Hersbruck
Urteil

Schwere Kindesmisshandlung in Franken: Stiefvater quält jahrelang zwei Kinder - und kriegt Bewährung

Über Jahre hinweg hat ein Stiefvater in Franken seine Kinder misshandelt und gequält. Beim Amtsgericht Hersbruck kamen nun die grausamen Details ans Licht. Seine Stieftochter ist heute schwerbehindert.
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Ein Stiefvater gesteht vor dem Amtsgericht Hersbruck, jahrelang seine beiden Kinder misshandelt und erniedrigt zu haben. Symbolfoto: Patrick Pleul
Ein Stiefvater gesteht vor dem Amtsgericht Hersbruck, jahrelang seine beiden Kinder misshandelt und erniedrigt zu haben. Symbolfoto: Patrick Pleul

Kindesmisshandlung in Franken: Weil er seine Stiefkinder jahrelang misshandelt hat, steht ein 62-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Hersbruck. Auf der Anklagebank gesteht der Stiefvater die schrecklichen Taten: Über Jahre hinweg quälte und erniedrigte er seine Kinder.

Anklage beim Amtsgericht Hersbruck: Lange Liste der Gewalt

Die Anklage ist umfangreich, die enthaltenden Details sind grausam. Dem Mann werden zwölf Fälle von Gewalt vorgeworfen, darunter sechs Fälle in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Taten reichen dabei bis in das Jahr 2000 zurück.

Hund auf Mädchen gehetzt, Kind muss Erbrochenes essen

Zwischen 2000 und 2001 misshandelte er immer wieder seine Stieftochter. Der Mann hetzte einen Hund auf das etwa zehnjährige Mädchen, der dem Kind ins linke Handgelenk biss. Ein anderes Mal pfiff er dem Kind mit einer Trillerpfeife laut ins Ohr, um es zum Aufstehen zu bewegen. In einem weiteren Fall zwang er das Mädchen, einen Teller Spiegeleier zu essen, woraufhin sich das Mädchen übergab. Das Erbrochene musste das Kind anschließend aufessen.

Erniedrigende Aufgaben im Kinderzimmer

Der Mann richtete eine (nicht geladene) Schusswaffe auf seine Stieftochter, um ihr Angst zu machen. Mehrfach kippte der Mann Mülltonnen und Gelbe Säcke im Kinderzimmer aus. Das Mädchen musste daraufhin den Abfall sortieren.

Stieftochter leidet noch heute unter Misshandlung

Als das Mädchen einmal im Winter zu spät nach Hause kam, wurde es von seinem Stiefvater nicht ins Haus gelassen und musste draußen in der Kälte bleiben. Wiederum ein anderes Mal warf der Stiefvater mit einer Porzellankanne nach dem Kind.

Heute ist die inzwischen erwachsene Frau zu 80 Prozent schwerbehindert und leidet noch immer unter Depressionen. Seinen Stiefsohn quälte der Mann allerdings auch.

Stiefsohn mit Gürtel verprügelt

Auch seinen Stiefsohn soll der Beschuldigte zwischen 2006 und 2009 wiederholt misshandelt und gedemütigt haben. So schlug der heute 62-Jährige beispielsweise mit einem Gürtel auf ihn ein.

Nach Misshandlung: Stiefvater bekommt Bewährung

Zu einer Gerichtsverhandlung kommt es allerdings erst viele Jahre nach den Taten. Erst im Juni dieses Jahres wurde gegen den Mann Haftbefehl erlassen, woraufhin er drei Monate in Untersuchungshaft verbrachte.

Nun wird der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die jedoch auf Bewährung ausgesetzt wird. Dem Beschuldigten wird zugutegehalten, dass er die ihm vorgeworfenen Taten vor Gericht ohne Umschweife eingeräumt hat. Zudem fällt die bereits in Untersuchungshaft verbrachte Zeit strafmildernd für ihn aus.

Erst am Freitag (6. September 2019) wurde ein Mann aus dem unterfränkischen Wiesentheid (Landkreis Kitzingen) vor dem Landgericht Würzburg zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Dem 35-Jährigen wurde ein Mordversuch an seiner Stiefmutter zur Last gelegt.

 

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