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Nürnberg
Besichtigung

Geheime Orte in Franken: Einblicke in Nürnbergs Fernsehturm

Seit 1992 ist der Nürnberger Fernsehturm für die Öffentlichkeit geschlossen. Am 5. und 6. September dürfen 660 Besucher an den sonst geheimen Ort.
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Finanzminister Markus Söder schaute beim ersten Besichtigungs-Wochenende auf dem Fernmeldeturm im Juni 2015 ins Nürnberger Land. Auch am 5. September wird er wieder droben sein. Foto: News5 / Herse
Finanzminister Markus Söder schaute beim ersten Besichtigungs-Wochenende auf dem Fernmeldeturm im Juni 2015 ins Nürnberger Land. Auch am 5. September wird er wieder droben sein. Foto: News5 / Herse
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Ein bisschen Show muss sein, weil sich der Finanz- und Heimatminister gar so freut: Auf dem Fernsehturm ist Markus Söder in seinem Element. Er lacht, deutet hinaus in das 360-Grad-Panorama über Nürnberg und erzählt, wie er als Kind aus seinem Elternhaus direkt auf das höchste Gebäude Bayerns schauen konnte. Im Juni war er zuletzt oben, als sein Ministerium ein Wochenende der offenen Tür veranstaltet hatte. Weil der Ansturm so groß war, gibt es im September (Anmeldung am Ende dieses Artikels) zwei weitere Termine für eine Besichtigung im "Nürnberger Ei" - das vor 23 Jahren zu einem geheimen Ort mutierte.

1992 war das Schicksalsjahr des Fernmeldeturms (Volksmund: Fernsehturm), dessen Geschichte mit der Eröffnung eines Drehrestaurants und einer Aussichtsplattform so hoffnungsvoll begann. Ab 1980 war er ein beliebtes Ausflugziel, sogar Hochzeiten und Silvesterbälle wurden oben gefeiert. Oben ist ziemlich hoch: Mit 292,8 Metern übertrumpft der Nürnberger Fernmeldeturm sogar den 291,28 Meter hohen Olympiaturm in München.

Betrieb war nie rentabel

Das Drehrestaurant im Nürnberger Riesen liegt etwas tiefer, mit 189,10 Metern aber immer noch schwindelerregend himmelsnah und erdfern. Es gibt Blicke frei, die digitalisierte Landkarten nicht ersetzen können. Nach vorne, nach oben und natürlich rundum - ein wunderbares Panorama weit hinaus über Stadt und Land, wie ein Presserundgang zeigte. Drückt man die Nase ans Fenster und schaut steil nach unten, kann einem schon auch schwummrig werden ...

Schöne Aussicht hin oder her: Restaurant und Plattform waren wegen der hohen Unterhaltskosten für die technischen Einrichtungen wie den Aufzug nie rentabel, weshalb der Betrieb nach mehreren Pächterwechseln 1992 eingestellt wurde. Seitdem steht das "Nürnberger Ei", wie das Bauwerk wegen seines eiförmigen Turmkorbs auch genannt wird, vor sich hin und prägt unverdrossen das Nürnberger Stadtbild.

Von der Telekom-Tochter "Deutsche Funkturm" wird es seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß nach wie vor als Antennenträger für Fernsehen und Radio genutzt und vermietet, für die Öffentlichkeit bleibt es verschlossen. Immerhin kann man den Ausblick digital nachempfinden: Eine auf Plattform 1 in 193 Metern Höhe installierte Kamera liefert unter http://www.webcam-nuernberg.de eine Rundumsicht und aktuelle Wetterdaten, außerdem kann man elektronische Postkarten über die Internetseite verschicken und kostenlos Bilder herunterladen.

