Nürnberg
Vermisstenfall

Heidi aus Franken seit 6 Jahren verschwunden: Schwester richtet emotionalen Appell an sie

Seit sechs Jahren wird Heidi Dannhäuser aus Nürnberg vermisst. Doch ihre Familie hat die Suche nach der damals 49-Jährigen bis heute nicht aufgegeben. Nun wenden sich die Angehörigen in einem emotionalen offenen Brief an ihre verschollene Heidi.
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In der vergangenen Woche jährte sich der Tag, an dem Heidi Dannhäuser spurlos verschwand, zum sechsten Mal. Seit dem 12. November 2013 fehlt von der ehemaligen Briefträgerin aus Nürnberg-Fischbach jede Spur.

Vermisste Nürnbergerin: Familie sucht seit sechs Jahren nach Heidi Dannhäuser

Am Abend jenes Novembertags sieht ihre in München lebende Schwester einen verpassten Anruf von Heidi auf ihrem Handydisplay. Als Petra Prado zurückruft, nimmt am anderen Ende der Leitung niemand ab. Auch die weiteren Anrufe verlaufen erfolglos - bis heute. Zum letzten Mal haben Prado und ihre Schwester Stephanie ihre ältere Schwester am 3. Oktober 2013 bei einem Familientreffen in München gesehen. Danach hat Prado nur noch ein paar Mal mit Heidi telefoniert.

Seit sechs Jahren ist die Frau, die zuletzt als Postbotin gearbeitet hat, wie vom Erdboden verschluckt. Polizeiermittlungen und öffentliche Fahndungen liefen ins Leere. Auch ausgehängte Plakate an Bushaltestellen und anderen öffentlichen Orten ergaben keinerlei Hinweise, wo Heidi verblieben ist.

 

"Du kannst auf uns zählen": Schwester wendet sich mit emotionalem Appell zu Wort

Im Gespräch mit inFranken.de richtet Prado einen emotionalen Appell an ihre seit über sechs Jahren verschollene Schwester Heidi: "Ich will nur, dass du weißt, dass du jederzeit zurückkommen kannst. Du bist in der Familie willkommen und brauchst keine Angst zu haben. Es ist alles da. Du kannst auf uns zählen, die ganze Familie unterstützt dich."

Prado und ihre jüngere Schwester Stephanie lassen bis zum heutigen Tag nichts unversucht bei der Suche nach ihrer Heidi: Die Geschwister haben die Website "www.heidi-aus-fischbach-vermisst.de" ins Leben gerufen, auf der sie sich in regelmäßigen Abständen an die Öffentlichkeit wenden. Auch über die Facebook-Seite "Heidi, wo bist du?" suchen die zwei Frauen aktiv nach Hinweisen, die über das Verschwinden ihrer älteren Schwester eventuell Aufschluss geben.

"Manchmal schlägt man als Angehörige auch ungewöhnliche Mittel und Wege ein, um selbst zu forschen und herauszufinden, was hier passiert ist, nur um nicht tatenlos zuzusehen und die Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen - auch auf die Gefahr, sich zu blamieren" schreibt die Familie auf ihrer eigens eingerichteten Website.

Zeugenaufruf: Familie bittet um Hinweise

Zeugen, die über das Verschwinden der Nürnbergerin möglicherweise Auskunft geben können, bittet Prado inständig, Kontakt aufzunehmen: "Wer etwas gesehen haben sollte, soll sich über unsere Homepage oder Facebook-Seite bei uns melden - auch anonym."

Hinweise nimmt natürlich auch die Polizei entgegen. Diese führt die Ermittlungen im Vermisstenfall Heidi Dannhäuser inzwischen in einer 2019 aufgebauten "Cold-Case"-Abteilung weiter, die speziell Altfälle neu aufrollt. "Der Vermisstenfall steht nach wie vor im Fokus unserer Ermittler", sagt Elke Schönwald, Leiterin der Pressestelle im Polizeipräsidium Mittelfranken gegenüber inFranken.de. "Es erfolgt permanent ein Abgleich mit aufgefundenen toten oder vermissten Personen - auch im Ausland."

Zudem gingen immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei ein. Allerdings hätten sich daraus bisher keine Anhaltspunkte zum Verbleib der vermissten Frau ergeben.

