Washington
Kurioses

Franke vermietet nach Blizzard sein Iglu in Washington

Sicher wohnen, selbst wenn der Wintersturm draußen tobt. Unter diesem Motto wurden in den USA Iglus gebaut und sogar zur Miete angeboten. Bei der Einweihungsparty von Johannes Friedrichs Iglu gab es Glühwein vom Christkindlesmarkt.
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In dieses Schneehaus sollen sechs Personen und ein Hund passen. Johannes Friedrich und Anna Spiller haben ein Iglu vor ihrer Haustüre in Washington errichtet. Foto: privat/Friedrich
In dieses Schneehaus sollen sechs Personen und ein Hund passen. Johannes Friedrich und Anna Spiller haben ein Iglu vor ihrer Haustüre in Washington errichtet. Foto: privat/Friedrich
Ein Iglu, darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Eine halbe Toilette - mit dieser Assoziation wird es schon etwas schwieriger. Genau so ein halbes Klosett hat es aber scheinbar in die Inneneinrichtung von Johannes Friedrichs neuer Schneeunterkunft in Washington geschafft - ebenso eine Luftmatratze.

Friedrich ist zwar in Magdeburg geboren, lebte aber viele Jahre in Nürnberg und kann sich als "Franke" identifizieren. Seit zweieinhalb Jahren lebt und arbeitet er als Umweltpolitik-Berater in den USA. So kommt es zu folgender Schlagzeile: "Ein Franke baut am Straßenrand in Washington ein Iglu und vermietet es als kurzfristige Bleibe im Internet."
Gemeinsam mit seiner Freundin Anna Spiller aus dem bayerischen Burglengenfeld hat Friedrich nach dem Blizzard "Jonas" - dem heftigen Schneesturm, der kürzlich über die US-Ostküste hinweg gefegt ist - die Schneemassen für ein ungewöhnliches Bauprojekt genutzt.


New Yorker ebenso erfinderisch

Was Johannes Friedrich weiß, und keinesfalls abstreitet: Eine Gruppe New Yorker hatte diesen Einfall auch. Und selbst die Freunde aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn waren nicht die Ersten: In Boston hatte ein Mann bereits im vergangenen Jahr ein Iglu für zehn Dollar pro Nacht vermietet.

In diesem Jahr waren die New Yorker um Patrick Horton zwar schneller als Johannes Friedrich - und in vielen Medien bisher auch präsenter -, das Angebot des Franken aber ist langlebiger. Denn, eines unterscheidet das Schneehaus in Washington von dem "Boutique-Winter-Iglu für 2" in der amerikanischen Hauptstadt: Die Anzeige im Netz ist noch nicht gelöscht.

Hortons Iglu sei "sehr gut gebaut", entspreche aber nicht den Wohn-Standards. Dies schrieb laut der Deutschen Presse-Agentur ein Mitarbeiter des Onlineübernachtungsdienstes AirBnB den Freunden. Horton erhielt ein Guthaben von 50 Dollar, um selbst eine Unterkunft zu mieten. Der Mitarbeiter schrieb ihm: "Wähle eine Unterkunft mit fließendem Wasser, Strom und einem Dach, das nicht schmilzt." In Brooklyn habe sich der Bau trotz des langsam schmelzenden Iglus gelohnt, sagte Horton: "Die Frauen lieben es."


Bisher noch keine Anfragen

Johannes Friedrich dagegen kann Mietinteressenten folgende Konditionen bieten: 237 Euro für eine Nacht und bis zu sechs Personen plus Hund, kabelloses Internet vom Haus nebenan inklusive.

Mit den Worten "Built with German engineering and American supervision..." - was so viel bedeutet wie: "Errichtet mit deutscher Ingenieurskunst und unter amerikanischer Fachaufsicht" - bewerben Anna und Johannes das Iglu im Internet. Die New Yorker um Horton schrieben dagegen in ihrer Anzeige von einem Iglu, mit den Händen gebaut, gefüllt von "Erfindergeist und einer Aura alternativen Lebensstils". Kurzum: vom "begehrenswertesten Zufluchtsort" im Sturm.

Welcher Iglu-Vermieter sich letztlich von welchem Konkurrenten inspirieren ließ, tut nicht zur Sache. Weniger ging es nämlich um den Durchbruch einer eisigen Geschäftsidee, als vielmehr um Zeitvertreib.


Freunde helfen beim Bau mit

Der schwere Wintersturm hat die Menschen an der Ostküste entschleunigt: alle Straßen dicht, alle öffentlichen Verkehrsmittel außer Betrieb, die Büros geschlossen. Da blieb einem erst einmal nicht viel mehr übrig, als sich im Haus zu verschanzen, erinnert sich Johannes Friedrich.

Aber die beiden mussten nicht alleine der winterlichen Dinge harren, die da kommen: "Wir haben am Wochenende Besuch von Freunden aus dem Nachbarstaat bekommen, die lieber bei uns eingeschneit sein wollten, als zu Hause." Und dann - mitten im Blizzard - haben sich die Freunde mit Handschuhen und Schneeschaufel bewaffnet. "Es ist am Ende viel größer geworden als erwartet", schreibt Friedrich.

Am Sonntagabend, als das schlimmste Schnee-Tohuwabohu vorüber war, kuschelten sich sechs Erwachsene und ein Hund im Iglu zusammen. Zum Aufwärmen gab es Glühwein - original Nürnberger Christkindlesmarkt Glühwein, erzählt Friedrich.

Ein politisches Statement wollte der Franke mit seinem Iglu nicht gezielt hinterlassen - trotz seiner Arbeit in der Klimapolitik. Verbunden mit der Aktion ist nichtsdestotrotz die Hoffnung, dass es auch in Zukunft genug Schnee für Iglu-Bauten geben wird - ob zur Untermiete oder einfach nur zur gelungenen Abwechslung im Schneetreiben.

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