Nürnberg
Industriedenkmal

Eine Kampagne soll das Quelle-Gebäude retten

Eva Bär arbeitet und lebt neben dem ehemaligen Versandhandelszentrum: Gemeinsam mit anderen Anwohnern kämpft sie per Internet für den Erhalt des Riesengebäudes.
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Eva Bär. Foto: Pelke
Eva Bär. Foto: Pelke
Tief im Nürnberger Westen an der Fürther Straße ist die "Quelle" überall zum Greifen nah. In ihrem Kleingarten kann Eva Bär den 90 Meter hohen Quelleturm sogar fast in die Hand nehmen. "Als Anwohnerin ist es mir nicht egal, war hier passiert", erzählt die 38-jährige Nürnbergerin. Deshalb wollte sie etwas tun, anstatt die Diskussionen um die Zukunft des denkmalgeschützten Industrie-Palastes nur lautlos zu verfolgen.

Seitdem der Versandhandelsriese unter großem Getöse im Jahr 2009 für immer unterging, gibt es immer neue Überlegungen, was mit dem Riesenbau passieren soll. Vorschläge gab es genauso viele wie parteipolitische Streitereien. Die Universität sollte nach den Wünschen von Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hier teilweise einziehen. Selbst Finanzminister Markus Söder (CSU) mischte sich in die Debatte ein und dachte laut über einen Teilabriss nach.



Einmischen wollte sich auch die im Nürnberger Kulturleben engagierte Eva Bär - und startete nach dem Vorbild der erfolgreichen Online-Petition für den Erhalt des Nürnberger Kultkinos Meisengeige eine Online-Kampagne auf der Internet-Plattform "Change.org" für den Fortbestand des Gebäudes im Nürnberger Westen. Schnell fand sie Mitstreiter. Künstler wie der Fotograf Peter Kunz haben in dem wuchtigen Stahlbetonbau mit den markant durchlaufenden Fensterbändern kostengünstige Räumlichkeiten für ihre kreativen Ideen gefunden.

"Es ist ein ganz außergewöhnliches Gebäude", sagt der Fotograf. Quelle sei nicht nur ein Nürnberger Phänomen, sondern für ganz Deutschland ein Symbol des Wirtschaftswunders. "In der DDR war der Quelle-Katalog quasi das Pornoheft des Kapitalismus", sagt Kunz, der befürchtet, dass die Politik viel zu leichtfertig mit dem historischen Erbe jongliert und in der rund 250 000 Quadratmeter großen Nutzfläche nur ein städtebauliches Objekt sieht.

Derzeit prüft ein Investor den Kauf des Gebäudes, das sich im Besitz einer niederländischen Firma befindet. Der portugiesische Center-Entwickler Sonae Sierra will ein Einkaufszentrum aus dem Logistikgebäude machen. Eine Entscheidung soll im März nach den Kommunalwahlen fallen.



Auch wenn die vielen Mitarbeiter, Kataloge und Pakete längst verschwunden sind: Ein Leben ohne "die Quelle" können sich Anwohner wie Ingeborg Häuslein nicht vorstellen. "Mein Mann war 30 Jahre in der Möbel-Quelle. Bis zu seinem Tod. Die Quelle gehört bei uns einfach zur Familie", erzählt die 65-Jährige.

Sie selber habe als "Tagelöhnerin" in dem Schickedanz-Imperium gearbeitet. "Immer wenn Not am Mann war, bin ich eingesprungen." An Weihnachten zum Beispiel, wenn die Pakete sich in den Hallen und Gängen bis zum Horizont stapelten, erzählt Häuslein beim ausgedehnten Fußmarsch entlang des endlosen Ziegelbaus.

Hässlich findet sie den ockergelben Klotz nicht. "Das Gebäude gehört einfach zu Nürnberg", findet die Rentnerin. Genauso sieht das Eva Bär und ihre Mitstreiter, die mit Hilfe des Internets ein Bündnis für die Entwicklung des Quelle-Areals und mehr Mitspracherecht auf die Beine stellen wollen. Erreicht hat Eva Bär bereits, dass die Zukunft des Industrie-Denkmals wieder in den Blickpunkt geraten ist.
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