Dennoch wird Heidi Dannhäusers Verschwinden bis heute auch in verschiedenen Medienformaten beleuchtet. So berichtete beispielsweise die ZDF-Sendung "Aktenzeichen ... XY ungelöst" vor zwei Jahren über den Vermisstenfall aus Fischbach. Aktuell finden in Fischbach Dreharbeiten der Sendereihe "37 Grad" statt, in der Heidi Dannhäusers Fall ebenfalls noch einmal aufgerollt wird. Die Ausstrahlung der Sendung ist für Anfang 2020 geplant.

Kräftezehrende Suche: "Es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt"

Wie es sich für Angehörige anfühlt, von heute auf morgen ein Familienmitglied zu verlieren und zudem nichts über dessen Verbleib zu wissen, kann sich vermutlich niemand vorstellen, der die Situation nicht selbst durchlebt hat. "Ich bin in den vergangenen Jahr doch ziemlich gealtert. Das Ganze verbraucht halt sehr viel Kraft in einem", sagt die 54-Jährige. "Es stimmt leider nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Wir leben vielmehr mit dem Problem. Trotzdem versuchen wir aber, alles positiv zu sehen."

Am stärksten nage an Prado, die Ungewissheit darüber, was mit ihrer großen Schwester damals überhaupt geschehen ist. "Das ist das eigentliche Schlimme. Ich habe einfach Angst davor, die nächsten 30 Jahre mit dieser Ungewissheit weiterleben zu müssen." Mehr als sechs Jahre dieser Ungewissheit liegen bereits hinter der Familie. Den Angehörigen kommt diese Zeitspanne dabei wesentlich kürzer vor. "Man merkt diese Jahre gar nicht. Man meint, das war erst gestern, das war doch erst", beschreibt Prado ihr Empfinden.

Heidi sei in irgendeiner Form immer bei ihr. "Wenn im Radio ein Lied aus unserer gemeinsamen Jugend kommt, kullern schon mal ein paar Tränen", sagt die 54-Jährige. "Sehe ich eine Briefträgerin, muss ich natürlich sofort an Heidi denken." Bisweilen richtet sie in Gedanken auch direkt das Wort an ihre verschwundene Schwester. "Wenn ich an einem schönen Ort bin, sage ich manchmal: Heidi, hier würde es dir auch gefallen."

Familie gibt nicht auf - offener Brief an verschwundene Heidi

Aufgeben kommt für die Familie der vermissten Fischbacherin indes nicht infrage. Auch nicht nach so langer Zeit. "Speziell jetzt, wenn sich ihr Verschwinden und ihr Geburtstag jährt, kommt die Erinnerung hoch. Das ist immer mit sehr vielen Emotionen verbunden." Und so wenden sich die Angehörigen am sechsten Jahrestag von Heidis Verschwinden auf ihrer Homepage schließlich mit einem offenen Brief an Heidi persönlich - für den Fall, dass diese noch am Leben ist und die Zeilen vielleicht liest.

 

"Hast du vielleicht geglaubt du fehlst uns nicht? Doch Heidi! Du fehlst uns tatsächlich sehr. Deine ansteckende Leichtigkeit, deine Fröhlichkeit ... deine Art, die einfachen Dinge im Leben wahrzunehmen und zu genießen", heißt es darin. "Vielleicht bist du ja doch noch irgendwo. Hoffentlich an einem schönen Platz und genießt dein Leben und hast nur noch nicht zurückgeblickt ... nach uns."

Auch für den Fall, dass Heidi einst aus freien Stücken ihr altes Leben zurückgelassen hat, haben die Angehörigen vorgebaut und reichen ihr diesbezüglich die Hand. Heidi brauche keine Angst zu haben, den Kontakt mit der Familie wieder aufzunehmen, sofern es ihr möglich ist. "Dein Leben hier wäre auch geebnet. Du könntest wieder neu anfangen. Tolle Dinge sind auch in der Zwischenzeit passiert, die dir gefallen würden. Und wir sind ja auch noch da und hätten dir so viel zu erzählen. In diesem Sinne machen wir weiter und drehen jeden Stein um."

 

 

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