Nürnberg
Rettungsdienste

"Grüne Welle" für Rettungskräfte: Nürnberg hat ausgeklügeltes System - München verzichtet darauf

Bereits in den 1960er-Jahren hat Nürnberg die "Grüne Welle" für Rettungskräfte eingeführt. Auch in anderen bayerischen Städten kommt das System zum Einsatz. München verzichtet noch darauf.
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Für Rettungskräfte werden die Ampeln in Nürnberg extra auf Grün geschaltet. Die sogenannte "Grüne Welle"lässt Einsatzkräfte seit den 1960er Jahren profitieren. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Für Rettungskräfte werden die Ampeln in Nürnberg extra auf Grün geschaltet. Die sogenannte "Grüne Welle"lässt Einsatzkräfte seit den 1960er Jahren profitieren. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Verstopfte Straßen können Rettungsdienste oft wertvolle Sekunden kosten. Einige bayerische Großstädte, wie zum Beispiel Nürnberg, setzen daher auf die sogenannte "Grüne Welle". Auf dem Weg zum Einsatz werden alle Ampeln auf Grün geschaltet. Während manche Städte nach wie vor auf Blaulicht und Sirene setzen, sammeln die Nürnberger bereits seit Jahren gute Erfahrungen mit der Grün-Schaltung im Notfall.

Nürnberger Technik als europäisches Vorbild: Zentrale kann 230 Ampeln auf Grün schalten

Mit Stolz berichtet ein Sprecher des Nürnberger Planungsreferats über die dortige Feuerwehrdurchgangsschaltung. "Unser System funktioniert schon seit den 1960er-Jahren prima. Aus ganz Europa bekommen wir Besuch, der sich unsere Technik anschauen will", sagt er. "Im Notfall können über eine Zentrale 230 Ampeln auf Grün geschaltet werden. Ist das letzte Fahrzeug eines Zuges über die Straße gefahren, gibt es der Zentrale Bescheid und die Strecke wird wieder freigegeben." Einer der Vorteile sei, dass die Stadt wegen der kurzen Anfahrtszeiten so mit vergleichsweise wenig Wachen auskomme.

Regensburg und Augsburg: Auch hier gibt es die "Grüne Welle"

Auch in Regensburg und Augsburg kommt das System zum Tragen. Allerdings noch nicht so lange wie in Nürnberg. Regensburg habe die Grüne Welle schätzungsweise 1985 eingeführt, berichtet eine Stadtsprecherin gegenüber der dpa.

"Wir setzen weiter auf Blaulicht und Sirene": Würzburg behält das klassische System

In Würzburg wurden auch Überlegungen zum System angestellt. Diese wurden nach Abwägungen aber wieder verworfen: Wir setzen weiter auf Blaulicht und Sirene. Wir sind zu klein für große Ausfallstraßen und sehen hier auch ein technisches Problem, da wir jedes Fahrzeug ausstatten müssten", sagt ein Sprecher der Stadt Würzburg.

München zu groß für das System? Einsatzsignal oft günstiger

In München existiert die "Grüne Welle" auch nicht. "In einer Großstadt wie München kann nie vorausgesagt werden, welche Wege Rettungsfahrzeuge zu ihren Zielen nehmen müssen", sagt ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats. Oftmals sei es günstiger, mit Einsatzsignal an wartenden Fahrzeugen vorbei über Rot zu fahren und dann eine eher freie Fahrbahn vor sich zu haben.

FDP-mut-Stadtratsfraktion will "Grüne Welle" für München - Antrag bereits gestellt

Entgegen dieser Aussagen möchte die FDP-mut-Stadtratsfraktion eine "Grüne Welle" etablieren: Vor wenigen Wochen stellte die Fraktion einen Antrag, den die Verwaltung jetzt prüfen muss. "Es darf nicht sein, dass die Einsatzkräfte trotz Blaulicht und Martinshorn in Münchens verstopften Straßen feststecken. Nach einem Unfall, bei einem Brand oder in sonstigen Gefahrenlagen müssen die Retter so schnell wie nur irgend möglich am Einsatzort sein. Die smarten Ampeln sollen das ermöglichen", so Stadtrat Thomas Ranft.

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