Allersberg
Anschlag auf Zug in Mittelfranken

Stahlseil-Anschlag auf ICE: Ermittler prüfen fremdenfeindliches Motiv

Zum Stahlseil-Anschlag auf die ICE-Strecke bei Allersberg/Mittelfranken gab es offenbar ein Bekennerschreiben des "Islamischen Staates". Und ausgerechnet deshalb schließen die Ermittler einen rechtsterroristischen Hintergrund für die Tat keineswegs aus, wie am Montag bekannt wurde.
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Anschlag mit rechtsterroristischem Hintergrund? Polizisten suchen auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab. Unbekannte hatten Anfang Oktober bei Allersberg/Mittelfranken ein Stahlseil auf  gespannt und einen Zug beschädigt. Fotos: Daniel Karmann/dpa
Anschlag mit rechtsterroristischem Hintergrund? Polizisten suchen auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab. Unbekannte hatten Anfang Oktober bei Allersberg/Mittelfranken ein Stahlseil auf gespannt und einen Zug beschädigt. Fotos: Daniel Karmann/dpa
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++++Update: Nach Anschlag auf ICE bei Allersberg: IS-Hintergrund bestätigt sich - Tatverdächtiger festgenommen

 

Die in der Nähe der Bahntrasse entdeckten Bekennerschreiben zum ICE-Anschlag bei Allersberg sollten die Ermittlungen möglicherweise gezielt in eine bestimmte Richtung lenken. Doch derzeit halten die Ermittler einen IS-Hintergrund für unwahrscheinlich und schließen ein rechtsterroristisches Motiv nicht aus. "Wir halten es für möglich, dass es sich um einen radikalisierten Einzeltäter aus dem extrem rechten Milieu handelte, der kurz vor der Landtagswahl in Bayern Stimmung gegen Flüchtlinge provozieren wollte", sagte ein Ermittler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland am Montag (5. November 2018).

Stahlseil-Anschlag auf ICE bei Allersberg: IS-Verbindung fingiert?

Begründet wird diese Einschätzung mit der Tatsache, dass die Texte auf den entdeckten Zetteln und Flugblättern in arabischer Sprache aus einschlägig bekannten Internet-Foren stammten. Damit seien sie frei verfügbar gewesen. Demnach sei es möglich, dass die Texte verwendet wurden, um eine Verbindung zu islamistischem Terror zu fingieren.

Einen Monat, nachdem Unbekannte ein Stahlseil über die Bahngleise der ICE-Strecke bei Allersberg in Mittelfranken spannten, hatten die Ermittler weitere Details bekannt gegeben. Demnach gibt es offenbar ein Bekennerschreiben des "Islamischen Staates". Am 7.10.2018 war ein ICE auf der Strecke Nürnberg-München in ein Stahlseil gefahren. Damals war glücklicherweise nur die Frontscheibe des Triebzuges kaputt gegangen, da das Seil wohl nicht dick genug war. Verletzt wurde niemand.

Laut eines Berichts der "Welt am Sonntag" (WAMS) könnte das großes Glück gewesen sein: Denn offenbar war das Ziel der Aktion "ein Anschlag mit vielen Toten und Verletzten" gewesen, so die Ermittler im Bericht.

Stahlseil auf ICE-Strecke: Drohschreiben legen einen Anschlag nahe

Das gehe aus den beiden Drohschreiben hervor, die in der Nähe des Tatorts gefunden worden waren. Die Ermittler hatten die Bahnstrecke danach intensiv abgesucht. Die beiden Dokumente, die jeweils aus einer Seite bestehen, sind in arabischer Sprache abgefasst. Darin werden europaweite Angriffe gegen den Bahnverkehr angedroht, falls die EU-Staaten nicht aufhören sollten, die Terrormiliz 'Islamischer Staat' zu attackieren", schreibt die "Welt am Sonntag".

Schon bei Bekanntwerden der Existenz von Drohschreiben wurden Zweifel an der Authentizität laut: Die Ermittler glaubten jedoch nicht, dass es tatsächlich IS-Sympathisanten waren, die das Stahlseil gespannt haben, berichtete die Deutsche Presse-Agentur und bezog sich auf Sicherheitskreise.

LKA hat Kommission gebildet: 50 Ermittler arbeiten an dem Fall

Das LKA hat am 27. Oktober die BAO (Besondere Aufbauorganisation) "Trasse" eingerichtet, in der durchschnittlich 50 Ermittler daran arbeiten, den Fall zu klären.

 

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