Zirndorf
Wachpersonal

Flüchtlinge in Zirndorf: Sparen an der Sicherheit

Im Flüchtlingslager in Zirndorf herrscht bei der Anstellung privater Sicherheitsdienste enormer Kostendruck. Bei der öffentlichen Ausschreibung hat besser ausgebildetes Personal das Nachsehen.
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Asylbewerber stehen in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf am Eingang zur Kantine. Foto: Daniel Karmann/dpa
Asylbewerber stehen in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf am Eingang zur Kantine. Foto: Daniel Karmann/dpa
Das Bild ist schockierend: Es zeigt, wie Sicherheitspersonal in einem nordrhein-westfälischen Asylbewerberheim Flüchtlinge demütigt. Ein Mensch liegt gefesselt am Boden. Der Wachmann posiert mit dem Fuß auf dem Kopf des Opfers.

Die Vorfälle haben eine Diskussion über die Sicherheitsbranche ausgelöst. Im Zentrum der Kritik: Die Vergabepraxis der Aufträge durch die öffentliche Hand. "Bei der Ausschreibung stehen die Kosten im Vordergrund und nicht die Qualifikation des Personals", sagt Peter Spies von der Firma Arndt. Die Sicherheitsfirma aus Fürth war rund 20 Jahre lang im Erstaufnahmelager in Zirndorf für den Wachschutz tätig. Seit einigen Jahren habe man allerdings den Zuschlag bei den öffentlichen Ausschreibungen nicht mehr bekommen. Der Grund: Die Konkurrenz sei schlicht billiger gewesen, sagt Spies.


Anstatt auf Personal mit Ausbildung hätten Firmen mit angelernten Kräften den Zuschlag bekommen. Das Angebot der Firma Arndt habe höher ausgebildetes Personal enthalten, sagt Spies. Allerdings auch das teurere. Aus seiner Sicht mache es einen deutlichen Unterschied, ob Personen mit einer zweijährigen Ausbildung zur "Servicekraft für Schutz und Sicherheit" angestellt werden oder ob eine sogenannte "Sachkundeprüfung" bei der IHK ausreicht. Letztere umfasst 40 Unterrichtsstunden. "Menschen mit Ausbildung kosten einfach mehr", sagt Spies.

Einfachere Schulung genügt

Die Firma Siba, die momentan im Zirndorfer Flüchtlingslager aktiv ist, hat fast ausschließlich Personen mit Sachkundeprüfung vor Ort. "Von Dumping kann man nicht reden", sagt Hartmut Küken von Siba. Der Markt fordere kaum höher geschultes Personal. Die öffentliche Hand mache da keine Ausnahme. Die Anforderungen für den Auftrag in Zirndorf habe seine Firma voll erfüllt. Geprüft werden die Angestellten einmalig vom Ordnungsamt, das Einblick in das Bundeszentralregister hat. "Viele Kunden bestehen auf jährliche Vorlage des Führungszeugnisses", sagt Küken. Bei öffentlichen Aufträgen sei das nicht immer der Fall.

Die Regierung von Mittelfranken konnte zu den Modalitäten bei der Auftragsvergabe bislang auf Anfrage unserer Zeitung keine Auskunft geben. Ein "individuelles Eingehen auf einzelne Fragen" sei derzeit nicht möglich. So war von der Behörde auch nicht zu erfahren, ob nach den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen die Anforderungen an private Wachdienste verschärft werden.

Seit Mitte des Jahres steigt der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland enorm an. Die Asylbewerberheime und die Notunterkünfte sind übervoll. So auch das Erstaufnahmelager in Zirndorf. Dass es zu Reibereien unter den Bewohnern kommt, sei angesichts der Enge und der sehr unterschiedlichen Herkunft der Menschen nicht zu vermeiden, sagt Susi Möller von der Sozialberatung der Rummelsberger Diakonie.

Sicherheitsdienst übernimmt wichtige Aufgaben

Die Polizeipräsenz habe geholfen, die Situation zu entschärfen. Seit Ende August sind Polizisten in Uniform auf dem Gelände anwesend. Mit Bezug auf die Diskussionen um Wachpersonal in Asylbewerberheimen betont die Sozialpädagogin, wie wichtig deren Arbeit ist: "Würde der Sicherheitsdienst abgeschafft, wäre eine ganz wichtige Aufgabe neu zu besetzen."

Essensausgabe und Erste Hilfe

Der Wachdienst würde nicht nur das Gebäude nach außen sichern und Streitigkeiten zwischen den Bewohnern schlichten, sagt Möller. Die Sicherheitsleute übernähmen auch die Eingangskontrollen oder würden für den geregelten Ablauf bei der Mittagsessenausgabe sorgen.Vor allem am Wochenende, wenn die Sozialberatung in den Unterkünften nicht immer besetzt ist, komme dem Sicherheitsdienst eine große Verantwortung zu. Kommt es zu Notsituationen, seien die Wachleute die Ersthelfer, die den Notarzt rufen. "Wir arbeiten sehr gut mit ihnen zusammen. Ich könnte mir nicht vorstellen wie es ohne sie geht", sagt Möller.

Polizei zeigt in Zirndorf Präsenz

In Zirndorf und den dazugehörigen Notunterkünften sind nach Angaben der Regierung von Mittelfranken momentan um die 2750 Menschen untergebracht. "Vereinzelt gab es unter den Bewohnern familiäre Probleme", sagt Polizeisprecherin Elke Schönwald. Bisher habe es "keine nennenswerten Sicherheitsstörungen" gegeben. Probleme mit Angestellten der privaten Sicherheitsdienste seien nicht vorgekommen, sagt Schönwald. Die Polizei sei als Ansprechpartner vor Ort und um durch ihre Präsenz Sicherheit zu vermitteln.
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