Nürnberg
Café

"Käskoung Stub'n": Nürnberger besiegt Burn-out und macht sich selbstständig

Tom Seitz setzt in seiner "Käskoung Stub'n" in Nürnberg auf fränkischen Dialekt und Käsekuchen aus aller Welt.
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Der Nürnberger Tom Seitz setzt in seinem Café "Käskoung Stub'n in St. Johannis auf Käsekuchen. Foto: Nikolas Pelke
Der Nürnberger Tom Seitz setzt in seinem Café "Käskoung Stub'n in St. Johannis auf Käsekuchen. Foto: Nikolas Pelke
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Auch Männer mit Tätowierungen und Vollbärten haben Träume. Tom Seitz aus Nürnberg hat zum Beispiel schon immer von einem eigenen Café geträumt. Mit 47 Jahren hat sich der gelernte Konditor seinen Lebenstraum erfüllt und im Nürnberger Stadtteil St. Johannis seine "Käskoung Stub'n" eröffnet.

Hier in der Poppenreuther Straße beim berühmten Friedhof serviert Tom neuerdings fränkische Käsekuchen, die noch fränkischere Namen tragen. Ein Schicksalsschlag hat ihm bei der Verwirklichung seines größten Lebenswunsches geholfen.

"Engala", "Mallorga" und "Gaggerla" - fränkisch-exotische Kuchen

"Heutzutage spricht doch keiner mehr richtig fränkisch. Deswegen heißt mein Café nicht nur ,Käskoung Stub'n. Auch die Kuchen haben fränkische Namen", sagt Tom und zeigt auf seine ausladende Kuchentheke. Hinter der Glasvitrine warten fränkische Käsekuchenkreationen wie das "Engala" (Maracuja und Baiser), das "Gaggerla" (Eierlikör) oder "Mallorga" (Pina Colada) auf den Käsekuchenfreund.

"Ein richtiger Käskoung darf nicht zu süß sein", ist sich Tom sicher. "In meine Kuchen kommt nur ganz wenig Zucker." Im Vergleich zu normalen Rezepturen verwende er rund zwei Drittel weniger Zucker. "Dadurch bekommt der Käskoung mehr Geschmack."

"Wie meine Oma früher gebacken hat" - Tom setzt auf Tradition

Richtiger Käse - wahre Backfreunde wissen das - kommt natürlich nicht hinein in den Käsekuchen. Dafür guter Quark umso mehr. Der sei für einen "g`scheiten Käskoung" fast genauso entscheidend wie die Liebe und die Leidenschaft beim Backen.

"Ich backe hier noch ganz traditionell. Ohne Fertigpackungen und Backhilfen. So wie meine Oma früher gebacken hat", freut sich Tom und gesteht: "Backen ist meine Leidenschaft. Schon mit vier Jahren wollte ich Bäcker werden."

Schicksalsschlag führt zur Traumverwirklichung

Nach der Ausbildung hat Tom viele Jahre als Konditor gearbeitet. Im Hinterstübchen habe er immer von seinem eigenen Café geträumt. "Mit 30 wollte ich immer mein eigenes Café aufmachen."

Als Tom dann 30 geworden ist, hat er sich gedacht: "Du bist zu alt. Du packst das nicht." Und dann hat Tom wieder eine neue Stelle angenommen. "Dort habe ich dann geschuftet, bis mich vor zwei Jahren der Burn-out erwischt hat." Danach sei der Ofen erst einmal aus gewesen.

Nach der stressbedingten Zwangspause habe er sich gesagt: "Mir reicht es. Ich höre auf, für andere den Doldi zu machen. Jetzt steige ich aus dem Hamsterrad und mache mich selbstständig." Weil Tom seit 17 Jahren im Nürnberger Stadtteil St. Johannis lebt, wollte er sein Café auf jeden Fall hier aufmachen.

Kein Bier zum "Koung"

Bier zum Koung sollte es nicht geben in seinem neuen Laden. "Bier-Kneipen gibt es doch genug. Ich wollte von Anfang an ein richtiges Café aufmachen. Für ein gemischtes Publikum aus jungen und älteren Gästen.

Mir gefällt diese gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre, da wo sich die Gäste einfach wohlfühlen können", sagt Tom Seitz und schaut sich zufrieden um in seiner "Stub'n", die auch an diesem Nachmittag bis auf einen Tisch voll besetzt ist. Draußen hinter den Fensterscheiben ziehen graue Winterwolken am Himmel vorbei. Auf den Stühlen hocken glücklich aussehende Menschen. "Aweng abschalten, ratschn und die Seele baumeln lassen", würde der Tom wohl zu dieser Kaffeehaus-Szene sagen.

49 feste Käsekuchensorten führen zum Erfolg

Die Atmosphäre scheint auch Tom gut zu tun. "Mir macht hier einfach alles Spaß", freut sich Tom, der ein "Chef zum Anfassen" bleiben will und sich weiterhin zu den Gästen mit an den Tisch hocken will.

Auch wenn Kuchenfreunde zur Rushhour am Wochenende mittlerweile besser telefonisch einen Tisch vorab reservieren sollten. "Es ist absolut geil, wie mein Café angenommen worden ist", freut sich Tom. "Im Moment habe ich 49 feste Käsekuchensorten. Aber den 50. Käskoung habe ich schon im Kopf", freut sich Tom Seitz und eilt an den vollbesetzten Tischen vorbei in seine Käskoung-Backstube.

Auch in Zabo gibt es schöne Restaurants, die das Stadtviertel beleben.



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