Nürnberg
Protest

Kollegah kommt nach Nürnberg - lokales Bündnis spricht von "unfassbarer Provokation"

Kollegah kommt am 12. Dezember 2019 in den Nürnberger Löwensaal. Gegen den geplanten Auftritt hat sich ein lokales Bündnis in Nürnberg gebildet. Die Gegner bezeichnen das Konzert als "unfassbare Provokation".
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Der Rapper Kollegah plant für den 12. Dezember 2019 ein Konzert in Nürnberg, dagegen formiert sich Widerstand. Foto: Matthias Balk/dpa
Der Rapper Kollegah plant für den 12. Dezember 2019 ein Konzert in Nürnberg, dagegen formiert sich Widerstand. Foto: Matthias Balk/dpa

Kollegah-Konzert in Nürnberg sorgt für Protest: Der geplante Auftritt des umstrittenen Rappers Kollegah am 12. Dezember 2019 stößt auf Widerstand in Nürnberg. Ein lokales Bündnis verurteilt das Konzert. Ihm gehören an: das Menschenrechtsbüro und die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg sowie die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg.

Kritiker werfen Kollegah Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und Sexismus vor

Felix Blume alias Kollegah befeuere mit seinen Äußerungen und Texten Vorurteile, verbreite Ängste und grenze aus, erklären die Kritiker. Auch wenn er regelmäßig Antisemitismusvorwürfe zurückweise, transportiere er in seinen Songs und Videos nicht nur antisemitische, sondern auch gewaltverherrlichende und sexistische Botschaften.

So stelle er zum Beispiel in einem Musikvideo die Menschheitsgeschichte als Kampf von Gut gegen Böse dar, wobei im Video das Böse in Gestalt des Teufels einen Ring mit Davidstern trage. In seinen Songs würden Frauen "zu Tode gefickt", Hunde auf Homosexuelle gehetzt und sein Körper als "definierter als von Auschwitzinsassen" verherrlicht. Seine nachträgliche Distanzierung von derart unerträglichen Äußerungen sei ein bekanntes Stilmittel rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen.

Menschenrechtsbüro: "Konzert befeuert [...] die Strategie der extremen Rechten"

Aus Sicht des Menschenrechtsbüros finde auch die verfassungsrechtlich verbürgte Kunstfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes ihre Sinngrenze da, wo die Menschenwürde verletzt und Gewalt gegen Frauen und Minderheiten verherrlicht werden. Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg und das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg setzen sich seit vielen Jahren ein für Menschenwürde und Demokratie, gegen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

"Den Auftritt von Kollegah gerade in Nürnberg zuzulassen, sei ein Affront für alle, die sich für ein friedliches Zusammenleben und den Schutz von Minderheiten einsetzen. Kollegah trägt mit seinen Texten öffentlichkeitswirksam zur stückweisen Verschiebung der Grenzen des Unsagbaren bei. Das Konzert befeuert damit die Strategie der extremen Rechten, Grenzen zu überschreiten, nur um danach wieder zurückzurudern. Aus Worten werden Taten. Auch im Forderungskatalog der Allianz nach dem entsetzlichen Anschlag in Halle, sagen wir deutlich, dass wir alle aufgefordert sind, der Verrohung der Sprache entgegenzutreten", betont Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz.

Nürnberger Frauenbeauftragte entsetzt von den Rapper-Texten

Auch die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg, Hedwig Schouten, zeigt sich entsetzt: "Noch heute stirbt jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau durch häusliche Gewalt. Am 11. und 12. Dezember organisieren wir eine Tagung zum Thema 'Gewalt kostet! - Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf Individuen, Staat und Gesellschaft'. Es ist deshalb ein 'Schlag ins Gesicht' der Teilnehmenden und eine Verhöhnung aller von Gewalt betroffener Frauen, dass am 12. Dezember gleich im Anschluss an diese Tagung Kollegah mit seinen frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texten wie 'Dein Chick ist 'ne Broke-Ass-Bitch, denn ich ficke sie, bis ihr Steißbein bricht' auftreten soll."

Kollegah-Konzert dürfe nicht unkommentiert bleiben

Das Menschenrechtsbüro, die Frauenbeauftragte und die Allianz betonen, dass ein Kollegah-Konzert insbesondere in einer Stadt wie Nürnberg - der Stadt des Friedens und der Menschenrechte - nicht unkommentiert gelassen werden dürfe. Noch unerträglicher sei das Konzert durch die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe des Löwensaals eine Gemeinschaftsunterkunft für alleinstehende Frauen und Mütter befindet, die Schutz suchen.

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