Nürnberg
Erfindungen

Erfindermesse in Nürnberg: Pill-O-Mat, Octagon, Magneten-Tampon - Das steckt hinter den Ideen

Bei der Erfindermesse in Nürnberg stellten viele Schöpfer ihre innovativen Ideen vor. Darunter ein Spiel, was das herkömmliche Billard aufmischen soll, und ein cleverer Automat, der alten Menschen bei der richtigen Pillen-Dosierung unterstützen soll.
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Acht statt vier Ecken: Yosief Ghehreigziabiher mit seinem Octagon. Auf der Erfindermesse "Iena" stellten viele Menschen ihre neuen Ideen vor. Foto: Nikolas Pelke
Acht statt vier Ecken: Yosief Ghehreigziabiher mit seinem Octagon. Auf der Erfindermesse "Iena" stellten viele Menschen ihre neuen Ideen vor. Foto: Nikolas Pelke
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Was haben Müll-Handpresse, UV-Klobürste und Pill-O-Mat gemeinsam? Alle drei Innovationen werden derzeit auf der Erfindermesse "Iena" in Nürnberg der Öffentlichkeit präsentiert. "Wir haben den ,Pill-O-Mat` erfunden", sagen Yannick (15) und Leo (16) und zeigen stolz auf einen weißen Kasten, der Patienten helfen soll, die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit einzunehmen.

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Hilfe für alte Leute: Pillen-Automat per Handy-App bedienen

"Dank des ,Pill-O-Mat`müssen sich besonders ältere Menschen die Tabletten nicht mehr einzeln vorsortieren", sagen die beiden Schüler und verweisen darauf, dass durch falsche Medikamenteneinnahme jährlich hohe gesundheitliche und finanzielle Schäden entstünden.

Diese fatalen Fehler bei der Medikation soll der smarte Pillen-Dosierer zukünftig vermeiden. Über eine Handy-App kann der Pillen-Automat programmiert werden. Geld verdienen wollen Yannick und Leo mit ihrer Erfindung übrigens nicht. "Wir wollen alten Leuten helfen", sagen die beiden Schüler, die den intelligenten Pillen-Spender am Schülerforschungszentrum Lörrach gemeinsam entwickelt haben.

Weltpatent: Erfinder bastelt Magnet in Tampon

Auf das große Geld hofft dagegen Christian Sulger, der einen magnetesierbaren Tampon erfunden hat. "Darauf habe ich das Weltpatent", sagt Sulger stolz und erklärt das scheinbar genial einfache Funktionsprinzip. Im Tampon sei ein Magnet versteckt. Dieser erzeuge ein Magnetfeld, das bei Menstruationsbeschwerden die Muskulatur signifikant entkrampfen könne. Schmerzen im Unterleib könnten durch den Magnet-Tampon schon bald der Vergangenheit angehören, ist sich Sulger sicher.

Die Erfolgsquote des Hygieneartikels mit dem implantierten Magneten gibt der Erfinder mit bescheidenen 90 Prozent an. Um der weiblichen Seite der Menschheit helfen zu können, sucht Christian Sulger auf der Nürnberger Erfindermesse freilich noch nach zahlungskräftigen Investoren, die sein Produkt mit dem Weltpatent auf den Markt bringen wollen. Die Gewinnaussichten seien gigantisch, verspricht der Erfinder. Rund zehn Euro soll die Packung am Ende im Supermarkt kosten.

Aktiengesellschaft in der Schweiz: Tampon-Erfindung für großen Ansturm gerüstet

Allein im deutschsprachigen Raum gebe es über 25 Millionen potenzielle Kundinnen, rechnet der Erfinder vor. Um von der Erfolgswelle nicht überrollt zu werden, habe er eine Aktiengesellschaft in der Schweiz gegründet. Diese Rechtsform ermögliche die "effizienteste Aufstellung" seiner Tampon-Firma vor dem Hintergrund der "hohen erwarteten Umsätze" selbst in den Anfangsperioden.

Laut Unternehmensprospekt verfügt die Medicalsanomed AG selbstverständlich über einen direkte Autobahnanbindung. Auch zum Flughafen nach Zürich soll es nicht weit sein. Seit neun Jahren arbeite der gelernte KfZ-Mechaniker bereits an der Marktreife seiner Erfindung, erzählt er. "Das hat natürlich alles nichts gekostet", sagt Sulger und lacht leicht gequält. Allein für das Weltpatent habe der Erfinder ein Vermögen auf den Tisch gelegt.

Nun setzt der Unternehmer darauf, einen zahlungskräftigen Investor auf der Erfindermesse in Nürnberg finden zu können. Der Erfinder rechnet sich gute Chancen aus. Schließlich würde sein Magnet-Tampon den "Break Even Point" schon "nach kurzer Zeit" erreichen, sagt er und spricht von ersten Gesprächsterminen, die er mit Investoren noch am gleichen Tag am Rande der Erfindermesse führen wolle.

Billard-Revolution in Nürnberg: Octagon wird vorgestellt

Von dem großen Reibach träumt nicht jeder Daniel Düsentrieb, der seine Weltneuheit in Nürnberg präsentiert. Yosief Ghebreigziabiher aus Nürnberg würde sich beispielsweise wohl schon freuen, wenn sich überhaupt jemand ernsthaft für sein achteckiges Billardspiel interessieren würde.

"Das ist die kleine Variante für die Messe", sagt der gebürtige Afrikaner aus Eritrea und zeigt auf einen achteckigen Billardtisch mit drei Löchern in der Mitte. Dem neuen Spiel hat der Tüftler schon einen neuen Namen gegeben: Octagon. Nun hofft der Erfinder darauf, dass seine Weltneuheit mit den acht Ecken bald das Billardspiel auf den Kopf stellt.

Fußballtrainer stellt neue Leiter vor: Mehr Schnelligkeit, Koordination und Kondition

Carsten Kanitz träumt ebenfalls von einer Revolution. Der Maschinenbauer aus Baden-Württemberg hat eine interaktive Koordinationsleiter erfunden, die das Training in vielen Sportarten revolutionieren soll. "Ich bin selber Fußballtrainer bei der Jugendmannschaft meines Sohnes", sagt Kanitz und schwärmt davon, wie mithilfe der interaktiven Trainingsleiter noch gezielter Koordination, Schnelligkeit und Kondition gebolzt werden könne.

Bier-Automat und Erfinderlust: Bayern in Patent-Statistik auf Platz eins

Derweil treffen sich drei Erfinder vor einem Bier-Automat. Wie von Geisterhand serviert dieser ein Bier vom Fass. Dummerweise ist diese Erfindung nicht verkäuflich. "Damit machen wir nur auf unseren Stand aufmerksam. Unsere eigentliche Erfindung ist Software, die sich fast von alleine schreibt", sagt die Frau hinter dem Messestand während der Bier-Roboter das nächste Pils zapft.

Apropos Hopfen und Malz: Bayern ist laut einer aktuellen Statistik des Deutschen Patent- und Markenamts das Bundesland mit den aktivsten Erfindern. Mit genau 764 Patentanmeldungen von freien Erfindern im Jahr 2017 führe der Freistaat die Bundesländer-Rangliste in der Kategorie der heimischen Hobby-Erfinder an. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 609 und Baden-Württemberg mit 573 angemeldeten Erfindungen. Auch bezogen auf die Bevölkerungszahl liege Bayern mit 5,9 Anmeldungen pro 100.000 Einwohner laut Patent- und Markenamt an der Spitze. In diesem Sinne: Prost, du schönes Erfinderland.

Info-Box: Erfindermesse in Nürnberg

Thema: Was haben die aufrollbare Hundeleine, Schwimmflügel und das Klappfahrrad gemeinsam? Sie alle wurden zuerst auf der der internationalen Fachmesse "Ideen - Erfindungen - Neuheiten" (Iena) in Nürnberg präsentiert, bevor sie ihren Siegeszug am Markt antraten.

Tradition: In der 70-jährigen Geschichte der Erfindermesse gibt es eine lange Liste an Erfindungen, die dort ihren Anfang nahmen, darunter auch praktische Innovationen wie der Spätzle-Shaker. Freie Erfinder und internationale Verbände des Erfindungswesens sowie Unternehmen, Handwerksbetriebe, Hochschulen und Forschungseinrichtungen nutzen die Messe zum Networking mit Gleichgesinnten und als Plattform für die Vermarktung.

Besucher: Am Wochenende ist die Erfindermesse für alle Besucher der Consumenta geöffnet. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.iena.de.

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