Nürnberg

Gurken-Virus in Franken: Pflanzenkrankheit bedroht Ernte - wird das Gemüse teurer?

In Deutschland ist erstmals eine Pflanzenkrankheit nachgewiesen worden, die vor allem Kürbisgewächse wie Gurken, Zucchini oder Kürbisse angreift. Auch Franken ist davon betroffen. Sollte sich das Gurken-Virus ausbreiten, ist mit massiven Ernteeinbußen zu rechnen.
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Stefan Scherzer, Geschäftsführer von "Scherzer Gemüse" in Nürnberg, beim Prüfen seiner Pflanzenbestände. Sein Unternehmen ist vom neuen Gurken-Virkus "CABYV" verschont geblieben - andere fränkische Betriebe hatten weniger Glück. Foto: Scherzer Gemüse
Stefan Scherzer, Geschäftsführer von "Scherzer Gemüse" in Nürnberg, beim Prüfen seiner Pflanzenbestände. Sein Unternehmen ist vom neuen Gurken-Virkus "CABYV" verschont geblieben - andere fränkische Betriebe hatten weniger Glück. Foto: Scherzer Gemüse

Im vergangenen Sommer klagten etliche bayerische Landwirte, dass ihre Gurkenpflanzen mit einer unbekannten Krankheit infiziert waren. Insgesamt sank der Ernteertrag um bis zu 50 Prozent. Forscher des Braunschweiger Leibniz-Institut Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) haben nun wissenschaftlich nachgewiesen, was es mit der Pflanzenkrankheit auf sich hat.

Es handelt sich hierbei um das Virus "Cucurbit aphid-borne yellows virus" (CABYV), das erstmals 1988 in Frankreich entdeckt worden ist. Der Erreger wird von Blattläusen übertragen und befällt Kürbisgewächse wie Gurken, Zucchini oder Kürbisse. Eine Infektion führt unter anderem zu Chlorophyllmangel und Blattverdickung. Die Folge sind absterbende Blätter und Früchte, die mitunter zu massiven Ernteeinbußen führen.

Virus infiziert Gurken: Mindestens zehn Fälle in Franken

Auch Franken ist vom neuen Gurken-Virus in Deutschland nicht verschont geblieben: Wie Recherchen von inFranken.de ergeben haben, wurde die Infektion allein für das mittelfränkische Knoblauchsland in mehreren Fällen nachgewiesen. "Wir haben zehn Proben aus dem Nürnberger Raum untersuchen lassen. Sie alle waren belastet", sagt Patrick Nastvogel, Berater beim Gemüseerzeugerring Knoblauchsland.

Da es für das Virus keine Meldepflicht gibt, schätzt er die Dunkelziffer als "wesentlich höher" ein - nicht nur innerhalb der Region Nürnberg. "Ich bin selbst in Unterfranken unterwegs gewesen. Mein Eindruck war, dass auch dort Pflanzen mit dem Virus befallen waren." Für Oberfranken gibt der Fachmann gleichwohl Entwarnung - zumal es dort keine entsprechenden Betriebe gebe.

Verzehr von Gurken: Kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher

Virus-Fälle gebe es indes in ganz Deutschland. "Wir waren nur die Ersten, die sich darum gekümmert haben", betont Nastvogel. Dennoch warnt der Gemüseexperte vor Panikmache. "Das ist alles nicht so schlimm, wie man denkt. Ein neues Virus tritt alle paar Jahre auf." Für den Verbraucher bestehe keinerlei gesundheitliche Gefährdung.

Dies bestätigt Dr. Luitgardis Seigner, Mitarbeiterin am Institut für Pflanzenschutz der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising, gegenüber inFranken.de. "Wenn Gemüse mit einem Virus befallen ist, sieht man ihm das meist nicht an." Sein Verzehr sei aber dennoch unbedenklich. "Deswegen wird niemand krank." Stark infizierte Gurkenpflanzen würden zudem ohnehin nicht in den Verkauf gelangen.

Die Wissenschaftlerin nimmt an, dass das Gurken-Virus inzwischen weit verbreitet ist. Gleichwohl lägen diesbezüglich noch keine Daten vor, weil es sich nicht um einen "Quarantäne-Erreger" handele, bei dem die Behörden die Betriebe aufsuchen müssten. Geprüft werden könnten lediglich Pflanzen, die die Betriebe einschickten. Dennoch werde der Fall aufmerksam weiterverfolgt.

Erhebliche Ernteeinbußen und steigende Gurkenpreise möglich

Wachsam ist indes auch Stefan Scherzer, auch wenn das neue Gurkenvirus um sein Nürnberger Familienunternehmen "Scherzer Gemüse" bislang einen weiten Bogen gemacht hat. "Ich habe davon gehört, dass es auch bei uns in Franken zu Befall gekommen ist. Unser Betrieb ist davon aber verschont geblieben", hält Scherzer im Gespräch mit inFranken.de fest. Ganz gefeit davor seien landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien jedoch nie, da Läuse und andere Schädlinge meist von außerhalb kämen.

Auch wenn ihm die Kenntnis über das Gurken-Virus keine schlaflosen Nächte bereite, ist Scherzer zumindest hellhörig geworden, was das Thema anbelangt. "Man muss das wahrnehmen und flexibel sein - und nicht sagen: Das geht mich nichts an." Wie schnell und hartnäckig sich der Erreger ausbreite, sei ihm jedoch nicht bekannt.

Dort, wo die Pflanzenkrankheit grassiere, sei aber mit erheblichen Ernteeinbußen zu rechnen. "In dem Fall gibt es gar keine Ernte mehr. Diese Pflanzen können nicht einmal als Zweite-Wahl-Produkt verkauft werden. Hier muss der komplette Pflanzenbestand vernichtet werden." Die Folge: Wenn der Virusbefall zu einem flächendeckenden Problem werde, könnten über kurz oder lang die Gurkenpreise steigen.

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