Schnaittach
Verbrechen

Schnaittach: Eltern erschlagen und eingemauert - das heuchlerische Verhalten der Verdächtigen

Nach dem Fund zweier Leichen sitzen der Sohn und die Schwiegertochter in U-Haft. Bis zuletzt hatten sie Interviews gegeben und um Spenden gebeten.
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Nach dem Fund zweier Leichen sitzen der Sohn und die Schwiegertochter  in U-Haft. Bis zuletzt  hatten sie  Interviews gegeben und um Spenden gebeten. Foto: NEWS5 / Desk
Nach dem Fund zweier Leichen sitzen der Sohn und die Schwiegertochter in U-Haft. Bis zuletzt hatten sie Interviews gegeben und um Spenden gebeten. Foto: NEWS5 / Desk

Wenige Tage vor ihrer Festnahme sitzen der 25-Jährige und dessen Ehefrau auf dem heimischen Sofa im mittelfränkischen Schnaittach und blicken ernst in die Fernsehkamera. Das junge Paar wirkt nervös, aber gefasst. Dabei hat das Gespräch einen äußerst traurigen Anlass: Seit fünf Wochen werden die Eltern des Mannes vermisst. "Die größte Freude, die man uns machen könnte, wäre, dass die beiden wieder zur Türe reinkommen. Dass wir wissen, was mit ihnen passiert ist."

Der 25-Jährige weiß zu diesem Zeitpunkt offenbar genau, was mit seinen Eltern passiert ist. Er und seine 22-jährige Ehefrau sind dringend tatverdächtig, das Rentnerpaar umgebracht zu haben. Auf dem Grundstück in Schnaittach wurden zwei Leichen entdeckt. Eingemauert in einen Garagenanbau. Das grausige Verbrechen hat den kleinen Ort in eine Schockstarre versetzt.


Am Dienstag wird zunächst bekannt gegeben, dass es sich bei der männlichen Leiche um den 70 Jahre alten Vater des Tatverdächtigen handelt. Die Todesursache wurde am Mittwoch geklärt: Das Ehepaar wurde, wahrscheinlich mit einem Werkzeug, erschlagen.

 


In Widersprüche verstrickt

Auch hinsichtlich eines möglichen Motivs dauern die Ermittlungen an. Die Ehefrau des mutmaßlichen Täters hat sich laut Traud "zum Tatbeitrag des Ehemanns" geäußert. Sie soll zudem zugegeben haben, ihrem Mann bei der Beseitigung der Spuren geholfen zu haben. Der schweigt hingegen beharrlich. Auch gegenüber dem Ermittlungsrichter machte er gestern keine Angaben. Das Ehepaar sitzt seither in Untersuchungshaft.

 

 


In Widersprüche verstrickt

Die Polizei kam den Tatverdächtigen auf die Spur, weil diese sich zuletzt in Widersprüche verstrickt hatten. Der Sohn gab unter anderem an, dass seine Eltern das Haus, in dem beide Ehepaare lebten, am 13. Dezember Hals über Kopf verlassen hätten. Mit voll gepackten Reisetaschen und einer hohen Bargeldsumme - allerdings ohne ein Ziel zu nennen. Auch das Wohnmobil, mit dem sie regelmäßig verreist waren, ließen die Rentner zurück. Der 25-Jährige sagte den Ermittlern, dass die Eltern vermutlich zu Fuß in Richtung Schnaittacher Bahnhof gelaufen sein müssen.

Am 28. Dezember hatte der Sohn seine 66 und 70 Jahre alten Eltern dann als vermisst gemeldet. An Weihnachten will er versucht haben, sie zu kontaktieren. Dass die Handys ausgeschaltet waren, habe ihn nicht verwundert. "Ältere Menschen machen die Telefone öfter mal aus."

Nur einen Tag nach der Vermisstenmeldung heiratet das junge Paar. Das Wohnmobil bietet der Sohn Anfang Januar im Internet zum Verkauf an. Dies sei mit dem Vater abgesprochen gewesen.

 

 

 

 

 


Verdächtige Materialien entdeckt

Bei der Durchsuchung des Grundstücks entdeckt die Polizei weitere Beweise. So wurden "verdächtige Materialien" und das angebliche Reisegepäck in eine Grube in der Garage gelegt und zubetoniert - dies allerdings wenig fachmännisch, wie Polizeipräsident Johann Rast berichtet. Zudem finden die Ermittler Hinweise auf ebenfalls äußerst laienhafte Renovierungsarbeiten im Haus, vermutlich um Spuren zu beseitigen, so Rast.

 

 

 


Spendenkonto auf Facebook

Die Tatverdächtigen waren zuletzt nicht nur durch Fernseh- und Zeitungsinterviews in die Öffentlichkeit getreten. Der Sohn hatte auf Facebook eine mittlerweile gelöschte Spendenseite ins Leben gerufen - offiziell, um Suchanzeigen im Ausland zu finanzieren. In den Kommentarspalten verteidigte sich der 25-Jährige mehrfach, als ihm Nutzer unterstellten, etwas mit dem Verschwinden seiner Eltern zu tun zu haben. Unter anderem schrieb er Mitte Januar, dass er sich große Sorgen um seine Eltern macht und falsche Gerüchte über ihn verbreitet würden.

Deshalb stimmt er Mitte Januar auch diversen Interviews zu. Dabei versichert der 25-Jährige stets, dass er sich das Verschwinden seiner Eltern nicht erklären kann, zumal diese an dem beschaulichen Heimatort hängen würden. "Mein Vater hat immer gesagt: Ich komme in Schnaittach auf die Welt und in Schnaittach geht es auch zu Ende." Ein Satz, der zur traurigen Gewissheit wurde.

 

 

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