Nürnberg
Nürnberger Christkind

Ex-Christkinder erzählen: So hat mich das Amt weitergebracht

Das Ehrenamt des Nürnberger Christkinds ist nicht nur der Traum vieler Mädchen, sondern auch ein stressiger Job bei kalten Temperaturen. Drei frühere Christkinder erklären, wie das Amt sie weitergebracht hat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die zweijährige Amtszeit des Nürnberger Christkindes Rebecca Ammon geht nach diesem Weihnachten zu Ende. Foto: Daniel Karmann/dpa
Die zweijährige Amtszeit des Nürnberger Christkindes Rebecca Ammon geht nach diesem Weihnachten zu Ende. Foto: Daniel Karmann/dpa

Für viele Nürnberger Mädchen ist es ein großer Traum: Christkind sein und den berühmten Weihnachtsmarkt eröffnen. Seit fast 70 Jahren wird dieser Brauch in der fränkischen Stadt gepflegt. Dabei ist der Job als goldgelockter Engel mit Wallekostüm und Krönchen kein Zuckerschlecken.

In den vier Wochen vor Weihnachten müssen die Christkinder rund 150 Termine absolvieren - in Altenheimen, Krankenhäusern, bei Obdachlosen und natürlich auf dem Christkindlesmarkt. Kalte Füße sind dabei oft garantiert. Und doch empfehlen ehemalige Christkinder das Ehrenamt wärmstens, es präge fürs ganze Leben.

Vom Christkindlesmarkt ans Theater

Heike Steinbauer zum Beispiel zog es zum Theater. Sie wurde Souffleuse am Opernhaus. Und bis heute hilft sie den Christkindern bei der Markteröffnung mit dem Prolog auf die Sprünge, wenn diese mal nicht weiter wissen. "Einmal Christkind, immer Christkind", sagt die 53-Jährige. Und auch ganz praktisch hat ihr das Ehrenamt genützt: Bei einem Christkind-Job lernte die damals 18-Jährige den Nürnberger Operetten-Regisseur Kurt Leo Sourisseaux kennen und fragte ihn kurzerhand nach einem Volontariat. Heute ist sie Gesangs- und Klavierlehrerin. Das Christkind von 1981/82 musste sich gegen große Konkurrenz durchsetzen: Steinbauer trat gegen mehr als 100 Mädchen an. "Man steht im Rampenlicht und wird auch zum ersten Mal richtig ernst genommen", sagt sie rückblickend.

Als Christkind fürs Leben lernen

Auch Rebekka Volland hat als Christkind etwas fürs Leben gelernt: "Mir ist in dieser Zeit erst bewusst geworden, wie gut es mir geht", sagt die 25-Jährige, deren Ehrenamt inzwischen acht Jahre her ist. Die vielen Termine als Weihnachtsengel mit ärmeren Familien und todkranken Menschen hätten sie "geerdet" und ihr vor Augen geführt, dass es nicht selbstverständlich ist, schöne Reisen machen und studieren zu können. Inzwischen arbeitet Volland bei der Messe und studiert berufsbegleitend Sportmanagement an der Uni Bayreuth.

Ein neuer Blick auf die Gesellschaft

Auch Eva Sattlers Sicht auf die Gesellschaft haben Begegnungen, die sonst nicht jeder machen kann - etwa mit Obdachlosen oder Behinderten -, geprägt. Bis heute erinnert sich die 27-Jährige an einen Satz, den ein Mann in der Wärmestube zu ihr sagte: "Ach, Christkind, es ist schön, dass du auch zu uns kommst." Ein weiterer Lerneffekt ihres Ehrenamtes in den Jahren 2005 und 2006: "Dass man sich sehr schnell auf neue Situationen einstellen kann - oft weiß man vorher nicht, wer einem gleich gegenüber steht. Man führt Interviews, ist im Fernsehen oder im Krankenhaus." Sie habe viel über ihr Auftreten gelernt und an Selbstsicherheit gewonnen, sagt Sattler. Heute lebt sie in Ingolstadt und arbeitet in der internen Unternehmensberatung von Audi. Ihrer Heimat Nürnberg ist sie aber weiter verbunden.

Mehr zum Nürnberger Christkindlesmarkt: Warum ist das Christkind immer ein Mädchen?



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren