwasserschutz sind die Fließgewässer in der Pegnitzstadt, die sich auf knapp 50 Kilometer Länge erstrecken, von großer Bedeutung. Zu den Aktivitäten der Stadt Lauf gehören deshalb auch Bachrenaturierungen wie beispielsweise die des Maasenbachs. Aus einem trostlosen Rinnsal entstanden durch Aufweitung des Bachbetts und die Gestaltung unterschiedlicher Böschungsneigungen gewässertypische Strukturen und unterschiedliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

Auch den Gewässern am Froschleitenweg und in der Kunigundensiedlung hat man wieder den nötigen Freiraum gegeben und sie ökologisch aufgewertet. Im Teich in der Ahornstraße kam ein Mähboot zum Einsatz, mit dessen Hilfe Teilbereiche der Röhricht- und Schwimmblattpflanzen entnommen wurden, um die Wasserfläche wieder zu vergrößern und einer zu schnellen Verlandung vorzubeugen.

Natur erleben, verstehen und schützen

Natur erlebbar zu machen ist Artenschutz. Bestes Beispiel hierfür ist die Ökostation am Kunigundenberg mit Bienenzentrum. Auf einer 5.000 qm großen Grünlandfläche ist ein Umweltbildungsort für Jung und Alt mit verschiedenen Biotoptypen entstanden.

Auf dem Kinderspielplatz in Wetzendorf informiert eine kleine Tafel über die Sandbiene, die hier auf dem offenen Sandboden gute Nistgelegenheiten vorfindet. Und auch an anderen Stellen im Stadtgebiet findet sich das eine oder andere Insektenhaus mit künstlich geschaffenen Nisthilfen.

Für alle, die mehr über das Ökosystem Wasser erfahren wollen, gibt es zudem seit dem vergangenen Jahr einen Fischlehrpfad, der auch für das Thema Gewässerschutz sensibilisieren soll ? denn was man kennt, das schützt man auch.



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