Nürnberg
Filmprojekt

Extremsportler im Porträt: Nürnberger geht mit Kamera über Grenzen

Lukas Miller hat fünf Extremsportler mit der Kamera begleitet. Der 23-jährige Filmstudent aus Nürnberg ist in Ägypten ohne Atemgerät getaucht und mit einem Seilakrobaten über Berge balanciert. Derzeit sitzt er Tag und Nacht im Schnittraum, um sein Projekt zu vollenden. Wir haben mit dem Filmemacher gesprochen.
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Für seine Bachelorarbeit hat Lukas Miller mehrere Filmepisoden über das Thema "Sportliche Grenzerfahrung und die Beweggründe im Ausdauer- und Extremsport" gedreht. Dafür konnte der 23-jährige Filmstudent bekannte Sportler gewinnen, die allesamt schon Europa- und Weltrekorde brechen konnten, zum Beispiel Speedskydiver Moritz Friess (Fallschirmspringen mit Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h). Alle Fotos: Privat/Lukas Miller
Für seine Bachelorarbeit hat Lukas Miller mehrere Filmepisoden über das Thema "Sportliche Grenzerfahrung und die Beweggründe im Ausdauer- und Extremsport" gedreht. Dafür konnte der 23-jährige Filmstudent bekannte Sportler gewinnen, die allesamt schon Europa- und Weltrekorde brechen konnten, zum Beispiel Speedskydiver Moritz Friess (Fallschirmspringen mit Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h). Alle Fotos: Privat/Lukas Miller
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Frage: Sie arbeiten derzeit an Ihrem Dokumentarfilm-Projekt "Über die Grenze". In welcher Situation sind Sie selber an ihre Grenze gestoßen oder haben sie vielleicht sogar übertreten?
Lukas Miller: Der Dreh mit dem Slackliner in den Alpen war am extremsten. Ich stand mit der Kamera an einer Bergkante, an der es 800 Meter steil in die Tiefe ging. Teilweise stand ich mit den Füßen auf einem kleinen Felsen und musste auch noch mit den Augen durch den Sucher schauen. Das war für mich schon ein extrem mulmiges Gefühl. Seilakrobat Julian Mittermaier ist das natürlich gewohnt und schwindelfrei. Natürlich hat er mich dann auch noch überredet, selbst auf die Slackline in dieser Felsspalte zu klettern. Er hat mir einfach keine Wahl gelassen. Also bin ich drauf. Natürlich mit einem Sicherungsseil. Aber trotzdem kamen mir fast die Tränen. Man hängt an einem einzigen Seil und spürt die Urängste. Danach ist man einfach nur froh. Der Kick danach ist krass.

Sie haben versucht, nicht nur extreme Bilder zu machen, sondern auch die Persönlichkeiten der fünf Extremsportler einzufangen. Gibt es etwas, das alle Extremsportler, die sie begleitet haben, gemeinsam haben?
Miller: Genau genommen gibt es zwei Dinge, die alle gemeinsam haben. Jeder steht extrem auf das, was sie tun. Für sie ist ihr Sport das Beste, was sie sich im Leben überhaupt vorstellen können. Die andere Gemeinsamkeit ist die Natur. Alle bewegen sich im Freien. Das Unberührte spielt bei allen eine große Rolle. Der Slackliner ärgert sich nicht über den extremen Wind, der ihn die ganze Zeit fast vom Seil weht. Der ärgert sich auch nicht darüber, dass er mit letzter Kraft die Nägel in den Felsen hauen muss. Der Taucher kümmert sich nicht um die Strömungen im Meer und hat auch keine Angst vor Haifischen. Das kümmert ihn alles überhaupt nicht. Alle konzentrieren sich total auf ihr Ding. Das erinnert fast an Meditation. Die Konzentration vor einem Tauchgang ohne Atemgerät zum Beispiel ist extrem. Dann ist der Jens Stötzner ohne Flossen und mit einem Atemzug 63 Meter ins Rote Meer hinabgetaucht.
 
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Sie haben mit ihrem Filmprojekt auch ein ehrgeiziges Ziel verfolgt. Wie haben Sie das alles geschafft?
Miller: Ich hatte oft Panik. Irgendwie hat am Ende alles geklappt. Ich hatte in Ägypten eine Drohne dabei. Dort gilt so ein Fluggerät aber immer noch als militärisches Spionagegerät. Ich hatte bei der Ausreise am Flughafen in Sharm-el-Sheik einen verdammt hohen Puls, weil ich befürchtete, dass sie mir das Ding abnehmen und mich ins Gefängnis werfen. Einem Schweizer soll das kürzlich passiert sein. Aber gelohnt hat sich die Drohne am Ende auf jeden Fall. Wir haben tolle Bilder vom Meer bei Sonnenaufgang damit geschossen.

Sie haben im Internet auch Geld für ihr Projekt gesammelt. Haben die Spenden ausgereicht?
Miller: Am Ende hatte ich durch die Crowdfunding-Kampagne im Internet 2500 Euro zur Verfügung. Ich musste natürlich noch eigenes Geld dazuschießen; dafür hatte ich vorher schon gearbeitet und gespart. Insgesamt belaufen sich derzeit die Kosten auf etwa 6500 Euro. Aber ich bereue wirklich keinen einzigen Cent, den ich in das Projekt gesteckt habe.

Wollen Sie den fertigen Film immer noch kostenlos im Internet zeigen?
Miller: Ja klar! Das war von Anfang an der Plan. Mir geht es nicht ums Geld. Ich will am Ende nur möglichst viele Leute erreichen und ihnen zeigen, dass auch Extremsportler ganz normale Menschen sind. Mit Ängsten und Sorgen und Nöten. Aber das es sich auf jeden Fall lohnt, bis an seine Grenzen zu gehen. Ob es sich lohnt, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen, das muss am Ende jeder für sich selber entscheiden.

Was ist noch zu tun bis zur Premiere von "Über die Grenzen"?
Miller: Ich habe tonnenweise Filmmaterial, das ich sortieren und schneiden muss. Gleichzeitig wird die Musik komponiert, die Homepage erstellt, Texte geschrieben und Einladungen verschickt. Am 17. Juli geht meine Seite (www.sportepisoden.de) online. Dort kann sich jeder meine fünf Filmbeiträge über die Extremsportler kostenlos anschauen. Dazu gibt es natürlich noch jede Menge Bonusmaterial. Die Zeit bis dahin wird verdammt knapp. Aber ich nehme mir einfach an den Extremsportlern ein leuchtendes Beispiel.

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