Nürnberg
Kultur

Dürer gehört nach Nürnberg

Die Kopien in Franken, die Originale in Münchner Museen und Schatzkammern - Fränkisches Kulturgut bleibt der Region oft genug vorenthalten.
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Die Kopie "Selbstbildnis im Pelzrock", die den Maler Albrecht Dürer darstellt, ist im Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg  zu sehen.Daniel Karmann/dpa
Die Kopie "Selbstbildnis im Pelzrock", die den Maler Albrecht Dürer darstellt, ist im Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg zu sehen.Daniel Karmann/dpa
Das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg beherbergt nicht nur das einzige in Nordeuropa erhaltene Künstlerhaus aus dem 16. Jahrhundert, sondern auch das erste deutsche Künstlermuseum seit dem Jahr 1828. Touristen aus aller Welt geben sich in dem in unmittelbarer Nähe der Kaiserburg befindlichen Haus die Klinke in die Hand. Nur: Längst nicht alles, was sie hier zu sehen bekommen, ist original.
Wer sich mithilfe von Audioguides durch die einzelnen Stationen hangelt, erhält immer wieder Hinweise wie: "Das Original befindet sich in der Alten Pinakothek in München." So zum Beispiel bei Dürers Selbstbildnis im Pelzrock. Das Bild ist nur großformatig digitalisiert zu bewundern und belegt eindrucksvoll, in welch genialer Weise Dürer bis ins kleinste Detail gearbeitet hat. Eine Kopie des Originals in einer Glasvitrine vermag dagegen aufgrund der eher schlechten Qualität allenfalls für Irritation zu sorgen.
Eigentlich, ja eigentlich gehört zumindest dieses Selbstbildnis dorthin, wo der Dargestellte über 20 Jahre gelebt und gearbeitet hat. Könnte Prunk- und Herzstück einer Ausstellung sein, die damit ihren Besuchern nicht nur Kopien und Digitales bieten könnte, sondern eben auch Originales.


Beutekunst-Gezerre

Dabei geht es im Zusammenhang mit Dürer nicht einmal um das ewige Gezerre um fränkische Beutekunst, die anfang des 19. Jahrhunderts eingesammelt in Münchner Schatzkammern verschwand oder in Museen für neue Glanzlichter sorgte. Nein, beim Selbstbildnis im Pelzrock sollen die Nürnberger auf einen Kunstdieb hereingefallen sein, der sich das Original ausgeliehen hatte, um eine Kopie zu erstellen. Die Kopie wurde zurückgegeben, das Original in München verhökert. Wie auch immer, das heute im Besitz der Alten Pinakothek befindliche Gemälde dürfte nur schwer den Weg zurück nach Nürnberg finden.


Gescheiterte Ausleihversuche

Das hatte vor wenigen Jahren schon einmal das Germanische Nationalmuseum versucht. Da wollte man das Selbstbildnis für eine große Ausstellung über den frühen Dürer. Prompt kam das Nein aus München, sehr zum Ärger der Nürnberger. Das Bild sei das Gesicht der Alten Pinakothek und damit unausleihbar. Außerdem wäre es für Transporte zu fragil. Die Mona Lisa fand den Weg von Paris nach Japan, Raffaels Bilder schafften es vom Vatikan nach Dresden, für einen echter Dürer war der Weg von München nach Nürnberg einfach zu gefährlich. Argumente, die man auch schon im Zusammenhang mit Beutekunst in Bamberg hörte. Da ging es im Jahr 2012 um die Leihgabe der Heinrichskrone im Zusammenhang mit dem 1000jährigen Bamberger Dom-Jubiläum. Zu fragil für einen Transport, hieß es damals aus Münchner Expertenkreisen.
In Bamberg konnte man sich immerhin mit einer kunstvoll angefertigten Replik der Krone behelfen, die zudem noch den Charme hatte, auf Dauer vor Ort verbleiben zu können. Das Original blieb freilich außen vor. Ähnliche Erfahrungen hatte man auch in Würzburg mit dem fränkischen Herzogsschwert gemacht.


Das Frankenschwert

Dieses Schwert, das als eine der Machtinsignien der Würzburger Fürstbischöfe galt und um das Jahr 1460 als prunkvolles Zeremonialschwert gefertigt worden war, wanderte nach der Auflösung des Fürstbistums Anfang des 19. Jahrhunderts in die Schatzkammer der Münchner Residenz. Zusammen mit 14 Kisten, in denen sich 56 Werke aus der Würzburger Residenz und über 100 aus fränkischen Klöstern befanden. Erich Schneider, der Leiter des Mainfränkischen Museums in Würzburg - nach der Übernahme durch den Freistaat im Jahr 2017 als künftiges "Museum für Franken" gedacht, könnte sich jedenfalls gut vorstellen, dass das fränkische Herzogsschwert wieder nach Würzburg zurückkehrt. "Das wäre der Lackmustest dafür, ob es dem Freistaat ernst damit ist, in Würzburg ein Museum für Franken entstehen zu lassen, das auch hohen Ansprüchen gerecht wird." Weil es halt schon deprimierend klingt, wenn es immer wieder aus dem Audioguide tönt: "Das Original befindet sich in der Alten Pinakothek in München."

Kommentar:
Eine Aufgabe für Söder
Daran haben sich schon Generationen fränkischer Politiker die Zähne ausgebissen - fränkische Kulturgüter einer interessierten Öffentlichkeit wieder dort präsentieren, wo sie entstanden, wo sie Funktion hatten, wo sie identitätsstiftend waren - in Franken eben. Um damit ja lediglich einen Ausgleich zu dem zu schaffen, was in früheren Beutezügen zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Kunstliebhabern aus dem Geschlecht der Wittelsbacher Richtung München gekarrt worden war. Die Zeiten haben sich geändert - ab Morgen hat mit Markus Söder ein Franke im Freistaat das Sagen. Hoffnung für alle, die gegen die Totschlagargumente Münchner Kunstexperten bislang nichts auszurichten vermochten. Oder die auf die unverrückbaren Besitzverhältnisse des Wittelsbacher Ausgleichsfonds hingewiesen wurden. Unverrückbar bleibt, dass Frankens Herzogsschwert nach Würzburg gehört, und Dürer mit München nie was am Hut hatte.
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