Pläne scheiterten an den Kosten

Immer wieder gab es nach der Schließung Pläne für eine neue Nutzung, die an die Deutsche Funkturm oder die Stadt Nürnberg herangetragen wurden. Aber ob die Idee Ausstellungsraum, Diskothek, Nobelrestaurant oder Spielbank hieß: Alle scheiterten an den Kosten. Neue Bewegung in die Sache kam im September 2013, als sich Bürgerinitiativen aus Schweinau, dem Stadtteil und Standort des Fernsehturms, an Markus Söder wandten. Vielleicht, so ihre Hoffnung, könnte er als Nürnberger Urgewächs doch noch etwas für die Wiederbelebung des Turm tun.

Und Söder tat. "Ich habe mich selbst jahrelang über den Stillstand am Fernsehturm geärgert", sagt er. Seine Mutter habe oft zu Geburtstagen ins Drehrestaurant eingeladen und auch sonst sei er als Kind oft oben gewesen. Deshalb bezeichnet Söder das "Ei" als ein Stück Heimat. Deshalb stellte er auf die Bürgeranfragen hin im September 2013 einen Prüfantrag ans Staatliche Bauamt. Es sollte klären, ob der Fernsehturm wieder für die Bürger zugänglich gemacht werden kann.

Im Juli 2014 präsentierte Söder das Ergebnis stilgerecht hoch droben im ehemaligen Drehrestaurant: Keine Chance. Allein zwölf bis 14 Millionen Euro würde es kosten, den Turm zu modernisieren und Investoren anbieten zu können. Ganz verloren geben wollte Söder das Bauwerk jedoch nicht, weshalb die Idee eines Tags der offenen Tür entstand. Und was vor einem Jahr noch als Tag geplant war, wurde durch die große Resonanz schnell zu mehreren Wochenenden. "Der Ansturm auf die Tickets für die erste Besichtigungsaktion im Juni war riesig, es gab lange Warteschlangen", sagt eine Sprecherin des Nürnberger Heimatministeriums. "Um das zu vermeiden, kann man sich für das zweite Aktions-Wochenende schriftlich anmelden."

Unten original, oben leer

Wer ein Ticket für den 5. oder 6. September ergattert, wird sich unmittelbar in frühere Zeiten versetzt fühlen: Der Eingangs- und Kassenbereich ist original erhalten mit alten Plakaten und Raufasertapeten. Dahinter befinden sich die Aufzüge, von denen einer stillgelegt wurde, den zweiten nutzen Techniker. Immer fünf Besucher dürfen darin hinauf ins ehemalige Restaurant, 330 pro Tag und für eine halbe Stunde. Spannend der Moment vor dem "Wiedereintritt" in Erinnerungen von früher, ernüchternd der Anblick: Vom alten Charme ist nichts mehr übrig. Alles leer, nackter Betonboden, aus den Wänden hängen Kabel. Dem Zweck des Besuchs tut das keinen Abbruch: Die Aussicht ist rundherum grandios.

An beiden Tagen gibt es zusätzlich ein Rahmenprogramm, das vom Heimatministerium organisiert wird. Dessen Ausstellung im Eingangsbereich des Fernmeldeturms mit begehbarem Bodenbild, 3D-Gebäudemodellen und 3D-Flugsimulation wird durch das Museum für Kommunikation Nürnberg ergänzt. Es bringt nicht nur Infos zu Turm, Technik und Architektur mit, sondern auch Zeitzeugen als Ansprechpartner für Fragen der Besucher auf der Plattform.


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Fernsehturm
Am 5. und 6. September findet jeweils von 9 bis 20 Uhr die zweite exklusive Besichtigung des Nürnberger Fernmeldeturms statt. Anmelden kann man sich (ab 18 Jahren, maximal zwei Tickets pro Person) bis 31. Juli per Mail an fernmeldeturm@stmflh.bayern.de oder Postkarte an: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, Bankgasse 9, 90402 Nürnberg. Das Kontingent ist auf 660 Personen begrenzt. Sollten sich bis 31. Juli mehr Bewerber gemeldet haben als Tickets vorhanden sind, entscheidet das Los. Weitere Infos gibt es unter www.stmflh.bayern.de/aktuelles/fernmeldeturm.

















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