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Fußball

Frankenderby: Die Mutter aller Derbys ist eine Fränkin

Das Frankenderby spaltet die Region. Am 26. Februar treffen der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth zum 260. Mal aufeinander.
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Frankenderbys sind hart umkämpft und hoch emotional. 2014 rettete Club-Torhüter Patrick Rakovsky vor dem Fürther Johannes Wurtz.Foto: David Ebener/dpa
Frankenderbys sind hart umkämpft und hoch emotional. 2014 rettete Club-Torhüter Patrick Rakovsky vor dem Fürther Johannes Wurtz.Foto: David Ebener/dpa

Liverpool gegen Manchester, Real Madrid gegen Barcelona, Celtic gegen Rangers: so ziemlich jede Profiliga hat ein geschichtsträchtiges, emotional aufgeladenes Derby. In Deutschland wird an dieser Stelle häufig das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 angeführt. Das ist aber Quatsch! Die Mutter aller Derbys kommt aus Franken. Und am 26. Februar findet die 260. Auflage statt.


Das älteste und häufigste Derby Deutschlands

Der 1900 gegründete 1. FC Nürnberg und die 1903 gegründete Spielvereinigung Fürth duellierten sich erstmals 1902. Zu diesem Zeitpunkt trat der "Glubb" aber gegen den TV 1860 Fürth an und gewann 15:0. Am 18. September 1904 fand dann das erste Derby gegen die SpVgg Fürth statt, das Nürnberg mit 3:0 gewann. Inzwischen trafen beide Kontrahenten ganze 259 Mal aufeinander. Zum Vergleich: Die Partie Borussia Dortmund gegen Schalke 04 gab es bislang nur 169 Mal.
 


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Fußballhochburg Franken

Besondere Brisanz erhält das Frankenderby durch die historische Bedeutung Frankens für den deutschen Fußball. Vor allem in den 1920ern dominierten die beiden fränkischen Vereine das Fußballgeschehen in Deutschland. Das machte sich auch in der Nationalmannschaft bemerkbar. Für ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Amsterdam wurden 1924 ausschließlich Spieler aus Nürnberg und Fürth nominiert. Weil die sich aber nur wenige Tage zuvor beim 76. Derby auf heftigste Art und Weise beackerten, reiste die Nationalmannschaft zwar im selben Zug, aber in verschiedenen Abteilen in die Niederlande - die Fürther im vorderen, die Nürnberger im hinteren Teil des Zuges. Die Nationalelf gewann die Begegnung. Der Fürther Karl Auer erzielte den Siegtreffer, doch während die Fürther Spieler noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen feierten, verschwanden die "Glubberer" der Nationalmannschaft in den Kabinen.

 

 

 


FCN führt die Statistik an - Fürth holt aber auf

In 137 der 259 Partien behielten die Schwarz-roten die Oberhand. 47 Spiele endeten unentschieden, die restlichen 73 Duelle entschieden die Fürther für sich. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass bei dieser Rechnung noch zwei Spiele fehlen: die wurden nämlich abgebrochen, eines davon vor dem Sportgericht für Fürth gewertet. Seit dem Jahrtausendwechsel poliert Fürth die Statistik aber ziemlich erfolgreich auf. In den 15 Aufeinandertreffen seit dem Jahr 2000 ergatterte der FCN nur zwei Mal den "Dreier", Fürth dagegen gewann sieben Mal. Sechs Frankenderbys endeten ohne Sieger.


Frankenderby: Brisanz durch Nähe

Weniger als 15 Kilometer liegen zwischen dem "Grundig Stadion" in Nürnberg und dem Fürther Stadion, das inzwischen "Sportpark Ronhof Thomas Sommer". Was Fußball angeht, trennen die Anhänger beider Vereine jedoch Welten. Und das gewissermaßen traditionsbedingt. Schon am 6. Oktober 1929 machte ein Frankenderby aufgrund seiner Härte Schlagzeilen: Dort hagelte es neben drei Platzverweisen stolze 87 Freistöße, Endstand war 1:1. Im Jahr 2004 und 2009 sorgten Nürnberger Fans für Furore, als sie rund 3000 Anhänger mobilisierten und einen Fanmarsch zum Frankenderby in die ungeliebte Nachbarstadt organisierten. Einen unrühmlichen Höhepunkt stellte der Feuerlöscher-Wurfeines Nürnberger Anhängers 2014 dar.

Dass derartige Emotionalität für den eigenen Verein aber durchaus auch positiv sein kann, zeigt ein Rekord, den beide Fanlager bis heute zusammen innehaben: In der Saison 1996/1997, als beide Teams in der Regionalliga Süd (damals dritte Spielklasse) zugange waren, trafen die Rivalen im DFB-Pokal aufeinander. Diese Partie hält bis heute den Rekord für ein Pokalspiel zwischen Drittligisten. 44.181 Zuschauer sahen sich die Begegnung live an.


Frankenderby 2016: Seitenwechsel für Zoltan Stieber

Nürnbergs Winterzugang Zoltan Stieber weiß, wie man Frankenderbys gewinnt. 2012 und 2013 verlor er kein einziges - allerdings damals noch im weiß-grünen Trikot der Kleeblätter. Jetzt wechselte der 27-jähriger Ungar auf Leihbasis vom HSV an den Max-Morlock-Platz. Am 26. Februar wird der Offensivmann also doppelten Druck verspüren. Er muss nicht nur den nach Gelsenkirchen abgewanderten Alessandro Schöpf ersetzen, sondern zudem noch die wahrscheinlich feindselige Stimmung aus dem Fürther Block aushalten.


Wo kann ich das 260. Frankenderby sehen?

Die gute Nachricht für alle Freunde des Stadionbesuchs: Das Spiel findet im Nürnberger Stadion statt, das mit 50.000 Plätzen deutlich mehr Kapazitäten als der Sportpark Ronhof hat, in den lediglich 18.000 Zuschauer passen. Tickets sind aktuell im Ticket Shop des FCN ab 14,00 Euro erhältlich. Fürther Dauerkartenbesitzer können sich bei der Sonntagspartie gegen den FC St. Pauli (07.02, 13.30 Uhr) Karten für das Frankenderby sichern. Die Restkontingente werden dann für alle ab dem 10.02 im Fürther Online-Ticketshop erhältlich sein.

Wer sich das Spiel vor dem Fernseher ansehen möchte, kann nur auf den Bezahlsender Sky zurückgreifen. Für alle ohne Sky-Abo gibt es dann aber noch zahlreiche Kneipen, in denen die Mutter aller Derbys über die Leinwand flimmert und kalte Getränke serviert werden. Und wenn die Mutter aller Derbys eine Fränkin ist, ist dann ein Frankenderby ohne fränkisches Bier nicht so etwas wie der ungeliebte Schwiegersohn?

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